"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: Doping kennt keine Grauzone (Von Florian Madl)

Ausgabe vom 2. April 2009

Innsbruck (OTS) - Nur vom Strafgesetz kann jene abschreckende Wirkung ausgehen, die Dopingmissbrauch eindämmt.
Allein die Theatralik und Wortwahl der Sportsprecher im Parlament verniedlicht die anhaltende Dopingproblematik in Österreich:
Dopingsünder dürften nicht auf Grundlage des Strafgesetzes belangt werden, man wolle schließlich keine Kriminalisierung des Sports, keine "Sportler in Handschellen".

Gerade Peter Wittmann, Präsident der Bundes-Sportorganisation und erbitterter Gegner dieser anderswo umgesetzten Initiative, sollte sich zurückerinnern: In seine Zeit als Sportstaatssekretär (1998) fiel ein pikanter Fall von Dopinghandel in Oberösterreich, das Netzwerk scheint sich mit alten Bekannten weiterzuspinnen. Wittmann möge seinem SP-Parteikollegen Norbert Darabos lieber Rückendeckung verleihen, wenn der neue Sportminister den Sumpf heimischer Missstände trockenzulegen gedenkt.

Wer die Ermittlungen seit den Dopingskandalen 2002 (Blutbeutel-Affäre Salt Lake City) und 2006 (Razzia in San Sicario und Pragelato) mitverfolgt, wird vornehmlich eines feststellen können: Trotz zweckdienlicher Hinweise von Betroffenen und Informanten gingen die Ermittlungen im Sand der unzureichenden Gesetzeslage unter. Und wären nicht zwei Sportler im Zuge ihrer positiven Dopingtests kürzlich an die Öffentlichkeit getreten, der Ball wäre noch immer nicht im Rollen.

Die strafrechtliche Verankerung des Dopingmissbrauchs birgt kein Drohpotenzial, wie VP-Sportsprecher Peter Haubner das unlängst formulierte. Vielmehr darf man von einer Schutzfunktion sprechen, die sauberen Sportlern zuteil wird.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001