Sachbuch zur Geschichte der Homosexualität in Wien

Wien (OTS) - Mehrschichtig tritt das Thema Homosexualität derzeit an die Öffentlichkeit. Zum einen cineastisch: Gus van Sant erzählt in seinem Film "Milk" die Geschichte von Harvey Milk, seines Zeichens Bürgerrechtler der 70er Jahre, der vehement für die Rechte Homosexueller eintrat. Der charismatische Milk brachte es in San Francisco bis zum Stadtrat. Für seine Überzeugungen musste er 1979 sterben - erschossen von einem Amtskollegen.

Zum anderen kirchlich: Vor kurzem brachte die katholische Kirche das Thema wieder auf´s Tapet. Wir erinnern uns an den Nicht-Antritt des designierten Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner - er empfahl medizinische Behandlung für Homosexuelle.

Und zum dritten literarisch: Die wissenschaftliche Arbeit "Homosexualität und Gesellschaft" von Philipp Wagner beleuchtet die Geschichte der Homosexuellenbewegung in Wien nach 1945. Und stellt zum Einen die Frage, was sich denn seitdem getan habe, zum Anderen welche Wirkung Homosexuellen-Organisationen auf die Gesellschaft genommen haben.

Die Entwicklung der Bewegung

Im ersten Teil gewährt Wagner einen Überblick über die Geschichte der Organisationslandschaft zum Thema Homosexualität in Wien nach 1945. Als "Vater" des Begriffs identifiziert er Karl Maria Kertbeny (1824-1882). Dieser verwendete den Begriff "Homosexualität" erstmals 1869 im Zuge seiner Schriften, in denen er Straffreiheit für gleichgeschlechtliche Handlungen forderte. Damals ein Meilenstein, wurden Homosexuelle doch zuvor als "Sodomiten" verunglimpft. Übrigens ein Begriff, der sich damals auf alle Arten von Sexualverkehr bezog, die nicht ausschließlich der Fortpflanzung dienten. Erst 1971 fiel, unter der Regierung Kreisky, das Totalverbot für homosexuelle Betätigungen, zahlreiche Einschränkungen jedoch blieben. In der Aufbruchstimmung der 70er Jahre wurden erste Gruppen gegründet, unter anderem 1975 die Gruppe "Coming Out". Als erste tatsächliche Interessensgemeinschaft trat 1980 die HOSI (Homosexuellen Initiative) Wien auf den Plan. Und ab 1983 gab es die ersten Förderungen seitens der Stadt Wien.

Einfluss auf die Gesellschaft

Im zweiten Teil widmet sich Wagner dem Wirken auf die Gesellschaft. Im Zuge dessen streift er Themen, die im kollektiven Bewusstsein mit Homosexualität verbunden werden: Unter anderem die Homo-Ehe, die Abschaffung des Paragrafen 209 (Schutzalter für schwule Jugendliche) und die Regenbogenparade. Interessanterweise findet der Life-Ball in Wagners Buch keine Erwähnung.
Thema ist zudem der Zugang der bereits eingangs erwähnten katholischen Kirche, wobei auch der Fall von Bischof Groer thematisiert wird. Und auch Aids wird angesprochen. Lange Zeit als Argument gegen Homosexuelle institutionalisiert, galt Aids als Krankheit, die ausschließlich Drogensüchtige und Homosexuelle betrifft. Der Ausdruck "Schwulenpest" tat sein übriges. Wagner streift dabei das ambivalente Verhältnis zwischen Aids-Hilfe und Homosexuellenbewegung: einerseits wollte man nicht über die Maßen miteinander in Verbindung gebracht werden, andererseits fühlte sich die Bewegung in der Aids-Hilfe unterrepräsentiert.

Fazit des Buches: 25 Jahre organisierter Homosexuellenbewegung haben durchaus Spuren hinterlassen, sowohl sozial als auch politisch und vor allem: medial.

"Homosexualität und Gesellschaft" von Philipp Wagner, erschienen im VDM Verlag (www.vdm-verlag.de), Saarbrücken 2008, Preis: 59 Euro, ISBN Nummer 978-3-8364-6866-4 (Schluss) kad

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