WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ackermann bleibt. Sind wir jetzt die Dummen? - von Wolfgang Unterhuber

Ein Krisenverursacher darf fröhlich weitermachen

Wien (OTS) - Kaum eine Woche vergeht, in der nicht ein österreichischer Top-Manager aufgrund der Wirtschaftskrise seinen Sessel räumt oder räumen muss. Festzuhalten ist, dass es sich dabei eigentlich um Spitzenleute handelt, die mit der aktuellen Entwicklung aber nicht mehr mithalten können. Und: Es sind Führungskräfte, die die Krise nicht verursacht haben.

In Deutschland ist das anders. Dort darf der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, weitere drei Jahre in Amt und Würden bleiben. Ackermann hat ein erstes Quartal mit knapp 1,2 Milliarden Euro Gewinn hingelegt, nachdem man zum Jahresende 2008 noch tief in die roten Zahlen geschlittert war.

Wow! Die Deutsche Bank scheffelt also schon wieder Geld und ist fast wieder bei einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent angelangt. Herr Ackermann war ja übrigens immer schon "Mister 25 Prozent". Banker, die darunter lagen, galten gemeinhin als Loser. Aber jetzt: Wieder alles paletti? Dürfen wir mit Herrn Ackermann das Ende der Krise ausrufen?

Nun ja: Da gibt es ein kleines Problem. Herr Ackermann verdient sein Geld nur mit Investmentbanking. "Bösartige" Menschen sagen dazu auch Spekulation. Das Privatkundengeschäft ist hingegen dramatisch eingebrochen. Analysten und Ratingagenturen glauben daher auch, dass bei der Deutschen Bank eine dicke Abschreibungsbombe tickt. Herr Ackermann sagt aber, dass er mit Sicherheit keine Staatshilfe brauchen wird. Aber Ackermann hat im Februar auch gesagt, dass die Aktionärsversammlung im kommenden Jahr "mit Sicherheit sein letzter Tag bei der Bank sein werde." Davon ist natürlich nicht mehr die Rede.

So darf also ein Manager weitermachen, der bei der Entstehung der Krise nicht nur dabei war, sondern sie wesentlich mitverursacht hat. Die Deutsche Bank war mittendrin in den Spekulationsgeschäften, Kreditverkäufen etc. etc. Aber ein gebürtiger Schweizer und Reserveoffizier, der gerne von "seiner Bank" spricht, begeht natürlich keine Fahnenflucht, wie das Magazin "Spiegel" schreibt. Und wie es sich für einen echten Patriachen gehört, wurde auch weit und breit kein geeigneter Nachfolgekandidat aufgebaut. Ackermann regiert nicht nur "seine Bank", sondern auch seinen Aufsichtsrat.

Jeder Banker, jeder Unternehmer und Manager, der in der Vergangenheit nicht fröhlich mitgezockt hat, um die Profite hochzupeitschen und stattdessen sozusagen konservativ seine Geschäfte betrieben hat, muss sich jetzt fragen, ob er nicht irgendwie ganz schön der Dumme ist.

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