AK Wien Vollversammlung fordert mehr Fairness in der Arbeitswelt (3)

Wien (OTS) - In Verbindung mit der aktuellen Wirtschaftskrise und der sprunghaft steigenden Arbeitslo-sigkeit besteht die Gefahr, dass auch die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten ver-stärkt unter Druck geraten. Die von der AK seit langem erhobenen Forderungen nach Sicherstellung von Fairness und Gerechtigkeit in der Arbeitswelt erhalten damit noch mehr Gewicht. Viele ArbeitnehmerInnen erleben, dass von ihnen mehr und mehr abverlangt wird (mehr Wissen / mehr Flexibilität / mehr Mobilität etc), sie dafür aber keine adäquate Gegenleistung erhalten. Der aktuelle Umgang mit vielen LeiharbeiterInnen ist ein Beispiel dafür. Obwohl gerade diese Arbeitsform durch ein besonders hohes Maß an Flexibilität und Mobilität gekennzeichnet ist, sind die LeiharbeiterInnen die ersten, die in der Krise ihre Arbeitsplätze verlieren. Die Vollversammlung der AK Wien fordert ein Maß-nahmenpaket damit für die ArbeitnehmerInnen mehr Fairness in der Arbeitswelt gewähr-leistet werden kann. Eine faire Behandlung von Beschäftigten ist eine wesentliche Voraussetzung für die Arbeitsmotivation und damit auch für die Produktivität der geleisteten Arbeit. Die Sicherstellung fairer Arbeitsbedingungen liegt so gesehen auch im Interesse der Wirtschaft.

Ein enormes Problem ist auch, dass immer mehr Arbeitssuchende mit unfairen Klauseln in den angebotenen Arbeitsverträgen konfrontiert werden (intransparente All-In-Klauseln, Konkurrenzklauseln über das Ende des Arbeitsvertrages hinaus, überschie-ßende Ausbildungskostenrückerstattungsklauseln etc). Im Regelfall bleibt den Betroffenen nur die Wahl zwischen Annahme derartiger Klauseln oder Verzicht auf den Arbeitsplatz. Unvereinbar mit einer fairen Arbeitswelt sind auch diverse Schutzlücken im kollektiven Arbeitsrecht wie zB die Möglichkeit die Anwendbarkeit von Kollektivverträgen durch Verbandswechsel zu unterlaufen.

Ein weiteres massives Problem bildet die Ausbreitung von Scheinselbständigkeit. In etlichen Berufsfeldern ist zu beobachten, dass mehr und mehr Tätigkeiten in formaler Selbständigkeit erbracht werden, obwohl es sich de facto - zumindest bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise - nur um eine neue Form von Unselbständigkeit handelt (zB bei den Postdienstleistungen durch private Anbieter).

Die Vollversammlung der Arbeiterkammer Wien fordert:
+ Modernisierung des ArbeitnehmerInnen-Begriffs: neue Formen der Unselbständigkeit müssen auch als solche behandelt, Scheinselbständigkeit muss unterbunden werden. Wichtig ist dabei auch die Sicherstellung einer möglichst einfachen Rechtsdurchsetzung
+ Verbot unfairer Klauseln in Arbeitsverträgen: Intransparente All-In-Klauseln, überschie-ßende Konkurrenz- und Ausbildungskostenrückerstattungsklauseln etc müssen untersagt bzw auf das gerechtfertigte Maß beschränkt werden, wobei die tatsächliche Umsetzung dieses Übervorteilungsschutzes durch wirksame Sanktionen sichergestellt werden muss.
+ Maßnahmen gegen das Unterlaufen von Schutzbestimmungen für LeiharbeiterInnen (kein Umgehen des Entgeltanspruchs während der Kündigungsfrist durch "Zwang" zu einvernehmlicher Beendigung etc)
+ Schließung von Schutzlücken im kollektiven Arbeitsrecht: Ausbau der Möglichkeiten zur Satzung von Kollektivverträgen, Maßnahmen gegen das Unterlaufen von Kollektivverträ-gen durch Verbandswechsel etc
+ Abstellung von Umgehungsmöglichkeiten bei der Zahlung des Mehrarbeitszuschlags für Teilzeitbeschäftigte und korrekter Abgeltung von Überstunden für Voll- und Teilzeitbeschäftigte
+ Sicherstellung der korrekten arbeitsrechtlichen Behandlung von PraktikantInnen

Forts.

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