Wirtschaftskrise: Katholische Laien für drastische Maßnahmen

Wien, 29.04.2009 (KAP) Drastische politische Massnahmen zur Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise hat der Vorstand des Katholischen Laienrates Österreichs gefordert. Diese Massnahmen müssten auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene gesetzt werden. Insbesondere gehe es um "klare gesetzliche Vorgaben gegen Fi-nanzspekulationen" (auch durch international abgestimmte Besteuerung von Spekulationsgewinnen), die "Installierung wirksamer internationaler Kontrollorgane" und die "Klarstellung, dass Spekulation, die auf keinem realwirtschaftlichen Vorgang beruht, eine Form der Wirtschaftskriminalität ist". Bei der Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise gehe es nicht nur um Symptombekämpfung, vielmehr müsse bei den tieferen Ursachen angesetzt werden, insbesondere bei der mangelnden Nachhaltigkeit des Weltwirtschaftssystems. Ein mögliches Modell für eine neue weltweite ökosoziale Marktwirtschaft sei der "Global Marshall Plan".

Die gegenwärtige globale Wirtschaftskrise gehe in ihrer weltweiten Dimension, in ihrer Abruptheit und ihrer Hartnäckigkeit trotz massiver politischer Gegenmaßnahmen weit über einen "normalen" Abschwung (Rezession nach Hochkonjunktur) hinaus, erinnert der Vorstand des Katholischen Laienrats. Es sei unbestritten, dass Exzesse in der Finanzwirtschaft zu jenem Zusammenbruch wesentlich beigetragen haben, der nun zum Auslö-ser und Verstärker der Wirtschaftskrise wurde. Politiker, Wirtschaftsfachleute und Ethiker seien daher auch aufgerufen, die Unterscheidung zwischen ethisch unbedenklichen und ethisch verwerflichen Finanzgeschäften herauszuarbeiten. Dass unethisches und unmoralisches Handeln in diesem Bereich oft nicht einmal rechtlich relevant geahndet werden kann, sei ein Beleg dafür, dass bisher die Politik beim Festlegen international durchsetzbarer Rahmenbedingungen sowie bei der Einrichtung der entsprechenden internationalen Kontrollinstitutionen überfordert war. Selbst in Ländern mit gut organisierten Kontrollinstanzen (Finanzmarktaufsicht, Börsenaufsicht, Bankenaufsicht etc.) seien diese Institutionen im Zusammenhang mit der Finanzkrise kaum wirksam geworden.

Der Vorstand des Katholischen Laienrats erinnert daran, dass seit den siebziger Jahren vor den irreversiblen Folgen der Ideologie des progressiven Wachstums gewarnt wurde. Auch österreichische Vor- und Querdenker "wie Rupert Riedl, Herbert Pietschmann und insbesondere auch Hans Millendorfer" hätten bereits damals ihre Stimme erhoben. Der Zukunftsforscher Millendorfer hatte gemeinsam mit dem Journalisten Christoph Gaspari 1978 das Buch "Konturen einer Wende" veröffentlicht.

Johannes Paul II. habe in seinen Sozialenzykliken "Laborem exercens", "Sollicitudo rei socialis" und "Centesimus annus" wichtige Hinweise gegeben. Auch der vom Weltkirchenrat initiierte Prozess für "Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" habe anfänglich viel in Bewegung gebracht. Auf österreichischer Ebene verweist der Vorstand des Katholischen Laienrats insbesondere auf die Aussagen der Bischofskonferenz und des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich.

Der Katholische Laienrat ist die oberste Koordinations- und Kommunikationsplattform der verschiedenen katholischen Laienorganisationen in Österreich, von der Katholischen Aktion über die Katholischen Verbände bis zu den "Movimenti".

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