FSG-Haberzettl zu Nulllohnrunden: "Ökonomische Absurditäten der Industriellenvereinigung"

"Solidarität keine Einbahnstraße für ArbeitnehmerInnen" - auch Wirtschaft muss Beitrag zur Krisenbewältigung leisten

Wien (ÖGB/FSG) - In den "Bereich der ökonomischen Absurditäten" verwies der Vorsitzende der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen (FSG), Wilhelm Haberzettl, am Dienstag die Forderung der Industriellenvereinigung nach Nulllohnrunden und Gehaltsverzicht. "Ich gehe davon aus, dass Herr Sorger mit den ökonomischen Basiskenntnissen ausgezeichnet vertraut ist", sagte der Gewerkschafter. "Es müsste dem Präsidenten der Industriellenvereinigung deshalb eigentlich glasklar sein, dass der Verzicht auf Gehaltserhöhungen für die Konjunktur kontraproduktiv wäre. Die Erfahrungen der Vergangenheit belegen, dass Lohnkürzungen oder verschobenen Lohnrunden noch nie Arbeitsplätze gesichert, sondern sich nur als Mühlstein für das Wachstum erwiesen und zudem für steigende Arbeitslosigkeit gesorgt haben", kritisierte Haberzettl. ****

"Haben die ArbeitnehmerInnen kein Geld zum Ausgeben, werden die Betriebe auch keine höheren Umsätze machen", gibt der FSG-Vorsitzende zu bedenken. Seriöse und vernünftige Wirtschaftsforscher würden deshalb nicht ohne Grund vor Nulllohnrunden und Gehaltsverzicht warnen. Die Forderungen Sorgers ließen zudem nicht auf große Sensibilität und Verständnis schließen: "In Zeiten von einerseits bereits vorhandenen finanziellen Abstrichen durch Kurzarbeit und Aussetzverträge für ArbeitnehmerInnen zur Unterstützung der Unternehmen sowie andererseits Managern, die Milliardenverluste produziert haben und trotzdem unbehelligt mit hohen Prämien nach Hause spazieren, ist diese Einstellung der Industriellenvereinigung eindeutig das falsche Signal", betonte Haberzettl.

"Die Gewerkschaften können natürlich nicht die Augen vor der Wirtschaftskrise verschließen und werden so wie auch in der Vergangenheit im Rahmen der wirtschaftlichen Gesamtsituation Lohnverhandlungen mit Augenmaß und Flexibilität führen", so der FSG-Vorsitzende weiter. Schließlich sei die Betroffenheit der Unternehmen von der Wirtschaftskrise unterschiedlich. "Es gibt nach wie vor genug Betriebe, die sich entsprechende Lohn- und Gehaltserhöhungen aufgrund von Auftragslage und Umsatzerwartung leisten können", unterstrich Haberzettl.

Konjunkturpakete von der Politik zu fordern, sei eine Sache, so der FSG-Vorsitzende weiter. Die Wirtschaft müsse auf der anderen Seite aber auch mit entsprechenden Lohnerhöhungen ihren Beitrag zur Kaufkraftstärkung, Konjunkturankurbelung und somit zur Überwindung der Krise beitragen. "In der Krise heißt es zusammenhalten. Solidarität kann deshalb sicher nicht eine Einbahnstraße für ArbeitnehmerInnen bedeuten. Das sei dem Herrn Sorger ins Stammbuch geschrieben", schloss Haberzettl.

FSG, 7. April 2009 Nr. 35

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