Laienrat

Wien, 31.12.2019 (KAP) Appell des Vorstands des Katholischen Laienrates Österreichs zur FINANZ- UND WIRTSCHAFTSKRISE Präambel:
Seit den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts wird vor den negativen Auswirkungen der industriellen Revolution unter Beibehaltung eines mechanistischen und reduktionistischen technologisch-wirtschaftlichen Paradigmas gewarnt. Marksteine dafür sind Berichte an den Club of Rome, in denen auf die fatalen und irreversiblen Folgen einer Fortführung progressiven Wachstums ("more of the same") hingewiesen wird.

Auch österreichische Vor- und Querdenker haben in dieser Zeit begonnen vor dieser Entwicklung zu warnen. Dazu gehören Konrad Lorenz, Rupert Riedl, Herbert Pietschmann und insbesondere auch Hans Millendorfer, der gemeinsam mit Christoph Gaspari in seinem Buch "Konturen einer Wende" (1978) konkrete Hinweise zum dringend notwendigen Paradigmenwandel gegeben hat.

Besonders zu erwähnen ist auch der ökumenische Prozess für "Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung". Auch wesentliche Enzykliken von Papst Johannes Paul II (Laborem exercens und insbesondere auch Sollicitudo rei socalis bzw. auch Centesimus annus) seien hier genannt.

In den letzten Jahren wurden darüber hinaus die Internationalisierung der Wirtschaft und der tiefgreifende Wandel, den die geänderte internationale Arbeitsteilung durch die Fortschritte der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT insb. www) genommen hat, signifikant.

Der KLRÖ weist darauf hin, dass er sich in den letzten Jahren in Resolutionen für die Unterstützung der ökosozialen Marktwirtschaft, für die Unterstützung der Global Marshallplan Initiative, für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer sowie für die Besteuerung von Finanzspekulationen ausgesprochen hat. Er begrüßt auch im Besonderen die letzten Aussagen der Bischofskonferenz der Katholischen Kirche und des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich zu diesem Thema.

Der KLRÖ unterstützt besonders die vielen Aussagen, die in den letzten Monaten dazu mahnen, nicht nur die Symptome der Finanz- und Wirtschaftskrise zu bekämpfen, sondern auf die Ursachen und die von der internationalen Politik ignorierten falschen Entwicklungen zu reagieren.

Appell des Katholischen Laienrates Österreichs

Die KLRÖ fordert die politischen Entscheidungsträger dazu auf: a) auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene b) für die Definition klarer und eindeutiger Rahmenbedingungen und klarer gesetzlicher Maßnahmen gegen Finanzspekulationen (z.B. auch durch international abgestimmte Besteuerung von Spekulationsgewinnen), c) für die Installierung wirksamer internationaler Institutionen und Kontrollorgane einzutreten und vorzusorgen d) und klarzustellen, dass Spekulation, die auf keinem realwirtschaftlicher Vorgang beruht, zu Lasten individueller Dritter oder der Allgemeinheit eine Form von Wirtschaftskriminalität ist.

Politiker, Wirtschaftsfachleute, Ethiker und Moraltheologen sind aufgerufen, zur Klärung der Unterscheidung zwischen ethisch unbedenklichen und ethisch verwerflichen bzw. kriminellen Finanzgeschäften und Handlungen beizutragen.

Der KLRÖ fordert die politischen Entscheidungsträger außerdem auf, in der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise, die durch eine von Verantwortlichen wissentlich herbeigeführte bzw. in Kauf genommene Finanzkrise ausgelöst worden ist, nicht nur die Symptome, sondern auch die dahinter liegenden Ursachen, nämlich die mangelnde Nachhaltigkeit des weltweiten Wirtschaftssystems, zu bekämpfen. Ein mögliches Modell dafür ist der "Global Marshall Plan" (Planetary Contract - eine Initiative für eine weltweite ökosoziale Marktwirtschaft).

Begründung:

Die gegenwärtige globale Wirtschaftskrise geht in ihrer weltweiten Dimension, in ihrer Abruptheit und ihrer Hartnäckigkeit trotz massiver politischer Gegensteuerungsmaßnahmen weit über einen "normalen" Abschwung (Rezession nach Hochkonjunktur) hinaus.

Es ist unbestritten, dass Exzesse in der Finanzwirtschaft (Banken und andere Finanzierungsinstitutionen, sowie Finanz- und Anlageberater), welche sich entgegen seriöser Warnungen in den letzten Jahren ständig weiter aufgeschaukelt und von der Realwirtschaft abgekoppelt haben, zu jenem Zusammenbruch der Finanzwirtschaft wesentlich beigetragen haben, der nun zum Auslöser und Verstärker der oben beschriebenen Wirtschaftskrise wurde.

Darüber hinaus ist entscheidend auch individuelles, signifikantes bis hin zu nicht anders als skrupellos zu bezeichnendes Fehlverhalten.

Dass derartig unethisches und unmoralisches Handeln oft nicht einmal rechtlich relevant geahndet werden kann, ist ein Beleg dafür, dass bisher die Politik beim Festlegen international durchsetzbarer Rahmenbedingungen sowie bei der Einrichtung der zu deren Umsetzung benötigten internationalen Institutionen überfordert war und man auch ihr ein Versagen vorwerfen kann.

Dieses Politikversagen lässt sich auch daran festmachen, dass selbst in Ländern mit gut organisierten Kontrollinstanzen (Finanzmarktaufsichten, Börsenaufsichten, Bankenaufsichten etc.) diese kaum wirksam werden konnten.

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