"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Todesfalle Mittelmeer" (Von Floo Weissmann)

Ausgabe vom 1. April 2009

Innsbruck (OTS) - Europa muss vor seiner Haustür rasch und entschlossen eingreifen.

Dass das Mittelmeer erneut zur Todesfalle für Hunderte Flüchtlinge geworden ist, muss die EU endlich aufrütteln. Nach Schätzungen sind bisher Zehntausend Afrikaner beim Versuch umgekommen, dem Elend ihrer Heimat zu entfliehen und in Europa ein besseres Leben zu finden. Angesichts der Wirtschaftskrise, die die ärmeren Länder noch härter trifft, wird der Strom der Flüchtlinge weiter anwachsen. Das schafft auch eine neue Herausforderung für die Migrationspolitik. Es geht nicht mehr alleine um Arbeitsmarkt und Sicherheit, sondern auch um einen humanitären Notfall.Nicht, dass bisher gar nichts passiert wäre. Die hauptbetroffenen Länder in Südeuropa sowie die EU-Kommission machen Druck auf die EU-Partner und die Transitländer, um das Problem endlich umfassend anzupacken. Doch vom großen Wurf ist die europäische Politik offenbar noch weit entfernt. Kurzfristig geht es um Informationskampagnen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge, die den Menschen die Risiken einer Flucht Richtung Europa bewusst machen. Und es braucht eine Aktion scharf gegen jene menschenverachtenden Schlepper, die die Toten unmittelbar zu verantworten haben. Langfristig braucht es umfassende Entwicklungsprogramme für die Herkunftsländer, um den Menschen Perspektiven in ihrer Heimat zu geben. Und es braucht eine gemeinsame europäische Einwanderungspolitik; dazu gehört unter anderem, Flüchtlinge unter den EU-Ländern fair aufzuteilen und die Außengrenze gemeinsam zu sichern. Auch die beste Politik kann das Sterben im Mittelmeer nicht gänzlich stoppen, solange Wohlstand und Frieden ungleich verteilt sind. Aber die Politik kann das Ausmaß der Tragödie verringern.

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