"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Weil die ÖVP nicht will" (Von MICHAEL SPRENGER)

Ausgabe vom 23. März 2009

Innsbruck (OTS) - Die Drohungen über mögliche Jobverluste im Lehrerbereich machen die Entschärfung des Konflikts zwischen Bildungsministerin Claudia Schmied und der Lehrergewerkschaft nicht wahrscheinlich. Im Gegenteil. Wer die Lehrergewerkschaft kennt und sich auf einen Konflikt mit dem Gewerkschaftschef der Beamten, Fritz Neugebauer, einlässt, muss wissen, was kommt. Insofern ist Bildungsministerin Claudia Schmied ob ihres Konfliktmanagements in der Tat nicht gut beraten. Das ändert aber nichts am Sachverhalt.

Das Bildungssystem in Österreich braucht eine grundlegende und umfassende Reform - und keinen Lehrerstreik wegen zwei Stunden mehr Unterricht. Die Gründe hierfür sind bekannt: Österreich leistet sich ein im internationalen Vergleich teures Schulsystem bei gleichzeitigem Mittelmaß der Schülerkompetenzen. Zudem herrscht ein signifikanter Zusammenhang zwischen Bildungsweg und sozialer Herkunft. Und zu guter Letzt bekommen die Lehrer nicht annähernd jene gesellschaftliche Anerkennung, die sie etwa in jenen Ländern haben, die den bildungspolitischen Umbau längst durchgeführt haben.

Warum passiert also nichts? Weil Bildungsfragen immerzu Ideologiefragen sind. Es sind also nicht primär die Beharrungskräfte der Lehrergewerkschaft, die eine Reform verhindern. Zu einem guten Teil erfüllt die Gewerkschaft bloß ihre Funktion. Es ist in erster Linie die ÖVP, die sich seit Jahren gegen jegliche Reform querlegt. Solange sich aber die ÖVP nicht mit einem Kraftakt von ihren eigenen Fesseln befreit, bleibt in Bildungsfragen wahr, was immer war.

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