"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Unverschämte Attacke Wiens" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 4. April 2009

Innsbruck (OTS) - Fünf vor zwölf hat der Bund die Katze aus dem Sack gelassen: 350 Mio. Euro (das sind immerhin 5 Mrd. alte Schilling) soll Tirol aus der Landeskasse zum Bau der Brennerbasistunnels beisteuern. War dies nur ein Versuchsballon, die Reaktion Tirols auszutesten? Oder war es angesichts des explodierenden Budgetdefizits der Anfang vom Ende des Megaprojekts? Welches Gewicht Tirol bei der ostlastigen Bundesregierung (kein einziger Minister aus Salzburg, Tirol oder Vorarlberg) auf die Waage bringt, wird sich sehr rasch herausstellen.

Tirol müsste sich stark verschulden oder Teile des Familiensilbers (Hypo, Tiwag, Wohnbauförderung) verkaufen, um 350 Mio. Euro oder wahrscheinlich noch viel mehr aufzubringen. Was nicht einzusehen ist:
Bisher hatte Tirol nur die Belastungen des Europa-Transits, die Einnahmen flossen ab.

Noch immer gibt es um den Basistunnel leider viel mehr offene Fragen als Antworten. Etwa, was die 55-Kilometer-Riesenröhre, deren Fertigstellungstermin immer weiter nach hinten rutscht, tatsächlich kosten wird. Von 8 nach zuvor 6 Mrd. Euro ist seit Kurzem die Rede, inklusive Finanzierung werden es wohl 12 Mrd. Euro. Verkehrsexperte Knoflacher rechnet gar mit 20 Mrd. Euro.

Bevor solche astronomischen Summen an Steuergeld verbaut werden (ob nun aus EU-Mitteln, von Italien, Österreich oder gar aus Tiroler Budgets), muss endlich wasserdicht feststehen, dass der Tunnel notfalls auch zwangsweise voll ausgelastet wird. Wobei er selbst dann nicht einmal das erreichen wird, was die Wirtschaftskrise wohl nur auf absehbare Zeit ausgelöst hat: einen massiven Rückgang der Transitfahrten durch Tirol.

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