Franziskaner: 50.000 Euro für Kinderdorf in Kasachstan

Erlös eines Benefizkonzerts in der Franziskanerkirche mit Solisten der Wiener Philharmoniker kommt Hilfsprojekt von P. Guido Trezzani mit sozial vernachlässigten und behinderten Kindern zugute

Wien, 25.3.09 (KAP) Mehr als 50.000 Euro erbrachte ein Benefizkonzert am Dienstagabend in der übervollen Wiener Franziskanerkirche. Mit dem Geld unterstützt das franziskanische Hilfswerk "Franz Hilf!" das Sozialprojekt von P. Guido Trezzani in Kasachstan. Pater Guido hat in Talgar in der Nähe von Almaty das Kinderdorf "Arche" gegründet. Derzeit sind 65 Kinder in den kleinen Häusern untergebracht, die einst ein kommunistisches Jugendlager waren. Rund ein Drittel der Kinder ist behindert.

"Solisten der Wiener Philharmoniker & Freunde" gestalteten den Abend in der Franziskanerkirche musikalisch mit Werken von Franz Schubert und Wolfgang Amadeus Mozart. Kammerschauspieler Peter Matic las dazu Texte mit religiösen Inhalten. Den Ehrenschutz hatten Bischof Henryk Teofil Howaniec von Almaty und Österreichs Ex-Vizekanzler Wilhelm Molterer und seine Ehefrau über.

P. Ulrich Zankanella, Leiter von "Franz Hilf!", dankte für die Unterstützung, die tatsächliche Not lindern helfe: "In Mittel- und Osteuropa und den ehemaligen sowjetischen Staaten spüren viele Menschen eine ungeheure soziale Kälte. Kinder mit Behinderungen trifft es zusätzlich."

Zur Behandlung der Kinder hat P. Guido in Talgar eine Ambulanz eingerichtet. Ärzte und Therapeuten aus Italien arbeiten regelmäßig am Ort um vor allem auch das einheimische Personal einzuschulen. In Kasachstan bestehe hier noch großer Aufholbedarf, so P. Guido im Gespräch mit "Kathpress".

Im Umkreis der Stadt Talgar gibt es weitere 150 behinderte Kinder, die Hilfe brauchen. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch. Viele Eltern können für die Behandlung der Kinder nicht bezahlen. Auch diese Kinder sollen in der Ambulanz unentgeltlich Beratung und Hilfe finden.

Hoffnung für Kinder

Nach sechs Jahren im sibirischen Nowosibirsk kam P. Guido 1996 nach Kasachstan. Nach ersten Bemühungen mit einem Haus für Kinder in Almaty, der früheren kasachischen Hauptstadt, fand der italienische Franziskaner in einem ehemaligen kommunistischen Jugendlager in Talgar, rund 30 Kilometer von Almaty entfernt, den geeigneten Ort. Die Häuser standen seit über zehn Jahren leer, P. Guido und seine Mitarbeiter begannen mit den Adaptierungsarbeiten.

Als größtes Problem der kasachischen Gesellschaft bezeichnet der Franziskaner die vielen zerrütteten Familien. Intakte Familien mit Mutter und Vater seien die Ausnahme, ein Teil der Kinder wachse bei den Müttern auf. Viele Kinder würden nur von den Großeltern bzw. überhaupt nur von der Großmutter aufgezogen. Etwa 50 Prozent seiner Schützlinge im Kinderdorf seien bei der Geburt im Krankenhaus von ihren Müttern weggegeben worden, berichtet P. Guido.

Noch schlimmer als die vielen sozial vernachlässigten Kinder seien jene mit Behinderungen dran, so der Franziskaner weiter. Diese müssten in der Regel in ungeeigneten Einrichtungen ihr Dasein fristen, ohne dass auf ihre individuellen Bedürfnisse eingegangen werde. Meist werde von den Behörden noch geleugnet, dass es überhaupt ein Problem mit behinderten Kindern gibt, so P. Guido, ein "kulturelles" Erbe der Sowjetzeit.

Trotz der schwierigen Bedingungen spürt der Franziskaner aber bereits leichte Verbesserungen in der Gesellschaft. Als er vor rund zehn Jahren beim Bürgermeister von Talgar mit seinem Hilfsprojekt vorstellig wurde, habe ihm dieser zwar grundsätzlich seine Unterstützung zugesagt, gleichzeitig aber betont, dass es in der Gegend nur drei behinderte Kinder gebe, erzählt P. Guido. Inzwischen hätten die Behörden aber "schon weit mehr behinderte Kinder ausgemacht". Man stelle sich zumindest ansatzweise dem Problem, und auch in den Medien sei Behinderung inzwischen ein Thema.

Trotzdem gebe es in der Gesellschaft noch viele Vorurteile gegenüber behinderten Kindern, und es sei nicht selbstverständlich, dass diese auch ein Recht auf Entwicklung und Ausbildung haben. Hier stehe noch viel Aufklärungsarbeit bevor, so P. Guido. Seine Kinder bräuchten -neben Nahrung und Unterkunft - nicht Mitleid sondern aufrichtige Zuwendung.

Das Zusammenleben mit den Muslimen, die die Hälfte der kasachischen Bevölkerung stellen, gestaltet sich nach den Aussagen von P. Guido sehr gut. Viele seiner Kinder seien Muslime, Religion spiele bei der Aufnahme in die "Arche" keine Rolle. Der Großteil der Wohltäter im Land, die das Kinderdorf und die Ambulanz mit Sachspenden und Geld unterstützten, seien ebenfalls Muslime.

Hilfe in 14 Ländern

Das von Pater Zankanella geleitete Hilfswerk "Franz hilf!" arbeitet mit 176 Klöstern in Osteuropa zusammen und betreibt 70 verschiedene Projekte in 14 Ländern. Für sein Engagement wurde Zankanella 2007 mit dem Alois-Mock-Menschenrechtspreis ausgezeichnet.

Im "Kathpress"-Gespräch zeigte sich P. Zankanella sehr erfreut über den Erlös des Benefizkonzerts und gab sich zuversichtlich, auch weiterhin die Arbeit von P. Guido unterstützen zu können. Er wolle vor allem auch westliche Firmen, die sich in großer Zahl in Kasachstan engagieren, für das Kinderdorf gewinnen.

Spenden für P. Guidos Hilfsprojekt: Raiffeisenbank Wien, BLZ 32.000, Kto.Nr. 101.265.06, Zweck: "Franz Hilf!".

O-Töne von P. Guido Trezzani sind in Kürze unter www.katholisch.at/o-toene abrufbar. (ende)
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