WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Euro ist auf dem Weg zur Nummer eins - von Robert Gillinger

Dank der EZB wird wohl der Euro Weltleitwährung

Wien (OTS) - Wer sich für die späteren Folgen der aktuellen Krise interessiert, wirft einen Blick nach Serbien. Dort kommt es bereits zu Steuererhöhungen. Wie sonst sollten die Staaten ihre ausufernden Defizite refinanzieren? Besonders schlimm wird es da wohl die USA treffen, die ihre Verschuldung mit immer neuen Billionen, etwa für Banken, in astronomische Höhen schrauben. Die kommende Steuerkeule wird die US-Wirtschaft nachhaltig schwächen. Kein Wunder, dass Länder wie China und Russland eine neue Weltleitwährung fordern - immerhin besitzen diese nach Jahren des wirtschaftlichen Booms hohe Devisenreserven, vor allem in US-Dollar. Und dessen Wert ist eine unterdurchschnittlich prosperierende Wirtschaft nicht zuträglich, womit die Reserven dahinschmelzen würden. Eine neue Weltleitwährung wirft aber aktuell mehr Fragen als Lösungen auf. Noch dazu wird damit ein Problem angegangen, das sich ohnehin lösen wird: Die USA sind noch die Weltwirtschaftsmacht Nummer eins - doch die Grenzen eines Konsums rein auf Pump liegen mittlerweile auf der Hand.

In Wahrheit steuert das Finanzsystem ohnehin bereits auf eine neue Weltleitwährung zu: 2008 entfielen 64 Prozent der Währungsreserven auf den Dollar, 1999 waren es noch 70,9. Der 1999 geborene Euro legte hingegen von 17,9 auf 26,5 Prozent zu. Ein kurzer Sidestep zur Vor-Dollar-Weltwährung: Das Pfund kommt auf 4,1 Prozent.

Alles mit gutem Grund, verfolgt man die Politik der Zentralbanken. Während praktisch alle größeren Notenbanken eine Nullzinspolitik fahren, liegt die EZB bei 1,25 Prozent. Die mancherorts dafür gehörte Kritik ist Nonsens. Denn mit diesem Vorgehen kann die EZB den großen, noch kommenden Inflationsdruck abfangen - Fed und Co. nicht! Grund:
Alle Notenbanken pumpen irrwitzige Geldsummen ins System. Solange das bei den Banken gebunkert wird, kein Problem, da sich Inflation aus Geldmengenwachstum und Umlaufgeschwindigkeit errechnet - die Geschwindigkeit liegt praktisch bei null. Doch was, wenn die Wirtschaft und damit der Umlauf anspringt? Ohne frühzeitige Zinserhöhungen kann das Zuviel an Geldmenge nicht wieder reabsorbiert werden - Inflation ist da. Da sind die EZBler klüger.

Dort wurde nur der Einlagensatz auf 0,25 Prozent gesenkt. Wird dieser erhöht, sinkt die inflationstreibende Umlaufgeschwindigkeit. Und das kann die EZB, ohne zuvor die Leitzinsen antasten zu müssen - was wieder der Konjunktur abträglich wäre; Fed und Co. können das nicht. Wer derart verantwortungsbewusst agiert, verdient es, künftig Leitwährung zu sein.

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