Schau "typisch! Klischees von Juden und Anderen" eröffnet

Wien (OTS) - Mit einem beeindruckenden Referat eröffnete am Dienstag Wiens Wissenschaftsreferent Hubert-Christian Ehalt die Ausstellung "typisch! Klischees von Juden und Anderen" im Jüdischen Museum Wien. Er betonte, dass Ausstellungen Klischees und Vorurteile zwar nicht verhindern, aber wenigstens zum Nachdenken darüber anregen können. "Schuldzuweisungen und Sündenböcke werden nicht nur in der Politik immer wieder mit katastrophalen Folgen eingesetzt, sie sind auch Teil des gesellschaftlichen Umgangs in unserem Alltagsleben, wogegen es anzukämpfen gilt", so Ehalt. Direktor Karl Albrecht-Weinberger verwies auf die Komplexität des Umgangs mit dem Thema und hob die gute Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Berlin hervor, mit dem die Schau als Gemeinschaftsproduktion erarbeitet wurde. Die Chefkuratorin des Jüdischen Museums Wien, Felicitas Heimann-Jelinek, Cilly Kugelmann vom Jüdischen Museum Berlin und Hannes Sulzenbacher als freier Ausstellungskurator präsentieren in 17 Stationen unterschiedliche Themenaspekte, die alle eines gemeinsam haben: stets handelt es sich um vereinfachende Deutungen, bei denen es um antisemitische und philosemitische Vorstellungen, um Etikettierungen sogenannter nationaler Eigenschaften am Beispiel von Afrikanern, Indianern geht oder um Klischees, die als vermeintliche Wesensmerkmale verschiedenen Gruppen zugeschrieben werden - etwa Muslime, Homosexuelle oder Kommunisten.

Stereotype als Thema einer Ausstellung

"typisch! Klischees von Juden und Anderen" konfrontiert mit den verschiedensten Klischees und Stereotypen des Alltags. Es ist eine Ausstellung über das Sehen, die Wahrnehmung, Ordnung und Zuordnung von Bildern und Dingen vom Fremden und vom Eigenen. Sie zeigt Gegenstände, Bilder, Fotografien und audiovisuelle Objekte, die Menschen darstellen oder etwas über Menschen aussagen sollen. Das heißt, sie beschäftigt sich mit Stereotypen. Stereotype entstehen im Allgemeinen aus der Unkenntnis und der Angst vor dem Anderen, aus Unvorstellbarkeiten, Unerklärlichkeiten, Unverständlichkeiten, kurz:
aus Furcht vor dem Nicht-Eigenen und in Abgrenzung zum Nicht-Eigenen. Stereotype helfen, die Welt zu ordnen, sich selbst zu verorten, den Anderen einzuordnen. Positiv genutzt sind sie Hilfsmittel zur Charakterisierung des Anderen im Prozess der Positionierung des Selbst. Negativ genutzt sind sie Hilfsmittel zur Dämonisierung des Anderen im Prozess der Überhöhung des Selbst. Vor diesem Hintergrund stellt die Ausstellung "typisch!" zur Diskussion, wie sich Darstellungen typisierender Motive aus der bildenden Kunst zu Objekten aus der Trivialkunst verhalten und konfrontiert sie mit Arbeiten, die durch das Herausarbeiten von Paradoxien oder mit kritischer Ironie das Klischee in Frage stellen.

Stereotype bewegen sich in der Ambivalenz zwischen der Notwendigkeit zur Klassifizierung und Einordnung von Eindrücken aus der Umwelt und dem Bedürfnis urteilender Kontrolle. Die Ausstellung will auch Auswege zeigen, Möglichkeiten, die Klassifikation und Zuschreibung ins Gegenteil zu verkehren. Denn so wie das Stereotyp nicht nur ein oktroyiertes, eine von außen wie auch immer gestaltete oder formulierte Klassifizierung ist, so ist das Stereotyp auch eine Eigendefinition, ein Binnenbild vom Selbst, entstanden um sich seiner als prägnant angenommenen Charakteristika selbst zu versichern oder aber auch als Reaktion auf das Fremdbild. Und beide Stereotype, das von außen sowie das von innen geprägte, werden in zunehmendem Maße immer wieder von Mitgliedern der Gruppe hinterfragt. Diese Hinterfragung erfolgt auf subversive Weise, indem das jeweilige Stereotyp radikal überzogen oder durch ein Gegenstereotyp konterkariert wird. In vielen Fällen kann sich aber auch die Subversion nicht vom Vorwurf der Überlieferung von Stereotypen freisprechen; sie verhilft lediglich, den Sachverhalt anders zu bewerten.

Wie der Titel schon verrät, beschäftigt sich die Ausstellung "typisch! Klischees von Juden und Anderen" nicht nur mit antisemitischen Vorurteilen. Da Antisemitismus und Philosemitismus nur eine Facette von Rassismus als "Konstruktion des Anderen nach eigenen Wünschen und Vorstellungen" sind, wie es der Afrikanist Walter Schicho formulierte, werden in der Ausstellung durchwegs Parallelen aufgezeigt. So kommen auch Stereotype von Native Americans, African Americans, Aborigines etc. vor. Diese weder systematisch erfassten noch umfassenden Parallelen sollen sowohl zeigen, dass jüdische und antijüdische Stereotype keine Ausnahmeerscheinungen sind, als auch den Besucher für das Thema Stereotyp, Fremdbild und Vorurteil in einem globaleren Sinne sensibilisieren. Besonders mit der Einbeziehung antiislamischer Stereotype wird auf die Aktualität allen Klischeedenkens verwiesen und einmal mehr verdeutlicht, inwieweit wir sowohl in historisch gewachsenen als auch in tagespolitisch motivierten Vorurteilen gefangen sind.

"typisch! Klischees von Juden und Anderen" ist von 1. April bis 11. Oktober 2009 im Jüdischen Museum Wien (A-1010 Wien, Dorotheergasse 11) zu sehen. Das zu den Kulturbetrieben der Wien Holding zählende Jüdische Museum ist von Sonntag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6,50 Euro / 4,- Euro ermäßigt. Schulklassen haben freien Eintritt, Führungen und pädagogische Programme: Tel.: +43-1-535 04 31-311, 312 bzw. kids.school@jmw.at. Weitere Informationen sind unter www.jmw.at zu finden. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen, reich illustrierten Katalog (ISBN: 978-3-89479-479-8) begleitet, der im Nicolai Verlag erschienen ist und zum Preis von 24,90 Euro erhältlich ist.

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/ma53/rkfoto/

(Schluss) sta

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Alfred Stalzer
Mediensprecher Jüdisches Museum Wien
Mobil: 0664 506 49 00
E-Mail: presse@jmw.at oder
alfred.stalzer@aon.at
Pressefotos zum Download unter:
ftp://ftp2.jmw.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK0007