Unfallbilanz 2008: Positiven Schwung in die nächsten Jahre mitnehmen

Visionäre Verkehrssicherheitsarbeit hat sich bewährt und soll in einem neuen Verkehrssicherheitsprogramm fortgesetzt werden

Wien (OTS) - Weniger Unfälle, weniger Verletzte und weniger Getötete: Das Jahr 2008 war aus Sicht der Verkehrssicherheit erfreulich. "Es haben sicher mehrere Faktoren beim Zustandekommen dieses Ergebnisses eine Rolle gespielt", sagt Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). "Möglicherweise haben die hohen Spritpreise einige Verkehrsteilnehmer zu einer ökonomischeren und entspannteren Fahrweise bewogen. In der Verkehrssicherheit kann man aber nicht immer auf solche Einmaleffekte hoffen, daher sollten wir uns im Rahmen eines Verkehrssicherheitsprogramms 2010-2020 die Frage stellen, wie wir diesen positiven Schwung in die nächsten Jahre mitnehmen können." Das Ergebnis 2008 ist aber sicher auch das Resultat einiger gesetzlichen Neuerungen der letzten zwei Jahre: Die Winterreifenpflicht für Lkw, die Winterausrüstungspflicht für Pkw, die 1:1-Regelung in Schulbussen, höhere Strafen für Handy am Steuer sowie bessere Verkehrsüberwachungsmöglichkeiten durch digitale Radargeräte und der kontinuierliche, flächendeckende Einsatz von Alkoholvortestgeräten. "Wir sehen, dass sich Verkehrssicherheitsarbeit, die strategischen Richtlinien folgt, bewährt. Wir werden zwar nicht alle Ziele des bisherigen Verkehrssicherheitsprogramms 2002-2010 erreichen, aber man sieht anhand der Zahlen trotzdem, wie viel Positives sich erreichen lässt, wenn man sich ein Ziel setzt", betont Thann. Bei einem neuen Verkehrssicherheitsprogramm müsse noch mehr Augenmerk auf die Vernetzung von Bund, Ländern und Gemeinden gelegt werden.

Moped 15: Unfallentwicklung weiterhin im Auge behalten

Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Unfälle 15-jähriger Mopedlenker durch den Wegfall gesetzlicher Restriktionen kontinuierlich gestiegen. Das ohnehin schlimme Jahresergebnis 2007 wurde im Jahr 2008 noch einmal übertroffen: 15-jährige Mopedlenker waren in 1.727 Unfälle verwickelt (2007: 1.577), 1.640 15-jährige Lenker wurden dabei verletzt (2007: 1.495), fünf getötet (2007: 7). "Wir sind froh, dass Verkehrsministerin Doris Bures dieses Thema in Angriff genommen und einen Gesetzesentwurf eingebracht hat, der die praktische Ausbildung der 15-jährigen Mopedlenker erweitert. Das heißt aber nicht, dass das Problem damit endgültig gelöst ist", gibt Thann zu bedenken. "Auch in den kommenden Jahren müssen wir diesen Bereich aufmerksam beobachten und bei den Maßnahmen weiter nachjustieren." Man dürfe auch nicht vergessen, dass es sich um junge Menschen handelt, die möglicherweise den Rest ihres Lebens mit körperlichen Einschränkungen zu kämpfen haben. Immerhin werden 16 Prozent der 15-jährigen Mopedlenker beim Unfall schwer verletzt. Hier sollte Unfallfolgenforschung betrieben werden, die sich die Frage stellt:
"Wie geht es mit diesen Jugendlichen nach dem Unfall weiter?"

Radfahrer: Beinahe doppelt so viele Tote

Zwar ist die Zahl der Unfälle mit Radfahrern 2008 gesunken und es gab auch weniger Verletzte - aber die Zahl der Getöteten ist von 37 im Jahr 2007 auf 62 im Jahr 2008 in die Höhe geschnellt. Dabei gab es eine unglückliche Häufung von Unfällen zwischen Lkw und Radfahrern, bei denen der "tote Winkel" eine Rolle gespielt hat - also jener Bereich, in dem ein Lkw-Fahrer andere Verkehrsteilnehmer im Rückspiegel nicht wahrnehmen kann. Bereits seit 2003 müssen neue Lkw mit Weitwinkelspiegeln ausgerüstet werden. Zusätzlich zur technischen Ausrüstung sollte der tote Winkel auch Gegenstand intensiver Übungen in der Fahrausbildung sein und vor allem muss auch das Bewusstsein anderer Verkehrsteilnehmer für die Problematik des toten Winkels beim Lkw geschärft werden. "Man muss aber auch bei der Infrastruktur und bei der Entflechtung von Rad- und motorisiertem Verkehr ansetzen, wo die gefahrenen Geschwindigkeiten hoch sind", fordert Thann. Zum Beispiel könnte man die Sonderregelungen für Radfahranlagen überarbeiten. In der Praxis ist vielen Verkehrsteilnehmern auch der Unterschied zwischen Mehrzweckstreifen und Radfahrstreifen kaum bekannt.

Österreich wird älter: Welche Auswirkungen hat das auf zukünftige Verkehrssysteme?

Sieht man sich die Unfallentwicklung der Generation 65+ der letzten Jahre an, wird eines ganz deutlich: Österreichs Senioren sind heute wesentlich agiler, dadurch ändert sich auch ihr Mobilitätsverhalten. Im letzten Jahrzehnt sind immer weniger Senioren als Fußgänger verunglückt. Dafür verunfallen mehr Senioren als Radfahrer, Motorrad-und Pkw-Lenker. Insgesamt ist die Zahl der Verkehrsunfälle mit Menschen, die älter als 65 sind, von 5.212 im Jahr 1995 auf 6.591 im Jahr 2008 gestiegen. "Die Mobilität älterer Menschen ist in Österreich ein sehr sensibles Thema, das die Emotionen hochgehen lässt. Wir werden aber nicht umhin kommen, uns der Tatsache einer alternden Gesellschaft objektiv zu stellen und die Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit zu diskutieren", sagt Thann. So müsse erhoben werden, welche Faktoren die Älteren in ihrer sicheren, barrierefreien und sozialverträglichen Mobilität behindern. Man müsse die Bedingungen analysieren, die zur hohen Bindung an das Auto führen und der Frage auf den Grund gehen, wie alternative Verkehrsmittel für ältere Menschen attraktiver werden können. Heute trainieren die Österreicher den Umgang mit den Gefahren des Straßenverkehrs nur in den ersten vier Jahren ihrer Schulzeit durchgehend. Eine zukunftsorientierte Verkehrserziehung sollte darauf ausgerichtet sein, Risikokompetenz durch beständiges Gefahrentraining in allen Altersgruppen zu fördern.

Rückfragen & Kontakt:

Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Dolores Omann
Marketing & Kommunikation
Tel.: 0577077-1904
E-Mail: dolores.omann@kfv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KVS0001