Bildung ist mehr als schulisches Lernen!

Graz (OTS) - Endlich ist ins Bewusstsein der Öffentlichkeit geraten, dass Bildung nicht auf schulisches Lernen beschränkt ist, sondern Krippen- Kindergarten- und HortpädagogInnen die Ihnen anvertrauten Kinder bilden.

Neue Erkenntnisse der Hirnforschung untermauern dies; die höchst erfreuliche Etablierung des ersten Lehrstuhls für frühkindliche Pädagogik in der Steiermark beweist, dass dem frühkindlichen Lernen heute ein hoher Stellenwert zugestanden wird. Die Verbindung von Wissenschaft und Praxis wird die hohe Qualität in elementaren Bildungsstätten sichern helfen.

In diesem Zusammenhang ist die Ankündigung von Minister Hahn und Bildungsministerin Schmied, die Ausbildung von KindergartenpädagogInnen in Österreich in Hinkunft auf universitäre Ebene zu heben, eine längst notwendige Reform, zu der sich Österreich als letztes Land Europas nunmehr endlich entschlossen hat.

Für die professionelle Arbeit im elementaren und außerschulischen Bildungsbereich und die hohen Anforderungen an Kindergarten und HortpädagogInnen, braucht es nicht nur gut ausgebildete sondern auch entsprechend entlohnte PädagogInnen, die ausreichend Zeitressourcen für Bildungsarbeit zur Verfügung haben.

Durch den rasanten gesellschaftlichen Wandel der letzten 50 Jahre werden immer mehr Aufgaben, die früher traditionell die Familie erfüllte, nunmehr an Kinderkrippe, Kindergarten, Heilpädagogischen Kindergarten, Hort und Schule delegiert. Daher ist die intensive Zusammenarbeit mit den Eltern ein wichtiger Faktor für das Gelingen von Bildungsarbeit.

Ebenso wesentlich ist aber Teamarbeit und interdisziplinäre Zusammenarbeit, für die genügend Zeit vorhanden sein muss.
Im steiermärkischen Kinderbildungs- und betreuungsgesetz sind zwar die Aufgaben und Anforderungen für Leiterinnen von Kindergärten, Kinderkrippen und Horten verankert, hiefür ist jedoch nicht eine Minute Leiterinnenzeit vorgesehen. Die Arbeitszeit der Leiterin steht eigentlich zu hundert Prozent den Kindern zu. Die Zeit für notwendige administrative Arbeiten geht oftmals auf Kosten der Kinder. (Es gibt in dieser Sache Gespräche mit dem Büro LR Vollath, die hier längst erforderliche Veränderungen in Aussicht stellen.)

Einsparungen der Vorbereitungszeit, der Erholungszeit bei gleichzeitig erweiterten Anforderungen bedeuten einen deutlichen Widerspruch zu den von der Fachabteilung 6E der steiermärkischen Landesregierung formulierten Dienstpflichten von Kindergarten und HortpädagogInnen.

85 steirische Kindergarten-und HortpädagogInnen zeigten in einer von der Berufsgruppe steirische Kindergarten und HortpädagogInnen im Juni 2008 initiierten "Zeitdokumentation" auf, dass monatlich zwischen 6 Stunden, in klar dokumentierten Einzelfällen bis zu 46 Überstunden anfallen. Es sollte eine Selbstverständlichkeit werden, dass für die Sicherung der Bildungsqualität der notwendige Aufwand der Kindergarten und HortpädagogInnen zeitlich und finanziell entsprechend abgegolten wird.

In der Arbeit mit Kindern, die besondere Bedürfnisse haben, berichten SonderkindergartenpädagogInnen von einem massiven Rückschritt. Sowohl in den Heilpädagogischen Kindergärten als auch den dazugehörigen IZB Teams (Integrative Zusatzbetreuung) ist durch die gesetzlichen Veränderungen eine qualitative Zusammenarbeit mit den Eltern fast nicht mehr möglich. Das Wohle des Kindes wurde durch diese Novellierung in den Hintergrund gedrängt.

Auch unser Schulsystem muss sich wandeln, um den gesellschaftlichen Wandel auszugleichen. Synergien zwischen Schule und Hort zu nutzen hieße, HortpädagogInnen in einem veränderten Schulsystem mit den dringend benötigten Ressourcen neben dem Unterricht zu betrauen. Auf diese Art und Weise könnte zum Beispiel Schulsozialarbeit den LehrerInnen wieder ermöglichen, sich auf den Unterricht zu konzentrieren. HortpädagogInnen sehen Kinder ganzheitlich und wissen, dass Kinder viel mehr brauchen als Unterricht.

Die Zukunft des Landes wird nicht erst im Klassenzimmer entschieden, wie Finanzminister Erwin Pröll sagt, sondern ab dem ersten Lebenstag.

Wir fordern gleiche Bildungschancen bei gesicherten Rahmenbedingungen für ALLE Kinder von Anfang an!

Rückfragen & Kontakt:

Berufsgruppe steirische Kindergarten und HortpädagogInnen
Brigitte Ruprecht ( Vorsitzende)
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Tel.: +43(0)676/517-52-26
kiga.berufsgruppe@aon.at
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