ÖAMTC: Weniger Unfalltote im Vorjahr, aber schon 108 Getötete im laufenden Jahr

Heuer mehr getötete Pkw-Mitfahrer, mehr getötete Fußgänger

Wien (OTS) - Im Jahr 2008 verunglückten auf Österreichs Straßen 678 Menschen tödlich. "Das ist zwar der niedrigste Wert seit 40 Jahren. Doch ist ein Rückgang bei den getöteten Personen im Straßenverkehr um knapp zwei Prozent kein Anlass zur Zufriedenheit", sagt Willy Matzke, Verkehrsexperte des ÖAMTC zu den aktuellen Unfallzahlen. Ein Blick über den nationalen Tellerrand zeigt, dass mehr möglich ist: In Deutschland konnte die Anzahl getöteter Personen im Straßenverkehr um zehn Prozent gesenkt werden. Die Straßensicherheit ist dort abseits der Autobahnen viel besser, unter anderem gibt es mehr beleuchtete Kreuzungen.

Dass das Problem in Österreich aber nicht nur hausgemacht ist, zeigen andere Zahlen: Österreich ist das "Verkehrsdurchhaus" Europas. In keinem anderen Land ist die Unfallbeteiligung durch Ausländer auch nur annähernd so hoch wie in der Alpenrepublik. "Das Unfallgeschehen mit Ausländern in Österreich auf Autobahnen bei rund 45 Prozent und auf wichtigen Hauptstraßen bei nahezu 25 Prozent", so Matzke (Quelle:
Statistik Austria). In Deutschland macht der Unfallanteil mit Ausländern auf Freilandstraßen 8,1 Prozent, im Ortsgebiet 8,2 Prozent aus.

Der ÖAMTC-Verkehrsexperte gibt weiters zu bedenken, dass sich diese Problematik oft ungefiltert in europaweiten Vergleichen von Unfallzahlen niederschlägt. "Leider gibt es in Europa keine einheitlichen Standards, die Unfallszahlen zu erfassen, um daraus einen eindeutigen Vergleich zwischen den Ländern zu ermöglichen", meint der ÖAMTC-Experte.

Triste Unfallentwicklung im heurigen Jahr (Stand KW 11) - über 56 Prozent mehr getötete Pkw-Mitfahrer, 44 Prozent mehr getötete Fußgänger.

Relativiert wird die Reduktion der Unfallzahlen im Jahr 2008 auch durch die aktuelle Entwicklung: Betrachtet man die Unfallzahlen 2009 (1. Jänner bis 15. März 2009), so zeigt sich, dass im Vergleich zum Vorjahr bisher leider mehr Pkw-Mitfahrer ums Leben gekommen sind:
Nach 16 getöteten Pkw-Mitfahrern in diesem Zeitraum des Jahres 2008 verunglückten heuer in der gleichen Zeit bereits 25 Pkw-Mitfahrer tödlich. "Damit stieg die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Pkw-Mitfahrer um über 56 Prozent.

Auch bei Fußgängern stieg die Anzahl der Getöteten von 18 auf 26 Personen (Stand KW 11). Das sind um 44 Prozent mehr. Einzig die Zahl der verunglückten Pkw-Lenker ging um neun Prozent von 45 Personen im Jahr 2008 auf 41 im aktuellen Jahr zurück", erklärt der ÖAMTC-Verkehrsexperte. Insgesamt sind auf Österreichs Straßen heuer bereits 108 Personen tödlich verunglückt. Mehr Unfalltote als im Vorjahr gab es in Salzburg (+11), in Vorarlberg (+3) und in Kärnten (+1).

ÖAMTC-Unfallanalyse - viele Frontalunfälle und getötete Fußgänger am Abend

In einer Analyse haben die Experten der ÖAMTC-Unfallforschung festgestellt, dass sich die meisten tödlichen Unfälle in den ersten Wochen des heurigen Jahres auf Landesstraßen ereignet haben. Insgesamt haben nahezu 90 Prozent der Verkehrstoten ihr Leben nicht auf der Autobahn, sondern im untergeordneten Straßennetz verloren. "Auffällig ist dabei auch die hohe Anzahl an Frontalunfällen mit vollbesetzten Autos, die eine Erklärung zum starken Anstieg der tödlich verunglückten Pkw-Mitfahrer sind", stellt Matzke fest. Verstärkend könnten sich in dem Zusammenhang auch die winterlichen Fahrverhältnisse in den vergangenen
Wochen ausgewirkt haben.

Eine genaue Betrachtung der Fußgängerunfälle zeigt, dass von den heuer schon 28 getöteten Fußgängern (Stand 19.03.09) viele in den Abend- und Nachtstunden und abseits von Zebrastreifen ums Leben kamen. "Die meisten Unfälle mit Fußgängern passieren, weil Menschen in dunkler Kleidung in den Abend- und Nachtstunden plötzlich die Fahrbahn betreten. Fußgänger müssen verstehen lernen, dass sie sich so selbst gefährden", betont der ÖAMTC-Verkehrsexperte.

Club fordert Eigenverantwortung und Alkokontrollen an Unfallpunkten

Um den starken Anstieg der Unfälle abseits von Autobahnen zu bremsen, fordert der ÖAMTC einen bundesweiten Sicherheitscheck des untergeordneten Straßennetzes. Gleichzeitig muss sich die Verkehrsüberwachung auf diese Straßen konzentrieren. "Allerdings können Kontrollen und Strafen alleine die Verkehrssicherheit nicht nachhaltig verbessern", hält Matzke fest. So kamen in der 4. Kalenderwoche (19. - 25. Jänner) 16 Menschen auf Österreichs Straßen ums Leben. Drei Wochen später, in der 7. Kalenderwoche (9. - 15. Februar) und in der 11. Kalenderwoche (9. - 15. März) verunglückten ein Fußgänger bzw. ein Pkw-Mitfahrer tödlich. Der Unterschied lässt sich weder durch verstärkte Kontrollen noch durch Bestrafungen erklären.

"Ausreichender Sicherheitsabstand, der Verzicht auf Alkohol beim Fahren, die Verwendung des Gurtes und die richtige Sicherung von Kindern im Fahrzeug heben die Verkehrssicherheit drastisch." Mit diesem Appell richtet sich der ÖAMTC-Verkehrsexperte vor allem an das Verantwortungsbewusstsein jedes Verkehrsteilnehmers. Denn mit dem Einsetzen der wärmeren Temperaturen ist zu befürchten, dass die Unfallzahlen besonders im Zweiradbereich wieder ansteigen, weil auch mehr Radler, Mopedfahrer und Biker wieder am Straßenverkehr teilnehmen.

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