ÖH: Nicht alles eitel Wonne in Bologna - Probleme bei Uniwechsel und Studienqualität

Zahlreiche Probleme bei Bologna-Umstellung ungelöst

Wien (OTS) - Aus Sicht der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH) sind die Ziele des 1997 gestarteten Bolognaprozesses zur Steigerung der Studierendenmobilität und zur besseren Vergleichbarkeit von Hochschulabschlüssen grundsätzlich zu begrüßen. Bei der Umsetzung dieser Ziele treten jedoch häufig Probleme auf. Die ÖH demonstrierte deshalb heute vor dem Wissenschaftsministerium in ihrer Medienaktion die Probleme, die die Österreichischen Hochschulen im Zusammenspiel bei der Umstellung auf die Bologna-Studienarchitektur haben.

Chaos an den Hochschulen - Wechsel kaum mehr möglich

Die Umsetzung der Bolognarichtlinien verläuft auch auf österreichischer Ebene völlig unkoordiniert. Die einzelnen Universitäten interpretieren die Richtlinien völlig unterschiedlich und erfinden neue Systeme, die nicht mehr miteinander kompatibel sind - dadurch wird z.B. der Wechsel von einer Universität an die andere praktisch unmöglich.

Massive Qualitätseinbußen in den Studienplänen

Durch die Implementierung der Bolognarichtlinien kam/kommt es zu einer massiven Verschlechterung der Studienpläne. In vielen Fächern wurden bei der Umstellung auf Bachelor und Master die Wahlfächer gestrichen, durch die teils sehr genaue Definition der Ausrichtung von Lehrveranstaltungen werden die Studienpläne häufig extrem restriktiv. Die Studienpläne gleichen mehr einem Stundenplan in der Schule als einem Studium. Die Bachelorstudienpläne sind häufig überfüllt und kaum in Mindestzeit studierbar, da einfach die Diplomstudienpläne unter Wegfall der freien Wahlfächer in das neue System gequetscht wurden.

Klares NEIN zu Rankings im Bolognaprozess

Seit Längerem wird auf europäischer Ebene diskutiert, im Zuge der Qualitätssicherung Rankings einzuführen. Obwohl die meisten Ministerinnen und Minister und beteiligten Organisationen - allen voran die ESU (European Student Union) - sich klar gegen Rankings im Bolognaprozess aussprechen, übt die Europäische Kommission Druck aus, dennoch solche einzuführen. Rankings alleine sichern keine Qualität und führen tendenziell zu einem Wettkampf zwischen den Hochschulen als zu mehr Kooperation und gegenseitigem Vertrauen zwischen diesen. Anstatt zu versuchen, die Qualität zu steigern, streben die Universitäten nach der Erfüllung von Indikatoren und nichtssagenden Zahlen. Zudem gibt es zahlreiche methodologische Probleme mit Rankings. Die Kriterien, die in Rankings herangezogen werden, können nichts über Qualität aussagen und sind nicht daran orientiert, was für Studierende wichtig ist.

Die ÖH fordert deshalb

- ausgewogene Bachelorstudienpläne, insbesondere mit Rücksicht auf Auslandsaufenthalte der Studierenden.

- die zentrale Koordination der Umsetzung von Bologna und Zusammenarbeit zwischen den Universitäten in Österreich und eine Verankerung von einheitlichen Standards für die Studienpläne.

- die Verhinderung der Einführung von Rankings und ähnlichen Instrumenten im Rahmen des Bolognaprozesses.

Fotos zur Medienaktion werden auf Anfrage gerne zur Verfügung gestellt.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichische Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH)
Julia Forstner, Pressesprecherin
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