Kardinal Schönborn: "Es keimt eine neue Zuversicht in der Kirche"

Wiener Erzbischof ermutigte bei Chrisam-Messe im Wiener Stephansdom zum Zeugnis für den Glauben

Wien, 7.4.09 (KAP) "Es waren sehr belastende Wochen, manchmal auch Momente großer Mut- und Ratlosigkeit. Doch nun sehe ich eine neue Zuversicht in der Kirche aufkeimen": Mit diesen Worten lud Kardinal Christoph Schönborn bei der traditionellen Chrisam-Messe am Montagabend im Wiener Stephansdom die Gläubigen dazu ein, die "Heilige Woche" zu begehen. Die für die Kirche oft schmerzhaften Erfahrungen der vergangenen Wochen müssten auch als "ein Weg der Läuterung" begriffen werden. Zugleich rief der Wiener Erzbischof die Gläubigen dazu auf, das Vertrauen in Jesus und die Kirche nicht zu verlieren und gemeinsam in die Zukunft zu blicken.

Es gebe genügend Positives auch in der Kirche in Österreich zu entdecken und lebendig zu halten. So dürfe man nicht vergessen, wie sehr Österreich "bis heute von christlichen Wurzeln und einem christlichen Erbe geprägt" sei. Weiter hob Kardinal Schönborn das Netz der Pfarren, Orden und Gemeinschaften hervor, die zusammen ein "feinmaschiges Netz der Nächstenliebe und Gottesliebe" bilden. Allein in der Erzdiözese Wien gebe es 660 Pfarren. Dieses Netz umfasse

Doch der Christ dürfe auch vor negativen Tendenzen nicht die Augen verschließen, so etwa vor der demografischen Entwicklung, die Anlass zur Sorge gebe. Weiters unterstrich der Wiener Erzbischof, dass auch in Österreich "das christliche Lebensverständnis mehr und mehr und zum Teil sehr aggressiv an den Rand gedrängt" wird; es gebe Versuche, die Christen zu "marginalisieren".

Gerade angesichts dieser Tendenzen ermunterte Schönborn dazu, für den Glauben öffentlich einzustehen. "Was ist es", so fragte der Kardinal in Anlehnung an ein Zitat aus der Apostelgeschichte, "wovon wir nicht schweigen können?" Man müsse als Christ immer wieder an die Quellen des Evangeliums zurückkehren, um die "Initialzündung" des Glaubens zu begreifen. Diese könne man etwa im "Mission Statement" Jesu in der Synagoge von Nazareth sehen, wo Jesus den Propheten Jesaja zitierte:
"Gott hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe".

In diesem Zusammenhang verwies Kardinal Schönborn auf den großen diözesanen Vorgang "Apostelgeschichte 2010", der in den kommenden 24 Monaten das Leben der Erzdiözese Wien prägen soll. Ziel des Vorgangs ist es, die Apostelgeschichte "hier und heute" weiterzuschreiben und einen missionarischen Aufbruch auszulösen.

Bei der Chrisam-Messe, die der Wiener Erzbischof mit zahlreichen Priestern, Diakonen, Priesteramtskandidaten sowie Firmlingen aus der ganzen Diözese feierte, weihte er die heiligen Öle, die während des Jahres für die Sakramentenspendung in den Kirchen der Erzdiözese verwendet werden. Chrisam wird aus reinem Olivenöl hergestellt, Balsam und Aromastoffe werden beigefügt. Das Chrisamöl findet Verwendung bei Taufe und Firmung, bei der Priesterweihe, aber auch bei der Weihe von Altären und Kirchen. Außer dem Chrisamöl werden bei der Chrisam-Messe auch das Krankenöl für die Krankensalbung und das Katechumenenöl für die Taufe geweiht. Öl ist Zeichen für Lebendigkeit und Stärke. Die Ölweihe steht allein dem Bischof zu. (forts.mgl.) K200903367
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