ibw-Studie zeigt anhaltend gute Arbeitsmarktchancen für HTL-Absolventen

Studie untersucht Qualifikationsnachfrage und -entwicklung bei Technik-Berufen in Österreich und europaweit

Wien (PWK252) - Eine aktuelle Studie des ibw (Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft) untersucht Qualifikationsnachfrage und Qualifikationsentwicklung im technischen Berufssektor in langfristiger Perspektive - in Österreich und europaweit. Die Studie zeigt, dass die HTL-Qualifikation am Arbeitsmarkt in Österreich nach wie vor sehr gut ankommt, dass aber immer wieder Einstufungsprobleme im internationalen Vergleich auftreten. Dies deshalb, weil es eine vergleichbare Ingenieurqualifikation (5-jährige Schulbildung plus zumindest dreijährige qualifizierte Berufspraxis) in Europa sonst nirgends gibt.

Ingenieur als hochwertige Qualifikation

Angesichts der Schaffung eines europäischen Arbeitsmarktes und Wirtschaftsraums ist eine adäquate Einstufung der Qualifikation des HTL-Ingenieurs in den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) daher ein Gebot der Stunde, um die Erwerbspersonen mit HTL-Qualifikation richtig zu positionieren. Notwendig dafür ist die Integration der Ingenieur-Qualifikation in den zu errichtenden österreichischen nationalen Qualifikationsrahmen (NQR). Im Rahmen des NQR/EQR-Ansatzes sollen alle Qualifikationen einem 8-stufigen Rahmen zugeordnet werden. Mit dem Ingenieurtitel, der vom Wirtschafts- bzw. dem Landwirtschaftsminister verliehen wird, wird nicht nur formale Bildung, sondern auch qualifizierte Berufserfahrung dokumentiert. Am österreichischen Arbeitsmarkt ist dies seit Langem seitens der Wirtschaft anerkannt. Durch die Öffnung der Arbeitsmärkte muss das aber auch international richtig dargestellt werden.

Die Einführung der vierjährigen Fachhochschul-Studiengänge hat der HTL-Qualifikation am Arbeitsmarkt nichts an Wert genommen. Arbeitgeber unterscheiden vielfach kaum zwischen diesen beiden Ausbildungsschienen. So wurden Stellen, die 2008 für HTL-Absolventen/innen mit Berufserfahrung ausgeschrieben waren, zu 69 Prozent auch für Bewerber/innen mit Fachhochschuldiplom angeboten. Die Analysen der Stelleninserate zeigen, dass die mehrjährige Berufserfahrung der HTL-Absolventen/innen aus Sicht der Arbeitgeber eindeutig zu einer höheren Qualifikation führt. Durch die Einführung dreijähriger Bachelorstudien wird sich diese Überschneidung der Qualifikationen höchstwahrscheinlich noch erhöhen.

Gleichzeitig zeigt die Studie, dass in technischen Berufen für HTL-Abgänger doppelt so viele Stellen wie für Graduierte (FH oder UNI) ausgeschrieben werden. Dies verweist auf strukturierten Personalbedarf in den technischen Berufen mit einem starken intermediären Segment.

Anforderungen und Weiterbildungsbedarf im Technologiesektor sind hoch.

Arbeitgeber erwarten mehrheitlich auch von HTL-Technikern/innen Kommunikations- und Teamfähigkeit und bei Positionen, die Berufserfahrung voraussetzen, zusätzliche technische Qualifikationen, gute Englischkenntnisse und EDV-Kompetenzen sowie Mobilitätsbereitschaft. Damit zeigt sich die Bedeutung der HTL als Ausgangspunkt für die berufs- und karrierebegleitende Weiterbildung. Dies schlägt sich in hoher Weiterbildungsbeteiligung firmenintern und -extern nieder, aber auch in starker Neigung zu berufsbegleitenden Studien. Hier tut sich für die Fachhochschulen eine große Zukunftsaufgabe auf.

In Österreich ist in den letzten Jahren im technischen Bereich eine Fachkräfteknappheit bezogen auf HTL und FH im Vergleich zum Neuangebot sowohl anhand der Stelleninseratenanalyse als auch durch Betriebsbefragungen belegbar.

Für die Prognosen zur Qualifikationsbedarfsentwicklung gilt seit Herbst 2008 aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise ohne Zweifel ein genereller Vorbehalt, wenn es um kurzfristige Ableitungen geht. Aus der Dynamik der technologisch fundierten Wirtschaft ist aber mittel- und langfristig von einer Fortsetzung des Trends im Qualifikationsbedarf zu rechnen. Kurzfristig könnte es aber bei einem Rückgang (attraktiver) Arbeitsplatzangebote zu einer erhöhten Studierneigung kommen.

Die Attraktivität der HTL ist ungebrochen, da sie Arbeitsmarktchancen sowie eine allgemeine Studienberechtigung vermittelt, es stellen sich jedoch demografische Herausforderungen. Die Zahl der 15-Jährigen soll laut aktueller Prognose von Statistik Austria (Hauptvariante der Be-rechnung) von rund 100.000 im Jahr 2007 auf rund 86.000 im Jahr 2020 zurückgehen. Mit Ausnahme von Wien ist in allen anderen Bundesländern mit Rückgängen an Jugendlichen im Anfangsalter der HTL zu rechnen.

Was kann getan werden, um dem Qualifikationsbedarf der Wirtschaft im technischen Bereich trotzdem Rechnung zu tragen?

Dazu schlägt die Studie vor, das demografische Potenzial durch pädagogische Maßnahmen (zB Individualisierung und Lehrgangsprinzip) noch besser auszuschöpfen, und Mädchen stärker für die HTL in der Hauptform oder in den Sonderformen (Kollegs usw.) zu gewinnen. Die Zukunft der HTL sollte in einem integrierten Levelkonzept liegen, das ab der 10. Schulstufe Lehrgänge anbietet, die mittlere Abschlüsse und Aufbaumöglichkeiten zu höheren Abschlüssen ermöglichen.

Durch die Einführung dreijähriger Bachelorstudien in der Technik wird das Ausbildungsangebot noch weiter verändert werden. Die Frage der Anrechnungen von 2-jährigen Technik-Kollegs wird damit noch virulenter, auch im Sinne der optimalen Nutzung vorhandener Ressourcen für den weiteren Aufbau technologisch relevanten Humankapitals. Dazu kann der Europäische Qualifikationsrahmen (EQF) mit seinen acht Qualifikationsstufen dienen. Das berufsbegleitende Studienangebot für Erwerbspersonen mit HTL-Qualifikation im FH-Sektor sollte zudem mithilfe fernlehrebasierter Lernelemente ausgeweitet werden.

Damit ist die Tür zu einem modernen und am europäischen Arbeitsmarkt transparenten tertiären Bildungssektor aufgestoßen, der HTL, FH, UNI und Erwachsenenbildung anhand überprüfbarer Lernergebnisse verbindet.

Zur Methode der ibw-Studie
Als empirische Basis der Untersuchung fungierten Stellenanzeigenanalysen, Daten des Arbeits-marktservice, Ergebnisse einer Unternehmensbefragung und publizierte Forschungsergebnisse zu Österreich und Europa.

Publikation
Arthur Schneeberger, Alexander Petanovitsch, Harald Hable: HTL und Qualifikationsbedarf der Wirtschaft
Analysen zur Arbeitsmarktlage und europäischer Vergleich, ibw-Forschungsbericht Nr. 146, Wien 2009. (SR)
Die gesamte Studie kann als pdf downgeloadet werden:
ibw-Forschungsbericht Nr. 146

Rückfragen & Kontakt:

ibw - Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft
Dr. Arthur Schneeberger
Tel.: (++43) 01 54516710
schneeberger@ibw.at
www.ibw.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0003