Weitere Schritte im Kampf gegen Lebensmittel im Müll

PERNKOPF: Wichtig ist Bewusstseinsbildung gegen Verschwendung!

Wien (OTS) - "28.000 Tonnen Lebensmittel wandern pro Jahr in die Mülltonnen niederösterreichischer Haushalte. Oft sogar originalverpackt und noch verwendbar! Im nächsten Schritt eines Pilotprojekts in NÖ Wohnhausanlagen geht es darum, verschiedene Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen einzusetzen und ihre Wirksamkeit und Akzeptanz bei der Bevölkerung zu überprüfen", erklärt Umweltlandesrat Dr. Stephan Pernkopf.

Das Problem ist bekannt, und jeder von uns hat es im Kühlschrank:
Lebensmittel, deren Haltbarkeitszyklen sich nicht an unsere modernen Lebensgewohnheiten halten! Wohl kaum jemand kauft Lebensmittel mit dem Vorsatz ein, sie alsbald in den Hausmüll zu werfen. Trotzdem landen in Niederösterreich täglich Tonnen von Brot, Gemüse, Fleisch-und Wurstwaren, Fertigprodukten und Naschereien aus Haushalten im Müll. Ein Pilotprojekt der NÖ Abfallverbände und des Landes zeigt das Ausmaß der Verschwendung und will Tipps für einen sinnvollen Umgang mit Lebensmitteln geben.

Pilotprojekt gestartet

Die von acht niederösterreichischen Abfallverbänden vergangenen Herbst bei Wohnhausanlagen durchgeführten Müllanalysen waren Anlass zum Handeln: 25 % des Restmüllgewichts der von den Abfallverbänden untersuchten Großcontainer aus Wohnhausanlagen sind so genannte "Ernährungsabfälle". Fast die Hälfte davon entfällt auf originalverpackte Lebensmittel oder solche in angebrochenen Verpackungen. Den Rest bilden Speisereste und Abfälle aus der Lebensmittelzubereitung. Auch in den Biotonnen der Wohnhausanlagen ist noch ein Anteil an vermeidbaren Lebensmittelabfällen von 10 % des Abfallgewichts zu finden.

Mülltonne statt Sparschwein?

Bewertet man die weggeworfenen Lebensmittel mit aktuellen Supermarktpreisen, dann ergibt sich ein Wert von durchschnittlich 17,40 Euro und Monat, mit der jeder Haushalt im Monat anstelle seines Sparschweins seine Mülltonne "füttert". Insgesamt summiert sich das -alleine in den 14 Pilot-Wohnhausanlagen - auf über 16.000 Euro pro Monat bzw. 192.000 Euro pro Jahr!

Umfrageergebnisse lassen aufhorchen

Von der Bevölkerung wird das Problem des Wegwerfens von Lebensmitteln durchaus erkannt und ernst genommen. Das zeigt eine eben erst abgeschlossene Untersuchung, die vom Institut für Abfallwirtschaft an der Wiener Universität für Bodenkultur durchgeführt wurde: "Was Problembewusstsein und die Einstellung der Befragten betrifft, zeigt sich, dass das Thema 'Lebensmittel im Müll' bis in die privaten Haushalte vorgedrungen ist. Den Befragten tut es entweder leid, wenn sie Lebensmittel wegwerfen müssen, oder es stört sie sogar, egal ist es niemandem", kommentiert DI Dr. Sandra Lebersorger vom BOKU-Team die Ergebnisse.

Die repräsentative Umfrage in 928 Haushalten beschäftigt sich auch mit den Gründen, warum Lebensmittel im Haushalt übrig bleiben. Demnach werden "zu große Packungsgrößen" und die Tatsache, dass "Kinder nicht aufessen", am relativ häufigsten genannt. Dass "beide oder mehrere Haushaltsmitglieder einkaufen, ohne sich abzusprechen" kommt dagegen nur äußerst selten vor. Am Ende wurden die Befragten gebeten, mögliche Maßnahmen gegen die Lebensmittelflut im Müllcontainer zu nennen. Hier werden Tipps, mit denen sich die Genießbarkeit von Lebensmitteln feststellen lässt, und Infos über die richtige Lagerung favorisiert. Vom Handel wünscht man sich kleinere Packungsgrößen, und auch das Einkaufen mit Einkaufszettel wird als sinnvoll bewertet.

Maßnahmen gegen die Verschwendung

RegR Alfred Weidlich, Präsident des NÖ Abfallwirtschaftsvereins, kündigt die Umsetzung einer Reihe von einer Arbeitsgruppe der NÖ AbfallberaterInnen entwickelten Maßnahmen in den Pilot-Wohnhausanlagen von acht Abfallverbänden an: "Wir werden in den nächsten Monaten intensiv informieren und unterschiedliche Maßnahmen auf ihre Akzeptanz bei der Bevölkerung testen. Es geht uns darum, brauchbare Unterstützung für die Haushalte zu liefern, damit weniger Lebensmittel im Restmüll landen."

An Informationsmedien wird es für die Haushalte in den Pilot-Wohnhausanlagen neben Ratgebern zum Einkauf und zur Lagerung von Lebensmitteln Infotafeln für Müllräume geben und Clipboards für Einkaufszettel. Ebenfalls getestet wird ein spezielles Internet-Tool, das Rezeptauswahl samt Resteverwertung nach persönlichen Vorlieben organisiert und dabei gleich einen automatisch generierten Einkaufszettel erstellt.

Kreative Ideen gesucht

Gesucht wird auch eine neue, besonders kreative Idee zur Motivation der Bevölkerung von Wohnhausanlagen, sich mit der Problematik des Wegwerfens von Lebensmitteln zu beschäftigen. Kreativagenturen, Schulen und Akademien sind von den Abfallverbänden eingeladen, sich an einem Wettbewerb über "kreative Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmitteln im Abfall von Wohnhausanlagen in NÖ" zu beteiligen. Der besten Idee winkt ein Preisgeld von 3.000 Euro.

Zusammenarbeit mit Schulen

Im Pilotprojekt der Abfallverbände arbeitet auch die HLW Türnitz mit. In der Höheren Lehranstalt und Fachschule für wirtschaftliche Berufe beschäftigen sich seit Beginn des Schuljahres SchülerInnen und Lehrpersonen in mehreren Gegenständen intensiv mit dem abfallwirtschaftlichen Lebensmittelproblem. Bei einer Veranstaltung in der HLW wurde dieses breite Programm der Öffentlichkeit vorgestellt.

Infos auf Radio HIT-FM und im Web:

Im Rahmen ihres Projekts haben die SchülerInnen der HLW Türnitz auch fünf Radiospots gegen die Verschwendung von Lebensmitteln getextet und gesungen. Diese sind in den nächsten Wochen auf Radio HIT-FM zu hören.

Weitere Infos zu "Lebensmittel im Abfall" und zu anderen abfallwirtschaftlichen Themen auf www.abfallverband.at

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Christian Beck, NÖ Abfallwirtschaftsverein
3109 St. Pölten, Rennbahnstraße 29b
Tel. +43 (0)2742/23 00 60
E-Mail: office@noeawv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AWV0001