Fortschritt im Seligsprechungsverfahren für Linzer Bischof Rudigier

Er verteidigte die Rechte der Katholiken in der Auseinandersetzung mit dem politischen Liberalismus im Österreich des 19. Jahrhunderts=

Vatikanstadt-Linz, 3.4.09 (KAP) Das Seligsprechungsverfahren für den Linzer Bischof Franz Joseph Rudigier (1811-1884) ist einen großen Schritt vorangekommen. Papst Benedikt XVI. hat ein Dekret der vatikanischen Heiligsprechungskongregation autorisiert, das dem Bischof den "heroischen Tugendgrad" zuerkennt. Für die Seligsprechung des Bischofs ist noch der Nachweis eines Heilungswunders notwendig. Er leistete im 19. Jahrhundert nach der Machtergreifung der Liberalen in Österreich energischen Widerstand und gilt als einer der Initiatoren der katholischen Volksbewegung.

Rudigier stammte aus Partenen in Vorarlberg, 1835 wurde er zum Priester geweiht. 1839 wurde er Professor Kirchengeschichte und Kirchenrecht in Brixen; 1845 erfolgte seine Ernennung zum Hofkaplan in Wien. In dieser Eigenschaft war er Lehrer des späteren Kaisers Franz Joseph I. Ab 1850 war er Domherr von Brixen und Regens des dortigen Priesterseminars.

Am 19. Dezember 1852 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zum Bischof von Linz, Pius IX. bestätigte die Ernennung am 10. März 1853 (bis zum Ende der Habsburger-Monarchie lag in Österreich das Ernennungsrecht der Bischöfe beim Kaiser bzw. bei der Bürokratie des Unterrichtsministeriums). Als Bischof förderte Rudigier die Niederlassung zahlreicher Ordensgemeinschaften in Oberösterreich. Nach der Verkündigung des Dogmas "der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria" (1854) initiierte er ein Jahr später den Bau des Neuen Doms in Linz, der Maria geweiht ist.

Nach der politischen Umwälzung in Österreich rief Rudigier in einem Hirtenbrief vom 7. September 1868 zum Widerstand gegen die neuen staatlichen Schul- und Ehegesetze (Maigesetze) auf. Das Schreiben wurde von der Polizei beschlagnahmt; am Tag der polizeilichen Vorführung des Bischofs demonstrierte die katholische Bevölkerung in Linz zum ersten Mal öffentlich. Der Bischof wurde am 12. Juli 1869 wegen des "Verbrechens der Störung der öffentlichen Ruhe" zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt, vom Kaiser aber begnadigt.

Diese Verurteilung machte Rudigier zum Volksbischof und bewirkte eine zunehmende politische Aktivität der Katholiken. 1870 konnten der "Katholische Volksverein" und der "Katholische Preßverein der Diözese Linz" gegründet werden.

Beim Ersten Vatikanischen Konzil hielt er - ähnlich wie der Wiener Kardinal Joseph Othmar von Rauscher - die Verkündigung des Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papstes nicht für opportun. Bei der Abstimmung 1870 votierte er aber doch für das Dogma. Die im selben Jahr erfolgte Aufhebung des Konkordats von 1855 durch die liberale österreichische Regierung akzeptierte er aber nie.

Rudigier hat während seiner 31-jährigen Amtszeit 835 Pfarrvisitationen vorgenommen, 48 Hirtenschreiben erlassen und sich zu allen wichtigen Anliegen der Zeit geäußert. Er starb 1884; bereits 1895 wurde der Seligsprechungsprozess eingeleitet. (ende)
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