Österreichische Ärztekammer schafft bundesweites Fehlermelde- und Lernsystem

Initiative für Patienten, Ärzte und nicht-ärztliche Gesundheitsberufe zusammen mit ÖQMed - Dorner: "Wollen Patientensicherheit stärken!"

Wien (OTS) - Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) wird in den kommenden Wochen ein bundesweites Fehlermelde- und Lernsystem für Ärzte und Patienten einrichten. Dazu wurden im ÖÄK-Vorstand dieser Woche entsprechende Beschlüsse getroffen. Das neue Fehlermelde- und Lernsystem CIRS (Critical Incident Reporting System) soll Ärzten, aber auch Patienten die Möglichkeit bieten, anonym so genannte Critical Incidents zu melden. Darunter werden im Gesundheitssystem kritische Ereignisse verstanden, die im Zusammenhang mit der Krankenbehandlung vorkommen. Dazu zählen unter anderem so genannte Beinahe-Fehler - also Zwischenfälle, die noch knapp vermieden werden können, aber einer nachträglichen Analyse bedürfen.

"Worum es uns geht, ist ein Mehr an Patientensicherheit und eine Verbesserung der Fehlerkultur im Gesundheitswesen. Dafür brauchen wir ein vernetztes System, das nicht auf das ‚Blame and Shame’ bzw. Schuldzuweisungen setzt, sondern die Meldebereitschaft fördert und gleichzeitig hilft, problematische Vorkommnisse künftig durch Einsatz geeigneter Verbesserungsvorschläge und -maßnahmen zu vermeiden", erklärte ÖÄK-Präsident Walter Dorner die ÖÄK-Initiative in einer Aussendung am Freitag.

Für die Patientensicherheit sei es entscheidend, zu analysieren, warum ein so genanntes "unerwünschtes Ereignis" eingetreten sei. Durch Änderungen, besonders von Strukturen und Prozessen, könne dann vermieden werden, dass ähnliche Beinahe-Fehler - und damit in Folge auch tatsächliche Fehler - weiter passierten. Dorner: "Das System funktioniert nach dem Motto: ‚Aus Fehlern kann man lernen.’ Uns interessiert dabei das ‚Warum’ und nicht das ‚Wer’."

Mit dem geplanten System lehnt sich die Österreichische Ärztekammer an das in Europa bereits etablierte System CIRS (Critical Incident Reporting System) - ergänzt durch ein Lernsystem - an. Dieses wird etwa in Deutschland von der kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Bundesärztekammer gemeinsam mit dem dortigen Ärztlichen Zentrum für Qualitätssicherung (ÄZQ) über geschützte und datengesicherte Internet-Verbindungen betrieben und erlaubt Ärzten und Patienten die elektronische Meldung von Fehlern und Beinahe-Fehlern bei der Krankenbehandlung. Allen Beteiligten ist volle Anonymität garantiert. Die Daten werden nachträglich ausgewertet und Verbesserungsvorschläge gemacht, publiziert und verankert.
Die ÖÄK stand bereits in den vergangenen Wochen und Monaten in intensiven Gesprächen zu CIRS mit der deutschen und Schweizer Ärzteschaft.

Auch Patienten und nicht-ärztliche Gesundheitsberufe sollen mitmachen

Das Fehlermelde- und Lernsystem soll bestehende und funktionierende Fehlermelde- und Lernsysteme integrieren können - beispielsweise lokale CIRS, etwa von Krankenanstalten oder Krankenanstaltenträgern. "Spitäler, Spitalsträger, Abteilungen oder Ambulanzen, aber auch Fachgruppen mit ihren Fehlermelde- und Lernsystemen sowie niedergelassene Ärzte mit ihren Systemen - sie alle werden eingeladen, ihre Meldungen in das bundesweite Fehlermelde- und Lernsystem einfließen zu lassen", betonte ÖÄK-Vizepräsident Artur Wechselberger.

Neben der Vernetzung mit bestehenden Systemen solle die Implementierung des CIRS aber auch jene Einrichtungen unterstützen, denen die interne Aufarbeitung so genannter unerwünschter Ereignisse oder Beinahe-Fehler auf lokaler Ebene bislang Schwierigkeiten macht. Das System wird Patientinnen und Patienten für elektronische, anonyme Meldungen offen stehen und richtet sich auch an alle im Gesundheitswesen tätigen nicht-ärztlichen Berufsgruppen. Ebenso sollen Erfahrungen aus Patientenschlichtungsstellen in das bundesweite System aufgenommen werden. Wechselberger: "Aus einer überregionalen Datensammlung analysierter und kommentierter Meldungen von Beinahe-Fehlern profitieren alle. Allen liegt die Patientensicherheit am Herzen!"

Die ÖÄK werde jene Meldungen, die aufgrund ihrer Häufigkeit oder ihrer Tragweite von entsprechender Relevanz sind, jedenfalls kommentiert der Öffentlichkeit zugänglich machen, berichtete auch Otto Pjeta, ÖÄK-Präsidialreferent für Qualitätssicherung.

Insgesamt sei die ÖÄK "bereit, die Verantwortung für die Einrichtung und den Betrieb eines bundesweiten Fehlermelde- und Lernsystems zu übernehmen", so ÖÄK-Präsident Walter Dorner abschließend. Dorner:
"Wir werden die ärztliche Sachkompetenz, die fachliche Kompetenz der ÖQMed und die Analyse mit uns zusammenarbeitender Expertinnen und Experten für die Aufbereitung sogenannter Beinahe-Fehler einsetzen. Damit wollen wir in Zukunft sicherstellen, dass vermeidbare kritische Ereignisse künftig von allen interessierten Ärztinnen und Ärzten, von den Angehörigen anderer Gesundheitsberufe, von allen Gesundheitseinrichtungen und auch von den Patientinnen und Patienten rechtzeitig erkannt werden können.(bm)

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