"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Im Schulstreit prallen Welten aufeinander" (Von Wolfgang SABLATNIG

Ausgabe vom 7. APRIL 2009

Innsbruck (OTS) - Nur eine Vermittlung zwischen den Fronten kann eine Lösung bringen.

Die rote Bildungsministerin Claudia Schmied geht zu weit, wenn sie ein schwarzes "Netzwerk gegen die Schulreform" wittert. Eigenartige Allianzen sind es aber schon, die sich rund um die Pläne zur Erhöhung der Lehrverpflichtung gebildet haben. Warum sich etwa Schüler mit den Pädagogen solidarisieren, ist nur schwer zu erklären.

Aber auch die Lehrervertreter haben sich verrannt. Eine "Politik der Nadelstiche" gegen Schmieds Pläne anzukündigen, mag gut klingen; konstruktiv ist es nicht. Und den PISA-Test zu boykottieren mag kämpferisch wirken und für Aufsehen sorgen. Es bleibt aber der Beigeschmack, dass die Pädagogen etwas verhindern wollen, dessen Ergebnis ihnen erwartbar unangenehm sein wird.

Beide Seiten haben sich tief eingegraben. Es prallen zwei Welten aufeinander. Da die Gewerkschaft, für die an erster Stelle die Standesinteressen der Lehrer steht - sei das die Arbeitszeit oder auch der gute Ruf in der Öffentlichkeit.

Und dort die Ministerin, die am Output des Systems Schule interessiert ist. Sie misst die Arbeit der Lehrer daher lieber an Bildungsstandards - ob die jetzt national oder international vergleichbar sind - als an katalogisierten Arbeitszeiten.

Beide Seiten sagen, sie handeln nur zum Wohle der Schülerinnen und Schüler, beide Seiten sagen das aus bestem Wissen und Gewissen. Ohne Vermittlung werden sie sich aber nicht auf eine gemeinsame Sicht dieses Wohls der Schüler einigen können. Bundeskanzler und Vizekanzler dürfen sich da nicht länger zurückhalten.

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