"KURIER"-Kommentar von Otto Klambauer: "Offenheit ist angesagt"

Alle Zilk-Akten gehören jetzt auf den Tisch - nicht nur die tschechischen.

Wien (OTS) - Mit Klischees sollte man vorsichtig umgehen. Aber
dass Wien in der Besatzungszeit und dann in der Ära des Kalten Krieges bis 1989 ein Tummelplatz der Spione von Ost und West war, ist verbürgt. Manche meinen, es ging auch danach munter weiter. Aktives Ausspionieren war und ist ein Haupt-Aktionsbereich der Spionage, Desinformation ein zweites wichtiges Feld jeder Agenten-Tätigkeit. Alleine die Apparate der Supermächte, der KGB und dann die CIA, entwickelten in Sachen Desinformation ganz beachtliche Perfektion. Umso mehr sind aus Sicht des Zeithistorikers alle Quellen streng zu überprüfen, in denen es um Geheimdienst-Aktivitäten in der Nachkriegszeit geht.
Deshalb ist es so wichtig, dass die Hintergründe der "Affäre Zilk" aufgeklärt werden: Um Zilks Rolle posthum zu klären. Vor allem aber als Reinigungsprozess der Republik Österreich. Denn es ist zu hinterfragen, wie sich die Staatspolizei in der Ära des Kalten Kriegs verhalten hat - und warum. Dazu gehören auch die Quellen in Österreich auf den Tisch. Es darf doch nicht wahr sein, dass es jetzt Sache der Journalisten sein muss, den österreichischen Zilk-Akt zu suchen.
Offenheit ist angesagt, nicht Verschleierung. Das wäre nämlich auch eine Form von Desinformation.

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