FGF/FMK-Workshop in Wien: "Mobilfunk und Grenzwerte"

Experten aus Österreich, der Schweiz und Deutschland diskutierten über aktuelle Erkenntnisse der Wissenschaft und ihre Umsetzung in Grenzwerte

Wien (OTS) - "Können wir den Grenzwerten vertrauen?" Diese Fragestellung beleuchteten vier Referenten aus Behörden, Fachinstituten und Ministerien auf einer Informationsveranstaltung der Forschungsgemeinschaft Funk e.V. (FGF) und des Forum Mobilkommunikation (FMK) am 31.3.2009 in der Wiener Urania. Dabei wurde sowohl ein Überblick über die Hintergründe der Grenzwertefestlegung als auch die nationalen Grenzwerte gegeben und auf die aktuellen Bemühungen der internationalen Standardisierung eingegangen. Die Experten waren sich einig, dass es nach den aktuellen Erkenntnissen keinen Nachweis für gesundheitliche Schäden unterhalb der geltenden Mobilfunk-Grenzwerte gibt und die Grenzwerte auf gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen müssen. Die Grenzwertempfehlungen der ICNIRP - Hintergründe und ihre Umsetzung in Deutschland, DI Rüdiger Matthes, Bundesamt für Strahlenschutz, Neuherberg, BRD

DI Rüdiger Matthes, Leiter der Arbeitsgruppe Dosimetrie am Bundesamt für Strahlenschutz und stellvertretender Vorsitzende der ICNIRP (Internationale Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung) erklärte, dass "für die Expositionsbegrenzung der expositionsbedingte Effekt, der negative gesundheitliche Auswirkungen hat und der bei der geringsten Intensität der Strahlung auftritt, maßgebend sei". Sein Vortrag ging auch auf die Kritik ein, die Empfehlungen würden nicht den aktuellen Wissensstand repräsentieren. "Die bestehenden Empfehlungen schließen grundsätzlich gesundheitliche Effekte aufgrund langfristiger schwacher Exposition oder andere nicht-thermische Effekte nicht aus. Allerdings konnte bisher kein etablierter nicht-thermischer Effekt mit gesundheitlicher Relevanz und kein plausibler Mechanismus hierfür gefunden werden. Es liegt auch kein Hinweis auf eine derartige Schädigung aus Langzeitstudien im Labor vor."

Internationale Standardisierung, Dr. Georg Neubauer, Austrian Research Centers, Seibersdorf, Österreich

Dr. Georg Neubauer (Austrian Research Centers, Seibersdorf) umriss die Hintergründe des Bestehens unterschiedlicher Grenzwerte in verschiedenen Ländern und die laufenden Bemühungen um eine internationale Standardisierung und ging auf die in Österreich geltenden Grenzwerte ein. "Außer den neuen Ergebnissen von Studien über biologische Wirkungen elektromagnetischer Felder hat es in den letzten Jahren vor allem aufgrund der Verfügbarkeit leistungsstarker numerischer Berechnungsmethoden neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen den außerhalb des Körpers auftretenden elektromagnetischen Feldern und im Körper auftretenden physikalischen Wirkungen wie der SAR oder der Stromdichte gegeben, die zu einer Diskussion der bestehenden Grenzwerte führen."

Grenzwerte und Regelungen in der Schweiz, Dr. Mirjana Moser, Bundesamt für Gesundheit, Liebefeld, Schweiz

Dr. Mirjana Moser vom Bundesamt für Gesundheit in der Schweiz stellte die Regelungen für den Gesundheitsschutz im Bereich der nicht-ionisierenden Strahlung in der Schweiz vor. In den drei unterschiedlichen Bereichen Umweltschutz, Verbraucherschutz/Produktsicherheit und Arbeitsnehmerschutz "gelten die ICNIRP-Grenzwerte als grundlegende Maßnahme für Gesundheitsschutz vor EMF. Nur im Bezug auf die Anwendung der Vorsorgemaßnahmen gibt es große Unterschiede."

Gesichtspunkte zur aktuellen gesundheitlichen Bewertung des Mobilfunks - Empfehlung des Obersten Sanitätsrates in Österreich, Dr. Martin Renhardt, Bundesministerium für Gesundheit, Wien, Österreich

Dr. Martin Renhardt vom österreichischen Gesundheitsministerium referierte über die Grenzwert-Situation in Österreich und die Empfehlungen des Obersten Sanitätsrates (OSR) von November 2008, "dass nach den aktuellen wissenschaftlichen Reviews zur Mobilfunktelefonie unterhalb der aktuellen Grenz- bzw. Richtwerte derzeit kein gesicherter wissenschaftlicher Nachweis gesundheitlicher Schäden am Menschen vorliegt." Darüber hinaus gibt der OSR Empfehlungen in Richtung Vorsorge und den vernünftigen Umgang mit Handys.

Die Vorträge auf der Informationsveranstaltung machten deutlich, dass es aktuell keine wissenschaftliche Basis für eine Änderung der geltenden Grenzwerte gibt. Es bestehen allerdings unterschiedliche Ansätze hinsichtlich Vorsorgegedanken und neue wissenschaftliche Erkenntnisse machen eine regelmäßige Bewertung des gesamten Kenntnisstandes erforderlich. Die intensiven Publikums-Diskussionen zeigten aber, dass es in der Bevölkerung nach wie vor Unsicherheiten und davon ausgehend unterschiedliche Einschätzungen zum Thema gibt.

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FMK-Schwerpunkt auf der Website: http://www.ots.at/redirect.php?FMK Forschungsgemeinschaft Funk (FGF)
Die Forschungsgemeinschaft Funk e.V. (FGF) mit Sitz in Bonn fördert wissenschaftliche Untersuchungen zu potenziellen Umwelteinwirkungen elektromagnetischer Felder. Seit ihrer Gründung im Jahr 1992 wurden über 10 Millionen Euro in die Forschung investiert. In ihren kostenlosen Publikationen informiert sie über den Stand der Wissenschaft zu diesem Thema. Zu den Mitgliedern der FGF gehören Mobilfunknetzbetreiber, Hersteller, Universitäten und Behörden.

FMK- Forum Mobilkommunikation

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