Zur Lage der heimischen Kunst Kunstbericht 2007 liegt vor

Wien (PK) - "Der vorliegende Kunstbericht 2007 trägt eine neue Handschrift. Seit 1. März 2007 liegt die Verantwortung für Unterricht, Kunst und Kultur in einem Ministerium. Das eröffnet die doppelte Chance, den Wirkungsbereich von Kunst zu erweitern - sei es durch Verbesserung der Kunstförderung in Richtung Vermittlung, sei es, der Kunst im Bereich der Schulen einen prominenten Stellenwert einzuräumen. Im ersten Jahr meiner Tätigkeit als Ministerin habe ich eine Reihe von einander ergänzenden Zielen verfolgt, deren Erreichung sich zum Teil bereits im vorliegenden Kunstbericht widerspiegelt." Mit diesen Worten umreißt Bundesministerin Claudia Schmied die Ergebnisse der heimischen Kunstpolitik des Jahres 2007 in ihrem Vorwort zum entsprechenden Kunstbericht. (III-3 d.B.)

Weiter auf dem bisherigen Weg

Im wesentlichen freilich wurde der bisherige politische Kurs in Sachen Kunstpolitik fortgesetzt. Die staatliche Förderung zielt weiter auf die "großen Tanker" der heimischen Kunstszene ab, entfielen doch auch im Berichtsjahr wieder fast ein Drittel aller Mittel auf sechs Institutionen. Das "Theater in der Josefstadt" erhielt 8,5 Mio. Euro, die "Salzburger Festspiele" 5,7 Mio. Euro, das Wiener "Volkstheater" 4,9 Mio. Euro, die Philharmoniker 2,5 Mio. Euro, die "Bregenzer Festspiele" 2,2 Mio. Euro und das "Theater der Jugend" 1,8 Mio. Euro.

Insgesamt wendete der Staat im Berichtzeitraum 88,5 Mio. Euro für die heimische Kunst auf, rund 650.000 Euro mehr als im Jahr zuvor. Da aber 2007 für EU-Kulturangelegenheiten 2,1 Mio. Euro ausgegeben wurden, ein Posten, den es 2006 de facto noch nicht gab, gingen die Förderungen der traditionellen Kunstbereiche cum grano salis generell leicht zurück. Der Anteil der Bühnenkunst an den Fördermitteln betrug rund 45 Prozent, jener des Films zirca 22,5 Prozent. Die Architektur schlägt sich mit exakt 10 Prozent zu Buche, regionale Kulturinitiativen erhielten etwa fünf Prozent des budgetären Kuchens. Und jeder achte Subventionseuro wurde in die heimische Literatur investiert.

Eine Aufwertung erfuhr jedoch das Filmwesen, das im Berichtszeitraum einen Schwerpunkt bildete. Weitere Akzentuierungen betrafen die Bereiche kulturelle Partizipation und die Förderung des künstlerischen Nachwuchses in allen Sparten. Wie schon seit geraumer Zeit sind die Mittelzuteilungen auch im vorliegenden Bericht wieder nach dem LIKUS-System gelistet, was eine bessere Vergleichbarkeit ermöglicht. Dabei sind auch jene Förderungsbereiche ausgewiesen, die an sich nicht in den Kompetenzbereich der Kunstsektion fallen. Sie werden dennoch angeführt, um einen interministeriellen, nationalen und internationalen Budgetvergleich zu ermöglichen.

Genderaspekte

In den vergangenen Jahren wurde oftmals die Frage nach der Geschlechtergerechtigkeit bei der Verteilung der Förderungen gestellt. Da eine diesbezügliche Auswertung für den Kunstbericht zuletzt im Jahr 1997 durchgeführt wurde und damit nicht mehr aktuell ist, werden im vorliegenden Kunstbericht wieder jene finanziellen Transferleistungen, die direkt an einzelne Künstlerinnen und Künstler gingen, nach genderbezogenen Kriterien ausgewertet. Zusätzlich werden erstmals die in der Kunstsektion tätigen Beiräte und Jurys geschlechtsspezifisch dargestellt.

Im Jahr 2007 wurden insgesamt 5,2 Mio. Euro für die Förderung von einzelnen Künstlerinnen und Künstlern verwendet. Diese Summe umfasst nicht nur Stipendien und Projektförderungen, sondern auch Zahlungen für Preise, Prämien und Kunstankäufe. Bei insgesamt 1.019 Stipendien/Projekten wurden 415 Vorhaben von Künstlerinnen mit einer Summe von 1,8 Mio. Euro und 604 Vorhaben von Künstlern mit einer Summe von 2,3 Mio. Euro unterstützt. Durchschnittlich flossen jeweils 4.393 Euro an Projekte von Frauen und 3.886 Euro an Projekte, die von Männern durchgeführt wurden.

Zusätzlich zu diesen Förderungen wurden Kunstwerke im Gesamtwert von 662.546 Euro angekauft, wobei 260.549 Euro an 68 Frauen und 401.997 Euro an 83 Männer gingen. 2007 wurden auch 116 Preise und Prämien für besondere künstlerische Leistungen verliehen. Insgesamt wurden 53 Künstlerinnen und 63 Künstler für ihre Arbeiten ausgezeichnet. Der Gesamtbetrag von 413.000 Euro ging zu 47 % an Frauen und zu 53 % an Männer.

Insgesamt gab es also 1.286 Förderungen, 750 (58 %) Förderungen zu insgesamt knapp drei Millionen Euro (57 %) an Männer, 536 (42 %) Förderungen zu insgesamt 2,3 Mio. Euro (43 %) an Frauen. Pro Förderung wurden durchschnittlich für Männer 3.959 Euro, für Frauen 4.248 Euro aufgewendet. Anders gesagt: Obwohl in Summe etwas mehr Mittel an Männer als an Frauen fließen, liegen Frauen bei der durchschnittlichen Förderungshöhe vor den Männern.

Literatur

Die Förderung literarischer Vereine und Veranstaltungen nimmt mit 4,42 Mio. Euro bzw. ca. 52 % den größten Bereich dieser Kunstsparte ein. Die Literaturabteilung fördert die Literaturhäuser in den Bundesländern und die dort ansässigen größeren literarischen Institutionen, die nicht nur wesentlich zum literarischen Leben im jeweiligen Bundesland, sondern zu einem positiven und anregenden literarischen Klima in ganz Österreich beitragen. Sie beteiligt sich aber auch an Projekten kleinerer Veranstalter und an der Finanzierung von Literaturvereinen und Literaturzeitschriften, die für junge Autorinnen und Autoren von besonderer Bedeutung sind.

Heute gibt es in Österreich ein flächendeckendes Netz von Literaturhäusern, Literaturveranstaltern und Literaturgruppen und mit dem Österreichischen P.E.N.-Club, der Grazer Autorinnen Autoren Versammlung, der Interessengemeinschaft Autorinnen Autoren und der Übersetzergemeinschaft vier repräsentative Schriftstellerverbände.

Musik

Die Förderung von Orchestern, Musikensembles und größeren Konzertveranstaltern nimmt mit 6,13 Mio. Euro den Löwenanteil in dieser Sparte ein. In der Bundeshauptstadt Wien befinden sich die beiden großen traditionellen Konzerthäuser (Musikverein und Konzerthaus). Die neuen Räumlichkeiten in beiden Häusern dienen nach umfangreichen Renovierungs- bzw. Sanierungsarbeiten vor allem als Veranstaltungsort für Programmschienen, mit denen neue Publikumskreise (Kinder, Jugendliche usw.) erschlossen werden und aktuelle musikalische Strömungen in das Angebot einbezogen werden können.

Die Zusammenarbeit mit großen Wiener Orchestern wie den Wiener Philharmonikern oder den Wiener Symphonikern und mit diversen Kammermusikformationen ermöglicht eine große Programmvielfalt. Die Programmgestaltung umfasst neben International-Renommiertem auch Österreichisch-Innovatives. Etablierte Konzertserien mit prominenten internationalen Orchestern, Dirigentinnen und Dirigenten sowie Solistinnen und Solisten und eine Anzahl von thematisch strukturierten Einzelprojekten wie z.B. die Festivals Resonanzen (Alte Musik) und die Konzertserien Nouvelles Aventures, World - Musik der Welten oder spezielle Kinderprogramme runden die Programmpalette ab. Beide Veranstalter gestalten seit 1988 auch gemeinsam das Festival Wien Modern, das dem Musikschaffen des 20. und 21. Jahrhunderts gewidmet ist. Seit Jahrzehnten vorbildhaft im Bereich der Musikvermittlung tätig ist die Musikalische Jugend Österreichs (Jeunesse).

Darstellende Kunst

Die Besonderheit des Theatersystems in den deutschsprachigen Ländern besteht darin, dass es im europäischen Vergleich über eine besonders hohe Theaterdichte verfügt. Dies hat zur Folge, dass die Theaterbudgets einen Großteil der für Kultur aufgewendeten kommunalen (regionalen) Landes- oder Bundesmittel ausmachen.

Der zur Gänze von der Abteilung 2 zur Verfügung gestellte Betrag von 20,58 Mio. Euro repräsentiert fast 24 % des Budgets der Kunstsektion und liegt damit in der LIKUS-Reihung an erster Stelle vor dem Film und den Festspielen. Insgesamt wurden 2007 im Bereich darstellende Kunst für Größere Bühnen 14,5 Mio. Euro aufgewendet.

Förderungen erhielten u.a. in Salzburg das Schauspielhaus Salzburg (Elisabethbühne), in Oberösterreich das Theater Phönix und in Wien folgende Bühnen: Theater in der Josefstadt, Volkstheater Wien, Theater der Jugend, Schauspielhaus, Wiener Kammeroper und Vienna´s English Theatre.

Film

Wie die Literatur ist auch der Film in Österreich durch eine relative Randlage innerhalb einer großen Sprachgruppe geprägt, die für Kino und Fernsehen einen geschlossenen Markt darstellt. So hat sich eine der österreichischen Filmkultur angepasste Filmförderungspolitik entwickelt, die die Besonderheiten und die Größe Österreichs ebenso berücksichtigt wie dessen Leistungsfähigkeit bei der Produktion von Spiel-, Experimental- und Low-Budget-Filmen.

Während sich die Filmförderung durch das ÖFI dem Kinospielfilm (arbeitsteiliger Produktionsprozess, ökonomische Professionalität usw.) widmet, bezog sich 2007 die Filmprojektförderung der Abteilung 3 mit einem Budget von ca. 2 Mio. Euro vor allem auf die Bereiche der Avantgarde, des Experiments, der Innovation, des Nachwuchses und der künstlerisch gestalteten Dokumentation. Neben der Filmherstellung wurden auch die Medienkunst sowie die nationale und internationale Verwertung der geförderten Filme mitfinanziert und die in der Sparte Film- und Medienkunst tätigen Verbreitungseinrichtungen und -initiativen, Künstlervereinigungen, Programmkinos sowie die Filmarchivierung, Publikationen und Präsentationen gefördert.

Nach der Erhöhung des Budgets des ÖFI sowie der Filmförderung der Kunstsektion und der Einrichtung des Fernsehfonds Austria wurde als weitere Etappe eine Filmförderungsgesetznovelle durchgeführt, um die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Filmförderung in Österreich zu sichern. Damit wurde das ÖFI zu einem Kompetenzzentrum ausgebaut, dessen Eckpunkte die gesetzliche Verankerung der Nachwuchsförderung, die Erstellung eines jährlichen Filmwirtschaftsberichts und die Einrichtung eines Österreichischen Filmrats sind.

Bei den geförderten Institutionen sind besonders der Verleih für künstlerisches Film- und Videoschaffen "Sixpack Film", das Österreichische Filmmuseum, das mit anspruchsvollem internationalen Programm in der Albertina neue Maßstäbe setzt, das Österreichische Filmarchiv, dessen vom Bund und dem Land Niederösterreich finanziertes Filmlager in Laxenburg dem österreichischen Filmerbe Raum gibt, und die Donau-Universität Krems mit ihrem umfangreichen Ausbildungsangebot und der digitalen Restaurierstation hervorzuheben. Um österreichische Kinos, die dem Publikum durch vielfältige Programmierung ein ambitioniertes, abwechslungsreiches und künstlerisch wertvolles Filmangebot bieten, in ihrer Arbeit finanziell zu unterstützen, wurden 2007 mit der jährlich ausgeschriebenen Kinoinitiative ca. 100.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Seitens des ÖFI wurden zahlreiche heimische Spielfilme gefördert, so u.a. "In drei Tagen bist du tot 2" von Andreas Prohaska, "Revanche" von Götz Spielmann, "Der Knochenmann" von Wolfgang Murnberger, "Der Kameramörder" von Adrian Pejo, "Das Vaterspiel" von Michael Glawogger und "Die Hexe Lili" von Stefan Ruzowitzky.

Architektur

Architektur und Design bilden gleichfalls einen wichtigen Förderungsbereich. Die Förderungsmaßnahmen zielen darauf ab, die zeitgenössische österreichische Architektur und das heimische Design strukturell zu stärken, einzelne Vorhaben zu fördern, die öffentliche Rezeption zu verbessern, die Diskussion zu vertiefen und ein Problembewusstsein bei den öffentlichen und privaten Bauträgern sowie einer interessierten Öffentlichkeit zu schaffen.

Dazu werden die in allen Bundesländern eingerichteten Häuser und Foren für Architektur maßgeblich mitfinanziert. Diese präsentieren national und international in verschiedenen Ausstellungen nicht nur neuere österreichische architektonische Entwicklungen, sondern veranstalten auch Tagungen, Seminare und Vorträge, führen Baubesichtigungen und Exkursionen durch und bieten Workshops u.ä. für Kinder und Jugendliche an.

Mit dem Architektur Zentrum Wien existiert eine Institution, die auch international als Knotenpunkt der Diskussion über das architektonische Geschehen Beachtung findet. Dieser Umstand hat dazu beigetragen, den Kommunikationsprozess zwischen Architektinnen und Architekten, Bauträgern und Baubehörden bzw. mit einem zunehmend größer werdenden Publikum in Gang zu setzen und ihm eine strukturelle Basis zu geben, die einen permanenten Informationsaustausch ermöglicht.

Preise

Wie jedes Jahr gibt auch der vorliegende Bericht wieder einen Überblick über die heimischen Preise und Auszeichnungen. So erhielt Josef Dabernig den "Würdigungspreis für bildende Kunst", Michael Radulescu den "Würdigungspreis für Musik", Stefan Ruzowitzky den "Thomas Pluch-Preis" für heimisches Filmschaffen und A.L. Kennedy den "Staatspreis für Europäische Literatur".

Ein umfangreiches Register mit nützlichen Adressen, Gesetzestexten und Glossar runden den Bericht ab. (Schluss)

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