Jahresabschluss ist auch für kleine Kapitalgesellschaften unverzichtbar

Wien (OTS) -

  • EU-Vorschlag zur Abschaffung der Abschlusspflicht könnte schaden
  • Wichtiges Instrument zur Kontrolle und Unternehmenssteuerung
  • Transparenz und dokumentierte Bonität in Krisenzeiten besonders wichtig

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Der Vorschlag der Europäischen Kommission, die Verpflichtung zur Erstellung eines Jahresabschlusses für kleine Kapitalgesellschaften aufzuheben, stößt auf scharfe Kritik der Kammer der Wirtschaftstreuhänder (KWT). Die vorgeschlagene Änderung der vierten Ratsrichtlinie (78/660/EWG), die es den Mitgliedsstaaten freistellen soll, kleine Gesellschaften (Gesellschaften, die zwei von drei Kriterien - Umsatz unter 1,0 Mio. Euro, Bilanzsumme unter 500.000 Euro, weniger als zehn Mitarbeiter) von den Anforderungen dieser Richtlinie auszunehmen, könne für die betroffenen Gesellschaften große Nachteile nach sich ziehen.

"Die EU-Rechnungslegungsvorschriften haben sich gut bewährt und eine bedeutende Verbesserung der Rechnungslegung bewirkt." erklärt KWT-Präsident Klaus Hübner. "Es ist realitätsfremd, wenn die EU-Bürokratie nun meint, das Herzstück der unternehmerischen Rechnungslegung - ein aussagekräftiger Jahresabschluss - sei für einen wesentlichen Teil der Unternehmen nicht notwendig. Gerade für kleinere Unternehmen, die meist über keine ausgefeilten Kostenrechnungs- und Controllingsysteme verfügen, ist der Jahresabschluss das wichtigste Instrument, um eine regelmäßige, realistische Darstellung der Lage des Unternehmens zu erhalten. Außerdem ist ein umfassender Jahresabschluss gerade in der Wirtschaftskrise unverzichtbar, um gegenüber Kunden, Lieferanten und Banken die Bonität objektiv und nachvollziehbar darstellen zu können."

Sollte der Kommissionsvorschlag angenommen werden und Österreich von der Möglichkeit Gebrauch machen, kleine Kapitalgesellschaften von der Rechnungslegungspflicht auszunehmen, wären in Österreich nach ersten Schätzungen etwa 20 bis 25 Prozent der rund 80.000 GmbHs betroffen.

Bürokratischen Aufwand für Unternehmen verringern

Das Argument der Kommission, dass durch den Verzicht auf den Jahresabschluss rund 1200 Euro pro Unternehmen eingespart werden könnten, hält Hübner für verfehlt. "Zum einen würde der Jahresabschluss ja kaum ersatzlos wegfallen und die Einsparung in der Praxis viel geringer ausfallen; zum anderen gibt es weit effizientere Möglichkeiten, den bürokratischen Aufwand für Unternehmen zu reduzieren, etwa durch Anpassung von Steuerrecht und Handelsrecht, im Bereich der Sozialversicherung, bei statistischen Meldungen etc. Die KWT hat dazu eine Vielzahl von Vorschlägen ausgearbeitet. Wer hingegen den umfassenden und transparenten Jahresabschluss in Frage stellt, könnte um einer minimalen Ersparnis willen dem Unternehmen schaden.

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