ORF-Management unternimmt neuerlichen Anlauf zur Selbstzerstörung

Geplante Ausgliederung des RSO "Schocktherapie"

Wien (KMSfB/ÖGB) - In einer Krise wie dieser müssten wir die inländische Wertschöpfung erhöhen, sagte Wirtschaftsminister Mitterlehner in der ORF-Pressestunde vom 29. März sinngemäß. Das ORF-Management versucht den ORF-Beitrag zur österreichischen Wertschöpfung massiv zu reduzieren.++++

Das von der Auflösung bedrohte Radio Symphonie Orchester (RSO) bringt der österreichischen Volkswirtschaft jährlich 31,5 Millionen Euro (Wolf-Studie), spielt also mehr als das Dreifache seiner Kosten ein. "Auf diesen Beitrag zu verzichten ist fahrlässig. Anstatt das RSO zu stärken, führt der Vorschlag der ORF-Generaldirektion bloß zu einem zeitversetzten Personalabbau, einer Kündigung auf Raten. Erhofft man sich, dass die Gekündigten das nicht bemerken?", fragt Peter Paul Skrepek (KulturGewerkschaft).

Die vom ORF-Management vorgelegten Papiere, wie z. B. der gestern vom Finanzausschuss des Stiftungsrats zurückgewiesene Businessplan, sind unklar und irreführend. "Wer eine externe Finanzierung des RSO in Millionenhöhe ohne fixe Zusagen der potentiellen Subventionsgeber und Sponsoren vorschlägt, baut auf Treibsand. Wer hat den RSO-Businessplan entworfen, die Architekten der weltweiten Finanzkrise?", fragt Orchesterbetriebsrat Bernhard Ziegler (ZBR). "Wer sein Haus auf instabilem Untergrund baut, wird von jeder Krise in den Abgrund gezogen."

Anweisung zum Selbstmord

Ausgliederungen verursachen erfahrungsgemäß weit höhere Kosten als der Verbleib im betrieblichen Verband. Es sind die Kosten, die ausgelagert werden. Der Betrieb des Orchesters wird nicht billiger, es soll nur ein anderer für den Betrieb bezahlen. In Europa existieren rund 40 Rundfunkorchester. Nur bei einem, dem Deutsche Symphonie Orchester Berlin / Rundfunk Orchester und Chöre GmbH (DSO/RSB), handelt es sich um eine ausgegliederte Gesellschaft.

ORF-Gesetz neu

Bis jetzt hat das ORF-Management den öffentlich-rechtlichen Auftrag als Rechtfertigung für die Gebührenfinanzierung angeführt. Das RSO ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Auftrages. "Mit der geplanten Auslagerung und Privatisierung sägt das ORF-Management am eigenen Ast und nimmt gleichzeitig den Untergang des einst so stolzen Flaggschiffes und seiner gesamten Besatzung in Kauf", warnt Skrepek.

Resolution der Orchester in der KulturGewerkschaft:

Eine Vernichtung des RSO-Wien bedeutet das Ende der österreichischen Orchesterlandschaft und unserer Musiktradition! Es stellt sich nicht die Frage: "Können wir uns das RSO leisten?", sondern: "Kann sich das Musikland Österreich leisten, auf das RSO zu verzichten?"

Musikland Österreich gefährdet

"Österreich hat mit dem RSO ein Rundfunksymphonie-Orchester von internationalem Format und einen wesentlichen Träger des österreichischen Musiklebens. Die Existenz dieses Orchesters in Frage zu stellen bedeutet, den Ruf Österreichs und Wiens als Stätte der Musik samt dem damit verbundenen gesamtwirtschaftlichen Nutzen des Landes in leichtsinniger Weise zu gefährden." Dr. Clemens Hellsberg, Dr. Dieter Flury, Vorstand und Geschäftsführung der Wiener. Philharmoniker.

ÖGB, 31. März 2009 Nr. 180

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Bernhard Ziegler: 0699/101 69 087, RSO Betriebsrat
Peter Paul Skrepek: 0664/614 54 05, Präsident Sektion Musik / KulturGewerkschaft

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