Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Europa wählt, Österreich schläft (Von MARIO ZENHÄUSERN)

Ausgabe vom 28. April 2009

INNSBRUCK (OTS) - Europa wählt. Österreich entscheidet. Mit diesem Slogan versucht die ÖVP derzeit, die Bevölkerung auf die EU-Wahl am 7. Juni einzustimmen. Der Erfolg ist enden wollend, aber nicht nur bei der ÖVP: Die EU-Wahl scheint allen Parteien eher ein Klotz am Bein denn ein echtes Anliegen zu sein. Von Wahlkampf ist nichts zu spüren. Wie denn auch, wenn die meisten nur ihre zweite oder dritte Garnitur in den Kampf um die Mandate schicken.

Gut, die ÖVP hat mit Ernst Strasser immerhin einen ehemaligen Minister nominiert und damit für eine kleine Überraschung gesorgt. Aber sonst? Hans-Peter Martin kandidiert zum dritten Mal - allerdings nicht, um in Brüssel für Österreich zu arbeiten, sondern um dort Missstände aufzudecken. Die SPÖ verzichtet auf neuen Schwung und lässt Hannes Swoboda in Brüssel sitzen, ebenso die Freiheitlichen, die es immerhin regelmäßig in News-Rankings schaffen: Ihr Spitzenkandidat Andreas Mölzer scheint dort immer am Ende der Tabelle der fleißigsten Abgeordneten auf. Das BZÖ versorgt Ewald Stadler mit einem Job bei der EU und ist damit einen scharfzüngigen Kritiker vorerst los, die Grünen ersetzen Johannes Voggenhuber durch Ulrike Lunacek, die sich gleich einmal ein hohes Ziel steckt: Sie will eine zweite Amtszeit von Kommissionspräsident Barroso verhindern.

Bei so viel versammelter Kompetenz bleibt eigentlich nur noch eine Frage offen: Wer verhindert, dass die Wahlbeteiligung am 7. Juni unter die der ÖH-Wahl fällt? Die Studentenvertreter lockten zuletzt nicht ganz 30 Prozent ihrer Wählerinnen und Wähler an die Urnen. Für Österreichs EU-Kandidaten in ihrer derzeitigen Verfassung ein ambitioniertes Ziel.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001