Tumpel: Jetzt strategisch investieren, um die Krise zu meistern

AK Präsident fordert weitere Anstrengungen, um Jobs zu schützen

Wien (OTS) - "Kündigungen, Lohndruck, Arbeitsdruck - das sind die Hauptsorgen in den Betrieben", sagt AK Präsident Herbert Tumpel. Er fordert raschere und energische Maßnahmen gegen die Krise. "Mit den Investitionen in Infrastruktur und Bilung muss rascher begonnen werden - es geht zu langsam", kritisiert der AK Präsident. Konkret fordert Tumpel auf der AK-Veranstaltung "Globale Krise. Wer schützt die ArbeitnehmerInnen?" heute im AK Bildungzentrum: Bildungsurlaub statt Arbeitslosigkeit, eine attraktive Altersteilzeit ab dem 58. Lebensjahr, die lückenlose Umsetzung der Ausbildungsgarantie für Jugendliche sowie die Weiterentwicklung von Arbeitsstiftungen für Leiharbeiter. Weiters soll das Übergangsgeld für Arbeitssuchende ab dem 60. Lebensjahr ausgebaut und verlängert werden. Ein aktuelle Umfrage des Forba-Instituts unter den Betriebsräten der Top 300 Unternehmen Österreichs bestätigt: Es besteht dringend Handlungsbedarf: Bis 2010 rechnet jeder zweite Betriebsrat mit einem Stellenabbau. "Dem muss energisch gegengesteuert werden", so AK Präsident Herber Tumpel. "Die Konjunkturprogramme müssen rasch umgesetzt werden. Außerdem muss strategisch in die Aus- und Weiterbildung der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen investiert werden", so Tumpel.

Wie sehr die Krise in den Betrieben, insbesondere im produzierenden Gewerbe angekommen ist, spüren die Beschäftigten in Österreich jeden Tag. Die Umfrage des Forba-Instituts im Auftrag der Arbeiterkammer vom Februar 2009 gibt ein pessimistisches Stimmungsbild in den Betrieben wieder: So beobachten Betriebsräte in 62 Prozent der Unternehmen, dass Investitionen zurückgestellt werden, jeder Zweite rechnet mit gravierenden Einsparungsmaßnahmen zu Lasten der Beschäftigten. Für die Jahre 2009 bis 2010 rechnen die Betriebsräte mit einem Stellenabbau. In jedem zweiten Unternehmen (52 Prozent) wurden Leiharbeiter abgebaut. Bei fast jedem vierten (24 Prozent) trifft es auch die Stammbelegschaft. In weiteren 32 Prozent der untersuchten Unternehmen wird das nocht erwartet. Etwa 16 Prozent der Unternehmen greifen auf Kurzarbeit zurück. Besonders betroffen:
Unternehmen, die vom Export abhängig sind. Bei fast jedem dritten (30 Prozent) hat sich die Marktsituation substantiell, bei weiteren 28 Prozent geringfügig verschlechtert.
Die Studie macht auch deutlich, wie stark die Krise in den Betrieben angekommen ist. "Die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen haben die Krise nicht verursacht. Sie darf auch nicht auf ihrem Rücken ausgetragen werden", so der AK Präsident.
Eine klare Absage erteilte der AK Präsident außerdem den Forderungen aus der Industrie nach einem freiwilligen Lohnverzicht. "Gerade in der Krise muss die Kaufkraft der ArbeitnehmerInnen gestärkt werden. Das kurbelt den Konsum an. Wir brauchen mehr, nicht weniger Nachfrage."

Deshalb fordert die AK:
+ Die Konjunkturprogramme müssen so rasch wie möglich umgesetzt werden.
+ Bildungsurlaub statt Arbeitslosigkeit. Eine flexible Bildungskarenz muss bei wirtschaftlichen Problemen des Betriebs ermöglicht werden. Dabei muss die Mitbestimmung von Betriebsräten und Gewerkschaften gesichert werden. Die Bildungskarenz muss für alle möglich werden, mit einem erleichterten Zugang insbesondere mit einer Anwartschaft auf Arbeitslosengeld statt der derzeitigen Verpflichtung zu einem Jahr Beschäftigung beim Arbeitgeber vor Antritt der Bildungskarenz. Darüber hinaus ist ein Kündigungsschutz bei Bildungsurlaub wie bei der Kurzarbeit notwendig. Ein höheres Weiterbildungsgeld ist genauso notwendig in der Krise wie ein höheres Arbeitslosengeld.
+ Attraktive Altersteilzeit statt Altersarbeitslosigkeit: Der Zugang zur Altersteilzeit, insbesondere für Arbeitnehmer ab 58, muss abgesichert werden. Ein neues Altersteilzeitrecht muss Anreize für echte Teilzeitmodelle schaffen. Die Altersteilzeit muss so verändert werden, dass sie auch für kleinere und mittlere Unternehmern attraktiv werden.
+ Die Ausbildungsgarantie für Jugendliche muss lückenlos umgesetzt werden. Die AK geht von 15.000 fehlenden Lehrplätzen im Herbst 2009 aus. Hierfür müssen ausreichende Ausbildungsplätze in überbetrieblichen Einrichtungen geschaffen werden. Die dafür nötigen finanziellen Mittel müssen zur Verfügung gestellt werden. Die Qualität der Ausbildung in diesen Einrichtungen muss lückenlos kontrolliert und sichergestellt werden. Für leistungschwächere Jugendliche müssen niederschwellige Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden, damit diese dann doch eine Lehrausbildung absolvieren können. + Die Arbeitsstiftungen für Leiharbeiter müssen rasch verwirklicht werden. Je nach Beschäftigungsentwicklung müssen weitere branchenweite Arbeitsstiftungen geschaffen werden.
+ Außerdem müssen Arbeitstiftungen auch Arbeitnehmern kleiner und mittlerer Unternehmen offen stehen. Dafür ist es notwendig, dass die Bundesländer so wie in Wien durch höhere Förderung der Qualifizierungskosten die geringere Finanzkraft von kleinen Unternehmen ausgleichen.

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