Grünewald: Stammzellforschung darf nicht zu Glaubenskrieg entarten

Rationale Debatte statt Privatoffenbarungen gefordert

Wien (OTS) - "Homers feuerspeiende Fabelwesen mit Löwenkopf, einer Ziege im Nacken und einen Drachenkopf als Schwanz sollte man - wie Franz-Joseph Huainigg im heutigen ´Standard´ es tat - nicht bemühen, wenn man von Grundlagenforschung an Chimären spricht. Menschliche Zellkerne werden in entkernten tierischen Eizellen, die quasi als Uterus dienen, zur Teilung angeregt und zu Stammzellen rückprogrammiert. Daraus wird weder ein Mensch noch ein Tier. Es ist eine Methode der Stammzellforschung, die nicht mehr auf menschliche Eizellen und medizinische Eingriffe an Frauen angewiesen ist", erklärt der Wissenschaftssprecher der Grünen, Kurt Grünewald.

Embryonen zu Forschungszwecken zu erzeugen ist verboten. "Leider hat Österreich aber die Bioethikkonvention des Europarates aus schwer verständlichen Gründen nicht ratifiziert. Hier wären klare Grenzen gesetzt worden, die in unseren Gesetzen nicht aufscheinen", kritisiert Grünewald die Beschwörung von Horrorszenarien und die Verbreitung von Vorurteilen, die die Debatte um embryonale Stammzellen immer mehr beherrschen.

Embryonale Stammzellen generieren sich aus ´überzähligen´ befruchteten Eizellen bei der in vitro Fertilisation und müssen nach österreichischem Gesetz nach fünf Jahren vernichtet werden. "Daher sollte Aufklärung die Grundlage auch ethischer Entscheidungen bilden. Halb- und Unwissen sowie die unreflektierte Verbreitung von Dogmen sind ethische Chimären, Vernunft und Ethik sollten keine Gegensätze werden. Ist es ethisch, befruchtete Eizellen nach fünf Jahren zu vernichten und unethisch, sie vorher zu beforschen?", fragt Grünewald.

"Wir wissen immer noch zu wenig, um Krankheiten und viele ihrer Ursachen zu verstehen und ohne dieses Verständnis werden wir in Diagnose und Therapie immer wieder versagen. Es geht nicht darum, ewiges Leben zu versprechen und die Heilung aller Leiden zu erwarten. Es geht um das Verstehen und die Erweiterung des Wissens. Wenn nun aus diesen acht oder sechzehn embryonalen Zellen, Erkenntnisse gezogen werden können, die Leiden lindern oder in fernerer Zukunft vielleicht auch heilen könnten, sollte man das nicht als Mord bezeichnen. Nun, nach Entscheid der Ethikkommission, bemüht man den Begriff Würde öfter als ich ihn in neun Jahren Parlament je gehört haben", wundert sich Grünewald. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Mehrheit der Mitglieder der Bioethikkommission würdelose Folterknechte sind und ihr Motiv Mordlust war. Bemühen wir uns, ihre Motive zu verstehen und sorgen so dafür, dass Aufklärung auch im einundzwanzigsten Jahrhundert noch einen Wert darstellt", schließt Grünewald

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