"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Gschwentners letzte Chance" (Von PETER NINDLER)

Ausgabe vom 16. April 2009

Innsbruck (OTS) - Der Tiroler SPÖ-Chef Hannes Gschwentner steht unter Zugzwang.

Der Aufstand gegen SP-Chef Hannes Gschwentner musste einmal kommen. Die Partei hat die vernichtende Niederlage bei der Landtagswahl trotz neuerlicher Regierungsbeteiligung auch zehn Monate danach noch nicht verkraftet. Die Koalition mit der ÖVP war letztlich die einzige Chance für die Tiroler SPÖ, nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, doch die Partei geriet dabei nur noch mehr in den Hintergrund. Die Nationalratswahl übertünchte im Herbst dann die längst fällige Struktur- und Parteireform.

Gschwentners Kritiker können zwar allesamt selbst keine Erfolge vorweisen, sondern verteidigen seit Jahren lediglich ihre eigenen Pfründe. Aber sie haben sich aus der Deckung gewagt und den ersten Stein geworfen. Darauf kommt es an. Den ersten Angriff hat der SP-Chef pariert, will er weiter Vorsitzender bleiben, muss er bei der Vorstandsklausur ein schlüssiges Konzept vorlegen und Stärke demonstrieren. Denn oft agierte er in der Vergangenheit zu zaghaft, als es um die Partei ging.

Rückenwind von der allgemeinen Stimmung darf sich Gschwentner keinen erwarten. Trotz des allzeit lächelnden Bundesparteivorsitzenden und Bundeskanzlers Werner Faymann befindet sich die Sozialdemokratie in einer großen Krise - in allen Bundesländern und flächendeckend. Wofür die SPÖ steht, wissen oft nicht einmal mehr die Parteimitglieder.

Der Tiroler SPÖ-Chef steht unter Zugzwang. Er hat nicht viel falsch gemacht, aber dramatische Verluste bei der Landtagswahl eingefahren. Das reicht allemal für einen Rücktritt. Gibt Gschwentner bei der Vorstandsklausur am 25. April der SPÖ nicht eine klare Richtung vor, weist sein persönlicher Wegweiser wohl in Richtung Abschied.

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