ÖAMTC: Autobahntempo 130 "als Großversuch" ab 1. Mai 1974 - so war es damals (Teil 2, + Fotos)

Historische Berichte aus dem Club-Magazin auto touring

Wien (OTS) - Im Mai 1974 berichtete das Club-Magazin auto touring auf der Titelseite: "Ab 1. Mai: Autobahntempo 130! Als Großversuch zu betrachten", lautete die Schlagzeile. Die Redaktion berichtet weiter:
"Nach einer von Verkehrsminister Lanc einberufenen Konferenz mit den Interessenvertretern fiel die Entscheidung: Ab 1. Mai wurde für Österreichs Autobahnen das Tempolimit von 120 km/h auf 130 km/h angehoben. Etwa ein Jahr lang will man nun die Auswirkungen der neuen Regelung auf die Praxis studieren. 'Dann wird man weitersehen', so der Minister."

Dieser Entscheidung waren laut Club-Magazin Untersuchungen und Befragungen zu generellen Tempolimits auf Autobahnen und Freilandstraßen vorausgegangen. "Hatte sich nämlich noch im September 1973 die Mehrheit der Clubmitglieder gegen eine solche Geschwindigkeitsbeschränkung ausgesprochen, brachte ein über ÖAMTC-Auftrag durchgeführter Bericht des Fessel-Institutes die Überraschung: 49 Prozent der Befragten sprachen sich für 100 km/h auf Nichtautobahnen aus, sechs Prozent forderten ein generelles Tempolimit von etwas mehr als 100 km/h", liest man im Club-Magazin. Und weiter: "Alles in allem konnte es über das Tempo 100 auf Nichtautobahnen keine Diskussion mehr geben. Die Frage aber blieb offen, ob das Limit für Autobahnen bisher doch noch zu engherzig angesetzt worden sei, zumal die Ausbaugeschwindigkeit bis 140 km/h reicht und Autobahnen erfahrungsgemäß etwa fünfmal sicherer sind als andere Straßen."

Die Diskussionen führten zu mehrmaligen Änderungen der Geschwindigkeitsgrenze: Am 1. März 1974 wurde die Geschwindigkeitsgrenze für Österreichs Autobahnen von 100 km/h (gültig seit November 1973) auf 120 km/h hinaufgesetzt. Im Mai folgte die neuerliche Kurskorrektur auf eben 130 km/h. "Der ÖAMTC hat zugestimmt, betrachtet aber die neue Maßnahme, die für ein Jahr lang Geltung haben soll, als einen Großversuch. Er verlangt weitere eingehende Forschungen, vor allem auch von Seiten der Verkehrstechnik, die sich bis jetzt viel zu wenig mit diesem Problemkreis befasst hat", schreibt der auto touring.

Bestandsaufnahme ein Jahr später - auto touring im August 1975

Im August 1975 beschäftigte sich die auto touring Redaktion mit dem Status Quo. Die neuen Tempolimits (130 km/h auf Autobahnen und 100 km/h auf Freilandstraßen) - waren als Novelle zur StVO (Straßenverkehrsordnung) in Kraft getreten. Eine Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit zeigte ein deutliches Absinken der Unfallrate auf Autobahnen und Freilandstraßen bis zur ersten Hälfte des Jahres 1974. "Auch wenn man die besondere Situation während der Benzinkrise berücksichtigt", liest man im Club-Magazin. "Seither verschlechtert sich die Schreckensbilanz auf den Autobahnen wieder."

Das Fazit des Clubs anno 1975: "Der 'Initialeffekt' ist abgeklungen. Vor allem aber fehlt es an der nötigen Überwachung." Der Club forderte deshalb eine Reihe "flankierender Maßnahmen", ein "Sicherheitspaket" also, um die Einhaltung der Limits zu gewährleisten. Dazu gehörten "eine strenge Bestrafung von gefährlichen Verstößen gegen die Verkehrsvorschriften, ein verschärftes Einschreiten gegen alkoholisierte Lenker und eine rigorose Ahndung von Geschwindigkeitsexzessen." Außerdem sollte der Staat zusätzliche Mittel für Polizei und Gendarmerie bereitstellen, um eine permanente Überwachung des Straßenverkehrs zu gewährleisten.

Aviso an die Redaktionen: Fotos zu diesem Artikel sind im Fotoservice des Clubs unter www.oeamtc.at/presse verfügbar.

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