Unterstützung für Medizinische Universitäten dringlich

ÖÄK-Enquete in Wien - Dorner plädiert mit drei aktuellen Argumenten für finanziellen Mehraufwand - Sozialwissenschafter Marin warnt vor personellem Aderlass

Wien (OTS) - Entschlossene Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Medizinischen Universitäten Österreichs im internationalen Vergleich zu sichern, forderte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner, am Dienstag bei der Enquete "Nach der Universitätsreform: Vision und Realität der Medizinischen Universitäten" in Wien.

Für eine verstärkte finanzielle Unterstützung der Medizinischen Universitäten gibt es drei aktuelle Gründe, hob Dorner hervor:
o Investitionen in die Forschung sind Erfolg versprechende Wachstumsfaktoren, das ist in Zeiten der wirtschaftlichen Rezession von besonderer Bedeutung.
o Die medizinische Wissenschaft mit ihrem hohen Anteil an Grundlagenforschung ist auf öffentliche Mittel angewiesen. Nur so können Abhängigkeiten von Drittmitteln in vertretbaren Grenzen gehalten werden.
o Um die Ziele des neuen Medizincurriculums zu erreichen ist eine solide finanzielle, personelle und räumliche Ausstattung nötig.

Eine Verbesserung der Situation sei unumgänglich nötig, betonte Harald Mayer, Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte: "Wegen der schlechten Arbeitsbedingungen verlassen viele der besten Ärzte die Unis!" Wie schlecht die Verhältnisse sind, zeigte Univ. Prof. Thomas Szekeres, Betriebsratsvorsitzender der Medizinischen Universität Wien, anhand einer Umfrage unter Ärzten der Med Uni Wien im Sommer des Vorjahres auf. Die durchschnittliche Arbeitszeit der Ärzte lag demnach im AKH bei 69,7 Stunden pro Woche. 40 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mehr als die erlaubte Höchstarbeitszeit von 72 Stunden in der Woche leisten. An den Universitäten in Graz und Innsbruck ist die Lage nicht besser, unterstrichen Univ. Prof. Martin Tiefenthaler, Betriebsratsvorsitzender der Medizinischen Universität Innsbruck, und der Hochschulreferent der steirischen Ärztekammer, Univ. Prof. Hans Peter Dimai.

Der Sozialwissenschafter Univ. Prof. Bernd Marin warnte vor einem drohenden "Aderlass der besten Kräfte" an den Medizinischen Universitäten: "Sie sind nicht mehr das Ziel wissenschaftlicher Kriterien, sondern nur noch Durchgangsstationen auf dem Weg zu einem attraktiven Posten außerhalb der Uni. Die Qualität der Arbeitsplätze und der Arbeitsbedingungen muss unbedingt ausgebaut werden!"

Das Kostenargument ließ Marin nicht gelten: "Geld genug wäre da, die Politik müsste nur den Mut zu einschneidenden Reformen aufbringen. Jede einzelne 'Baustelle' im jetzigen Pensionssystem kostet mehr als die Sanierung des Gesundheitswesens."

Auch der Chef der angestellten Ärztinnen und Ärzte, Harald Mayer, äußerte sich pointiert zur Kostenfrage: "Für die Banken gab es in atemberaubendem Tempo ein 100-Milliarden-Paket - und bei der Gesundheit soll drastisch gespart werden? Das versteht doch niemand!"

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