"Arik Brauer schlägt Brücken zwischen Christen und Juden"

Kardinal Schönborn und Kulturministerin Schmied eröffneten die Arik-Brauer-Sonderausstellung des Wiener Dommuseum

Wien, 18.3.09 (KAP) Das vielseitige künstlerische Schaffen Arik Brauers und dessen Bedeutung für den Dialog zwischen Christen und Juden stand am Dienstagabend im Zentrum der Eröffnung der neuen Sonderausstellung "Arik Brauer und die Bibel" des Wiener Dommuseum. Kardinal Christoph Schönborn würdigte bei der Festveranstaltung die "unermüdliche Bereitschaft" Brauers, "Brücken zwischen Judentum und Christentum zu schlagen". Eine Haltung, so Schönborn, die angesichts der Lebensgeschichte des Künstlers "alles eher als selbstverständlich" sei. Wörtlich sagte Kardinal Schönborn: "Ich danke Ihnen, dass Sie uns trotz der schweren Last der Geschichte soviel Herzlichkeit und Freude in Österreich schenken".

Arik Brauer wurde 1929 als Sohn eines jüdischen Handwerkers in Wien-Ottakring geboren. Brauers Vater überlebte den Holocaust nicht. Er wurde im Konzentrationslager ermordet, während Arik und seine Mutter als "U-Boote" in Wien überlebten.

Immer noch wüssten viel zu wenige Menschen, "wie unendlich viel an Lebendigkeit, Kultur, Menschlichkeit und Talenten Österreich durch den Wahnsinn und das Grauen in der Mitte des 20. Jahrhunderts verloren hat", sagte Kardinal Schönborn. Und an Arik Brauer gerichtet: "Umso dankbarer dürfen wir sein, dass Sie diesem Land nicht den Rücken zugekehrt haben, dass sie im Gegenteil vielen Menschen ein Symbol der Freude, des Wohlwollens und der Zuwendung zum Leben sind".

Der Wiener Erzbischof erinnerte daran, dass die katholische Pfarrkirche "Am Tabor" in Wien-Leopoldstadt 1995 nach einem Entwurf Arik Brauers eine neue Fassadengestaltung erhalten hatte. Er erinnere sich mit Freude an diese Zeit, sagte der Wiener Erzbischof: "Ich habe mit Spannung erleben dürfen, wie Arik Brauer an das Thema herangegangen ist, eine Kirchenfassade mit dem 'Letzten Abendmahl', das ja ein Pessachmahl war, zu gestalten". Diese Initiative sei bewusst in der Leopoldstadt gesetzt worden, die "durch die Geschichte des Holocaust so belastet ist".

In besonderer Weise dankte Kardinal Schönborn dem Künstler dafür, dass er bei der Ausstellungseröffnung gemeinsam mit seiner Familie das "Hohe Lied der Liebe" aus dem Ersten Testament präsentierte. Dass dieses erotische Gedicht zu einem Teil der Bibel wurde, sei nur möglich, weil es offensichtlich für die Liebe Gottes zu seinem Volk "kein schöneres Bild gibt als die leidenschaftliche Liebe zwischen Mann und Frau".

Auch Kulturministerin Claudia Schmied würdigte bei der Ausstellungseröffnung "den selbstverständlichen Umgang des jüdischen Künstlers Arik Brauer mit den Christen und umgekehrt deren selbstverständliches und respektvolles 'Willkommen' für die Juden". Dies sei ein "ein gutes Signal" in einer Welt, in der Religion vielfach missbraucht werde, um Menschen gegeneinander aufzuwiegeln, so Schmied.

Arik Brauer habe sich in seinem Leben von den Herausforderungen des Schicksals nie beirren lassen, sagte die Ministerin. Sein Optimismus könne auch in den heutigen, schwierigen Zeiten Vorbild für die Menschen sein.

Brauer ist ein "homo universalis"

Dommusem-Direktor Bernhard Böhler unterstrich die Vielseitigkeit Brauers der u.a. als Maler, Sänger, Schriftsteller, Architekt und Komponist bekannt ist. Arik Brauer sei "einer der letzten Vertreter des renaissancezeitlichen Ideals eines 'homo universalis'", so Böhler. Die religiöse Kunst Brauers reiche über alle Grenzen von Völkern und Generationen hinaus. Zugleich sei Brauers Kunst "gleichsam sein ganz persönlicher Beitrag zum jüdisch-christlichen Dialog". Für Brauer seien Aussprüche kennzeichnend wie "Besser violett geträumt als grau gedacht" und "was sich gut malt, tanzt sich gut".

Die Journalistin Danielle Spera zeichnete in ihrer Laudatio die wechselvolle Lebensgeschichte Brauers nach, der einer der bedeutendsten Vertreter der "Wiener Schule des Phantastischen Realismus" ist. Von klein auf sei die Malerei für Arik Brauer eine "Berufung" gewesen, so Spera. Mit seiner Malerei erzähle er gleichzeitig Geschichten: "In jedes seiner Bilder kann man förmlich eintauchen wie in eine eigene Welt".

Die Ausstellung "Arik Brauer und die Bibel" ist vom 18. März bis 20. Juni 2009 im Wiener Dommuseum (1010 Wien, Stephansplatz 6) zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag jeweils 10 bis 17 Uhr. (Informationen: Internet: www.dommuseum.at).

O-Töne von der Veranstaltung sind unter "www.katholisch.at/o-toene" abrufbar. (ende)
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