FPÖ: Neubauer/Königshofer: "Hat Österreich den Mörder Kerbler Jahrzehnte lang gedeckt?"

Mörder von Luis Amplatz seit 2003 unbehelligt!

Wien (OTS) - Es geschah in der Nacht von 6. auf 7. September 1964, als um 02:30 Uhr der österreichische Staatsbürger, Christian Kerbler, den Südtiroler Freiheitskämpfer Luis Amplatz in einer Almhütte oberhalb Saltaus erschossen und an Jörg Klotz einen Mordversuch unternommen hatte. Zuerst mit Hilfe des italienischen Geheimdienstes entkommen, wurde der Mörder Kerbler am 21. Juli 1971 in Abwesenheit zu 22 Jahren Gefängnis verurteilt.

Im Dezember 1976 wurde der Tiroler Kerbler in London wegen Ladendiebstahls festgenommen. Offenbar hatte Österreich damals kein gesteigertes Interesse an einer Auslieferung des gedungenen Mörders gezeigt. Kerbler wurde auf freien Fuß gesetzt, tauchte unter und verschwand. Im Jahre 1991 soll sich Kerbler laut italienischen Tageszeitungsberichten in Südafrika aufhalten, aber auch hier ist kein Hinweis zu finden, dass Österreich die Auslieferung Kerblers aktiv betrieben habe.

"Jetzt könnte man zwar noch damit argumentieren", sagte der freiheitliche Südtirolsprecher NAbg. Werner Neubauer heute, "dass der Republik Österreich ein Zugriffsrecht auf Kerbler verweigert gewesen wäre, weil Kerbler ohnehin in Italien als verurteilt galt. Warum Kerbler sich seit 14. Jänner 2003, also nach Ablauf der 30-jährigen Verjährungsfrist in Italien jedoch von österreichischen Behörden ungehindert als freier Mann bewegen darf, ist nicht zu erklären", stellte der Tiroler NAbg. Dr. Werner Königshofer fest.
Nachdem Mord in Österreich keiner Verjährungsfrist unterliege, hätte die Republik zumindest seit 6 Jahren die Möglichkeit gehabt, einen internationalen Haftbefehl gegen Kerbler zu erlassen. "Es scheint fast so, als habe Österreich an einer vollinhaltlichen Aufklärung der Umstände, die letztendlich zum Tod von Luis Amplatz und der schweren Verletzung von Jörg Klotz führten, kein Interesse", so Königshofer weiter.

Es besteht der dringende Verdacht, dass aus Gründen guter bilateraler Beziehungen zwischen Österreich und Italien, kein Interesse für eine internationale Suche nach Kerbler besteht. Wer weiß, was Kerbler einem österreichischen Gericht über die politischen Zusammenhänge wie auch die Einflussnahme der Geheimdienste zu berichten hätte.

Der freiheitliche Südtirol-Sprecher Neubauer kündigte deshalb eine gezielte Anfrage an die zuständigen Bundesminister an und stellte auf Anfrage fest, dass er alles in seiner Macht stehende unternehmen werde, endgültig Licht in diesen Mordfall zu bringen.
In diesem Zusammenhang werden folgende Anfragen gestellt:
1.Gibt es einen internationalen Haftbefehl gegen Herrn Christian Kerbler?
2.Wenn nein, werden Sie den geschilderten Fall prüfen und in der Folge einen internationalen Haftbefehl erwirken?
3.Wenn nein, warum nicht? Der Täter war bzw. ist österreichischer Staatsbürger!
4.Hat sich etwas an der Gesetzgebung geändert, wonach Mord nach unserer Rechtsprechung nicht verjährt?
5.Gibt es Hinweise, wo sich der rechtskräftig verurteilte Mörder aufhält?
6.Wurde die Republik Österreich von England davon in Kenntnis gesetzt, als im Dezember 1976 Herr Christian Kerbler in London verhaftet wurde?
7.Wenn ja, in welcher Form und was hat die Republik aufgrund dieser Information veranlasst?
8.Wenn nein, worauf ist dies zurückzuführen?
9.Hat Österreich die Auslieferung Christian Kerblers beantragt? 10.Ist Österreich seit 1976 jemals an der Auffindung Christian Kerblers aktiv geworden?
11.Wenn ja, in welcher Form?
12.Ist der Republik Österreich bekannt, dass es im Juni und November 1991 Spuren von Christian Kerbler nach Südafrika gab?
13.Gab es zu diesem Zeitpunkt (1991) österreichische Nachforschungen oder ein Auslieferungsbegehren?
14.Was hindert die Republik Österreich, Christian Kerbler, der seit dem 14. Jänner 2003 in Italien zwar ein verurteilter Mörder, aber ein freier Mann ist, international suchen zu lassen?

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