Club der kranken Häuser

Verantwortliche der NÖ Ärztekammer sind vom Ergebnis des Club 2 vom 18.03.2009 enttäuscht

Wien (OTS) - Bezugnehmend auf das Buch "Verschlusssache Medizin"
des Medizinjournalisten Kurt Langbein wurde eine Runde im Club 2 des ORF zusammengestellt, um die Inhalte und damit aufgeworfenen Probleme zu diskutieren. "Die Zusammenstellung der Diskutanten hat sich dem dahinterliegenden grundlegenden Problem der "kranken" Krankenhäuser leider nicht ausreichend genähert. Viele Detailprobleme wurden angerissen, dem Kern des Problems blieb man allerdings in einem hohen Maße fern", so Dr. Ronald Gallob, Kurienobmann der angestellten Ärzte in Niederösterreich. "Aufgrund der Tatsache, dass die Krankenhäuser der NÖ Landesklinikenholding mit Schwerpunkt im Buch angesprochen werden, ist es verständlich, dass der medizinische Chef dieser Holding anwesend war." Unverständlich ist für Dr. Gallob allerdings die Tatsache, dass er als betroffener Kuriensprecher und somit einziger legitimierter Vertreter der etwa 3.000 angestellten Ärztinnen und Ärzte des Landes Niederösterreich nicht eingeladen war.

Abwanderung von Ärztinnen und Ärzten ist zu beobachten

"Um eine, wenn nicht sogar die wesentliche Diagnose hat sich die Diskussion leider rasch vorbei manövriert", so Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner. "Das Hauptproblem heißt Personalmangel. Die Häuser der NÖ Landesklinikenholding haben heute einen Grad der Inanspruchnahme erreicht, den das vorhandene Personal nicht mehr bewältigen kann. Die Arbeits- und Lebenssituation der Spitalsärztinnen und Spitalsärzte hat sich in den Jahren drastisch verschlechtert, sodass eine Abwanderung von Ärztinnen und Ärzten aus den Krankenanstalten zu beobachten ist", so Reisner weiter.
Der Personalmangel war bisher verdeckt, weil die Ärztinnen und Ärzte eine hohe Bereitschaft für die Leistung von Überstunden zeigten. "Die Tatsache, dass diese Überstunden einen wesentlichen Teil des Gehaltes erzeugen, ist heute aufgrund der massiven Arbeitsverdichtung eine untergeordnete und mehr und mehr schwindende Motivation."

Was wird wohl aus den chronisch kranken Krankenhäusern?

Es ist für Kurienchef Dr. Gallob jedenfalls dringend an der Zeit, die eindeutige Diagnose Personalmangel offen auszusprechen und schnell mit einer sinnvollen Therapie der "kranken Häuser" zu beginnen. Dieses "Krankheitsbild" ist nicht auf Niederösterreich beschränkt, sondern letztendlich in ganz Österreich zu finden.
"In einem Staat, in dem man über die 35-Stundenwoche nachdenkt und wo die Diskussion über zwei Lehrerarbeitsstunden mehr die Volksseele zum Kochen bringt, muss man doch die Frage stellen dürfen wie es möglich ist, dass man seriös und verantwortungsbewusst Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bis zu 72 Stunden pro Woche zumutet." Für Dr. Gallob ist Qualität mehr als ein Begriff, den man mit Hilfe moderner Benchmarks, Registern und dergleichen theoretisiert. "Wir müssen offen und ehrlich über die vorhandenen Probleme sprechen", fasst Kurienchef Dr. Gallob zusammen.

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