Prammer für gesetzliche Quotenregelung Veranstaltung in Erinnerung an Adelheid Popp

Wien (PK) - Sie habe ihre Meinung geändert und sei nun überzeugt, dass es gesetzlicher Quoten bedürfe, um Frauen die gleichen Chancen in der Arbeitswelt, und vor allem in höheren Positionen, zu ermöglichen wie Männern, betonte heute Nationalratspräsidentin Barbara Prammer im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung, die Adelheid Popp gewidmet war. Popp war eine der ersten acht Parlamentarierinnen in der Konstituierenden Nationalversammlung nach Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1918 und den Wahlen vom 16. Februar 1919 sowie politische Pionierin der Sozialdemokratie.

Es gebe zwar keine perfekten Modelle zur Quotenregelung, sagte Prammer, aber man sei in Gesprächen mit den weiblichen Abgeordneten der anderen Fraktionen übereingekommen, im Herbst eine parlamentarische Enquete zu diesem Thema abzuhalten. Vieles habe sich zwar für die Frauen zum Besseren gewendet, dennoch sei es Realität, dass es hinsichtlich der Frauenbeteiligung nur zaghafte Schritte gibt. Die Nationalratspräsidentin wies auf den wieder gesunkenen Frauenanteil im Nationalrat hin, der nun bei knapp 28 Prozent liegt, nachdem er bereits einmal fast 34 Prozent erreicht hatte. Alles gehe viel zu langsam, obwohl sich die Gesellschaft enorm dynamisch entwickelt, unterstrich Prammer und wies in diesem Zusammenhang auch auf die Notwendigkeit hin, angesichts der aktuellen Krise Bedingungen zu schaffen, damit Frauen nicht noch mehr ins Hintertreffen geraten.

Barbara Prammer diskutierte mit der Aufsichtsrätin Wilhelmine Goldmann, der Journalistin und Autorin Sibylle Hamann und der Anwältin für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt bei der Gleichbehandlungsanwaltschaft Sandra Konstatzky. Die Diskussionsleitung hatte die Linzer Universitätsprofessorin Gabriella Hauch inne, die sich in ihren Arbeiten eingehend mit Adelheid Popp und der Frauenrechtsbewegung auseinander gesetzt hat.

Die Diskussionsteilnehmerinnen, die der Frage nachgingen, inwieweit die politischen Strategien von Adelheid Popp auch heute noch Relevanz haben, waren sich darin einig, dass die Erzeugung von Druck und allem, was irritiert und provoziert, gut und nützlich sei. Deshalb sei die Forderung nach einer Frauenquote wichtig, denn das tue offensichtlich weh, ziehe man die aufgeregte Diskussion darüber in Betracht. Anreize allein seien zu wenig, man brauche auch gesetzliche Bestimmungen, stellte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer fest.

Angesichts der Tatsache, dass die Entlohnung in frauentypischen Berufen wesentlich niedrigerer ist und die Gehälter im Laufe der Zeit auch dort relativ gesunken sind, wo Frauen mehrheitlich männliche Beschäftigte abgelöst haben, wäre eine bessere Durchmischung innerhalb der einzelnen Berufssparten ein wichtiger Hebel zur Gleichbehandlung, zeigten sich die Diskutantinnen unisono überzeugt.

Zum heiklen Thema Transparenz der Einkommen, was von Sibylle Hamann als eine notwendige Maßnahme erachtet wurde, schlug Nationalratspräsidentin Prammer als ersten Schritt Einkommensstatistiken vor, und zwar auch in privaten Unternehmen. Dies würde eine wesentliche Orientierung bieten, und daran führe kein Weg vorbei, meinte sie. Als wesentliche Faktoren zur Änderung der noch immer vorhandenen Benachteiligung von Frauen wurden in der Diskussion auch der Bildungsbereich sowie der Ausbau der Kinderbetreuung und die leichte Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes genannt.

Zur Veranstaltung "Adelheid Popp - Eine Frau schreibt Geschichte" hatte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer anlässlich "90 Jahre Frauenwahlrecht" und zur Erinnerung an den 3. April 1919 geladen, als erstmals eine Frau, nämlich Adelheid Popp, als Abgeordnete ans Rednerpult im Parlament trat. Bei dieser Rede handelte es sich um den Gesetzesantrag zur Abschaffung des Adels und aller seiner Privilegien und Vorrechte. Die Schauspielerin und Autorin Anna Hauer trug aus dem Stenographischen Protokoll vor und vermittelte damit auch einiges vom leidenschaftlichen Engagement und der rhetorischen Kraft Adelheid Popps. Diese Rede der damals fünfzigjährigen Sozialdemokratin sei ein Systembruch in doppelter Hinsicht gewesen, bemerkte Gabriella Hauch in ihrer Einleitung. Einerseits sei es um einen radikalen Inhalt gegangen, nämlich die Abschaffung des Adels, andererseits um die Tatsache, dass eine Frau, noch dazu Autodidaktin aus ärmlichen Verhältnissen, das Parlament eroberte.

Nationalratspräsidentin Prammer konnte unter den Gästen die ehemalige Präsidentin des Bundesrats Anna Elisabeth Haselbach, Bundesministerin a.D. Lore Hostasch und die frühere Dritte Präsidentin des Nationalrats Heide Schmidt begrüßen.

Näheres über Adelheid Popp, ihr Leben und Wirken als Politikerin und Parlamentarierin, ist den Aussendungen der Parlamentskorrespondenz Nr. 190/2009, Nr. 363/2009 und Nr. 364/2009 zu entnehmen. (Schluss)

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