Falter: Bank Austria übersiedelt Kundendaten von Wien nach Italien

Internes Papier warnt vor Mängeln beim Datenschutz.

Wien (OTS) - Wie der Falter in seiner am Mittwoch erscheinenden Ausgabe berichtet, werden die Kontendaten der österreichischen Bank Austria-Kunden ab August 2009 nicht mehr im Rechenzentrum in Favoriten gespeichert, sondern in einem Serverzentrum in Verona. Dort werden sie ab August 2009 zusammen mit den Daten der Kunden der italienischen UniCredit lagern. Hintergrund des Umzugs ist die Konzentration der Kundendaten innerhalb der UniCredit Gruppe, zu der die Bank Austria seit 2007 gehört. Ein internes Expertenpapier der Bank Austria, das dem Falter vorliegt, zieht den Schritt in Zweifel und warnt vor schwerwiegenden Mängeln bei der Datensicherheit.

Vor allem der physische Zugriff auf die Festplatten, die Verschlüsselung und die Unterschiede der Rechtssysteme als neuralgische Punkte genannt. Für die Bank Austria-Kunden könnte die Auslagerung der Daten nach Verona einer Aufweichung des österreichischen Bankgeheimnisses gleichkommen, weil das italienische Bankenrecht Behördenanfragen wesentlich offener gegenüber steht als das österreichische. Auch nimmt Italien - so wie die meisten EU-Staaten - am automatischen Informationsaustausch über die Zinseinkünfte ausländischer Anleger teil.

Im Bericht heißt es dazu: "Durch den Standortwechsel der Hardware nach Verona besteht für Personen, die nicht dem österreichischen BWG unterliegen, die Möglichkeit des physischen Zugriffs auf Hardwareressourcen des Kernbankensystems der Bank Austria". Derartige Eingriffe zu verhindern, sei schwierig. Denn: es sei "keine Kontrolle der Bank Austria über Einhaltung des österreichischen Bankwesengesetzes möglich." Zusammenfassend kommen die Experten zum Schluss, dass "nichtautorisierte Zugriffe auf Kundendaten des Kernbankensystems der Bank Austria damit nicht vollständig ausgeschlossen werden" können.

Bank Austria-Sprecher Martin Halama bestätigt gegenüber dem Falter die Übersiedlung des Rechenzentrums. Allerdings seien alle im Bericht genannten Schwierigkeiten heute ausgeräumt. Die Kundendaten würden anonymisiert und verschlüsselt gespeichert und nur von Österreich aus gewartet. Damit sei die volle Wahrung des österreichischen Bankgeheimnisses und des Datenschutzes gesichert. "Wenn Sie so wollen, der Safe steht in Verona - die Kombination, der Schlüssel und der Dechiffriercode dafür sind aber in Wien und der Zugriff darauf unterliegt den österreichischen Gesetzen.

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