"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Krisenherd Schule brennt" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 25. April 2009

Innsbruck (OTS) - Bildungsministerin Claudia Schmied hat das
seltene Kunststück zusammengebracht, im Schulstreit alle Betroffenen gegen sich aufzubringen.

Die Bilanz der über acht Wochen immer mehr aufgeschaukelten Streitereien um die Schule ist mehr als nur ernüchternd: Schmied hat sich an den Lehrern fast die Zähne ausgebissen. Von der groß angekündigten längeren Lehrverpflichtung um zwei Stunden blieb nichts übrig. Mit viel Gewürge und auch Tricks wie der Stundung der Mieten durch die Bundesimmobiliengesellschaft brachte die Ministerin doch noch ihr Budget (und damit auch für ihr Lieblingsprojekt Neue Mittelschule) zusammen.

Mit dem Aus für die schulautonomen Tage brachte Schmied nun auch noch einen Teil der Eltern (andere hatten seit Jahren das Chaos um die je nach Schule unterschiedlichen Tage kritisiert) und vor allem Schüler gegen sich auf. Und setzte mit dem gleichzeitigen Halbrückzieher um zwei freiwillige Fördertage ihre chaotische Vorgangsweise fort.

Wenn es im seit Wochen tobenden Schulstreit ein starkes Signal gegeben hat, dann waren es gestern die Massendemonstrationen der Schüler: 60.000 Kinder und Jugendliche gingen auf die Straße, unzählige Klassenzimmer blieben in Österreich leer.

Wie sinnvoll oder sinnlos fünf schulautonome Tage angesichts von ohnehin 180 schulfreien Tagen im Jahr sind, darüber kann diskutiert werden. Nicht aber, dass endlich die Betroffenen, nämlich Eltern und vor allem auch Schüler, stärker in Entscheidungen eingebunden werden. Jugendliche sollen ab 16 zu Wahlen gehen, gleichzeitig werden sie aber bei Entscheidungen über die für sie elementarste Zukunftsfrage, der Bildung, außen vor gehalten.

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