"Die Presse am Sonntag": Sticklers Abrechnung

Ausgabe vom 23.03.2009

Wien (OTS) - Der frühere ÖFB-Präsident Friedrich Stickler rechnet im Interview mit der "Presse am Sonntag" über den "extrem kleinkarierten" Fußball in Österreich ab. Er habe kein Verständnis dafür, dass man den früheren Teamchef Karel Brückner vorwarf, nicht gut deutsch zu sprechen. "Das ist für mich extrem kleinkariert. ich glaub nicht, dass ein otto Rehagel inzwischen griechisch gelernt hat. Oder dass Ivica Osim mit seinen Spielern japanisch gesprochen hat." Seinem Nachfolger Leo Windtner erteilt er keine Ratschläge. Denn das habe ihn schon bei seinem eigenen Vorgänger, Beppo Mauhart, genervt. "Ich habe selbst erlebt, dass jemand seinem Nachfolger Noten gibt. Es ist immer leicht von einer Loge heraus wie ein Muppet zu kommentieren", meint Stickler. Das der ÖFB-Präsident weiterhin ein ehrenamtlicher Posten ist, nimmt er zur Kenntnis. Stickler hatte vor seinem Abgang vorgeschlagen, einen hauptamtlichen ÖFB-Präsidenten einzusetzen. "Der ÖFB ist ein Wirtschaftsunternehmen. Das ist ja nicht irgendeine kleine Quetschn", hält der Chef der Lotterien fest. Am stärksten irritiert haben Stickler "Aussagen wie: Eigentlich passt der ja gar nicht zum Fußball". In allen anderen Ländern habe er Ex-Politiker, Rechtsanwälte und Top-Manager als Fußballfunktonäre getroffen. In Österreich habe es über ihn, Stickler, geheißen: "Das ist ja keiner, der mit aufgekrempelten Ärmeln, mit offenem Kragen oder im Leiberl herumrennt", sagt Stickler in dessen Ära das österreichische Team in 63 Spielen nur 16 Mal gewonnen hat. "Ich habe mich damit abgefunden, dass der Erfolg eines ÖFB-Präsidenten ausschließlich am Erfolg der Nationalmannschaft gemessen wird", resümiert Stickler. Dass er die Euro 2008 nach Österreich gebracht hat, sie für ihn "einer der großen Erfolge meines Lebens". Auch die Jugendarbeit, die zu einem vierten Platz bei der U-20-Weltmeisterschaft geführt habe, sei unter seiner Ära aufgewertet worden. Einen großen Vorwurf macht sich Stickler aber noch immer. "Dass ich Krankls Vertrag einmal verlängert habe." Er hätte Hans Krankl als Teamchef früher feuern müssen, gesteht er der "Presse am Sonntag".

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