Österreichischer Impftag 2009: Was bringen Impfaktionen?

Neue Hepatitis-Impfaktion ab 1. April 2009

Wien (OTS) -

  • Impfaktionen zum Schutz der Bevölkerung
  • Hepatitis: Impfaktion, neue Umfrage, Erkrankungsfälle
  • Erste Bilanz der Rotavirus-Impfung
  • Masern: Rückblick und Ausblick
  • Neuerungen im Impfplan

Impfaktionen zum Schutz der Bevölkerung

Impfen zählt zu den einfachsten und günstigsten Vorsorgemaßnahmen. Jahr für Jahr finden in den österreichischen Apotheken zahlreiche Impfaktionen statt. Im Rahmen dieser Aktionen wird die Bevölkerung gezielt über das Risiko einer Erkrankung und eine mögliche Impfung dagegen informiert. Der Preis des Impfstoffes ist während des Aktionszeitraums reduziert, die Apotheker verzichten auf einen Teil ihrer Spanne.

Während einer Impfkampagne führen die Apothekerinnen und Apotheker mehr Beratungsgespräche als sonst, geben deutlich mehr Impfstoffe ab und tragen dadurch einen wesentlichen Teil zur Hebung der Durchimpfungsraten bei. "Wir Apotheker sehen es als gesundheitspolitische Aufgabe, Impfaktionen zu unterstützen", resümiert Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer.

Erfolgsstory Impfen

Impfen ist die beste Waffe im Kampf gegen Infektionen und Seuchen. Die todbringende Pockenseuche etwa ist durch die Schutzimpfung ausgerottet worden. Diphtherie, Tetanus, und Haemophilus influenzae (Meningitis und Epiglottitis) sind aus Österreich nahezu verschwunden. Mumps und Röteln sind großteils ausgemerzt. Und FSME ist deutlich seltener geworden, dank groß angelegter Impfkampagnen in den Apotheken.

Andererseits zeigt das jüngste Beispiel der Masern-Epidemie in Salzburg, dass Impfverweigerung sehr rasch zur Ausbreitung einer Infektionskrankheit führen kann. Die Erkrankungsfälle sind binnen kürzester Zeit in die Höhe geschnellt.

Hepatitis

Neue Impfaktion ab 1. April

Zu den Infektionskrankheiten, denen gezielt durch Impfaktionen zu Leibe gerückt wird, zählt Hepatitis. Mit 1. April startet die große Hepatitis-Impfaktion in Österreich. Bis zum 31. Mai sind in allen Apotheken die Impfstoffe verbilligt erhältlich. Auf Grund der Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel ist der Hepatitis-Impfstoff heuer sogar noch preisgünstiger als im Vorjahr (zum Beispiel: Hepatitis A/B für Erwachsene 52 Euro - im Vorjahr 55 Euro).

Umfrage: Durchimpfungsrate deutlich gestiegen

Eine neue Erhebung unter 4.000 Befragten zeigt, dass sich die Durchimpfungsrate in Österreich seit Beginn der Hepatitis-Impfaktionen in den Apotheken von 32 Prozent im Jahr 2001 auf 52 Prozent im Jahr 2008 erhöht hat. Vor allem die Plakate in Arztordinationen und Apotheken sowie die Fernsehspot-Kampagne haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Dennoch ist die Durchimpfungsrate zu gering, zumal Hepatitis sehr stark verbreitet ist: Jeder zwölfte Mensch ist mit einem Hepatitis-Virus infiziert und Hepatitis B ist weltweit sogar die häufigste Viruserkrankung.

Erkrankungsfälle nehmen zu

Leider hat sich die Zahl der Hepatitis-Fälle in Österreich trotz der jährlichen Impfaktion erhöht. "Laut Statistik des Bundesministeriums für Gesundheit wurden im Jahr 2008 in Österreich 138 Fälle von Hepatitis A und sogar 763 Fälle von Hepatitis B gemeldet. Zum Vergleich: 2001 gab es 133 Fälle von Hepatitis A, hingegen nur 210 Fälle von Hepatitis B. Wobei die Dunkelziffer weitaus höher liegen dürfte", so Dr. Rudolf Schmitzberger, Impfreferent der Wiener Ärztekammer.

Das renommierte deutsche Robert Koch Institut in Berlin schätzt, dass in Deutschland jährlich 10.000 bis 20.000 Hepatitis A- und 50.000 Hepatitis B-Fälle unentdeckt bleiben. Würden diese Zahlen an die Bevölkerung von Österreich angepasst, könnte man auch hierzulande von etwa 1.000 bis 2.000 unentdeckten Hepatitis A- und zirka 5.000 unentdeckten Hepatitis B-Fällen ausgehen. Somit würden in Österreich täglich 2,7 bis 5,5 Neuinfektionen von Hepatitis A und 13,7 Neuinfektionen von Hepatitis B auftreten. Schmitzberger: "Angesichts der steigenden Fallzahlen in Österreich ist die Hepatitis-Impfaktion daher sehr zu begrüßen. Denn eine Hepatitis-Impfung ist nach wie vor die sicherste Möglichkeit, sich vor einer Hepatitis-Erkrankung zu schützen."

Erste Bilanz der Rotavirus-Impfung

Sobald der Staat Impfungen unterstützt, gehen die Krankheitsfälle zurück. Das zeigt sehr eindrucksvoll die Rotavirus-Impfung:
Rotavirus-Erkrankungen gehören zu den schwerwiegendsten Durchfallserkrankungen bei Kleinkindern. Jedes Jahr werden rund 4.500 Kinder für vier bis fünf Tage infolge einer Rotavirus-Erkrankung stationär im Spital aufgenommen. Seit Juli 2007 ist die Rotavirus-Impfung Teil des staatlichen Impfkonzepts. "Eine erste Bilanz zeigt, dass der Durchimpfungsgrad auf 85 Prozent gestiegen ist und die Spitalsaufnahmen von Kindern unter 12 Monaten um zwei Drittel und von Kindern bis 24 Monaten um ein Drittel zurückgegangen sind", berichtet Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch von der Gruppenpraxis für Reisemedizin in Wien.

Masern: Rückblick und Ausblick

Es kann aber auch ganz anders laufen: Masern, eine Viruserkrankung bei Kindern, die im Jahr 2005 mit 10 Fällen in ganz Österreich nur mehr sehr selten vorkam, ist im Jahr 2008 wieder voll ausgebrochen. Ausgehend von einer Schule in Salzburg wurden im Jahr 2008 schlagartig 443 Masern-Fälle registriert. Und obwohl die kombinierte Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) im österreichischen Impfplan für alle Kinder ausdrücklich empfohlen wird, liegt die Durchimpfungsrate nur bei 90 Prozent. Das ist zu wenig, um die hochinfektiösen Masernviren in Österreich auszurotten. "Besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen bestehen Impflücken beziehungsweise ein unzureichender Immunschutz gegen Masern", betont Univ.-Prof. Dr. Ingomar Mutz, Vorsitzender des Impfausschusses des Obersten Sanitätsrates. Der Impfexperte tritt für eine Masern-Abriegelungsimpfung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen bei Auftreten von Masern ein sowie für eine vorgezogene Masernimpfung bei Säuglingen.

Neuerungen im Impfplan

Der neue Impfplan 2009 empfiehlt das frühe Impfen von Kindern:
Meningokokken C bereits ab dem 2. vollendeten Lebensmonat; Influenza ab dem 6. vollendeten Lebensmonat; Varizellen (Windpocken) ab dem 9. vollendeten Lebensmonat; FSME- und Hepatitis-A-Grundimmunisierung ab dem 12. vollendeten Lebensmonat.

Am 28. März 2009 findet in Salzburg der 18. Österreichische Impftag statt, an dem rund 500 Ärzte und Apotheker über neue Impfstoffe, neue Impfempfehlungen und aktuelle Trends diskutieren werden. Die Veranstalter - das Österreichische Grüne Kreuz für Vorsorgemedizin, die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, die Österreichische Ärztekammer und die Österreichische Apothekerkammer - appellieren an die österreichischen Gesundheitsbehörden, Schutzimpfungen großzügig und stärker als bisher zu unterstützen.

Impfaktionen in der Apotheke

Apothekerinnen und Apotheker spielen bei der Information über die Notwendigkeit von Impfungen eine zentrale Rolle. Neben der nun anlaufenden Hepatitis-Impfaktion findet von 1. April bis 30. September die alljährliche Meningokokken-C-Impfaktion für Säuglinge und Jugendliche in den Apotheken statt. Meningokokken-C ist eine heimtückische und lebensbedrohende Krankheit, die zu Hirnhautentzündung, Blutvergiftung und im schlimmsten Fall auch zum Tod führen kann. Bereits seit Jänner und noch bis 31. Juli läuft die Zecken-Impfaktion mit preisgünstigem FSME-Impfstoff in der Apotheke. Eine Pneumokokken-Schwerpunktaktion folgt dann im Herbst. Körner:
"Wir können es nicht oft genug betonen. Schutzimpfungen sind die wirksamste und kostengünstigste Vorsorgemaßnahme."

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