Villazón gegen Internet-Terror und unsachliche Kritik.

Wien (OTS) - Der mexikanische Tenor Rolando Villazón, zuletzt
wegen eines Stimmproblems in einer New Yorker "Lucia di Lammermoor"-Vorstellung und eine Absage in Paris ins multimediale Visier geraten, wendet sich in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe gegen die grassierende üble Nachrede. Villazón, der nach erschöpfungsbedingter Pause auf die Bühnen der Welt zurückgekehrt ist, zum acht Sekunden langen Aussetzer an der "Met" in New York:
"Ich bin kein Gladiator. Ich bin Künstler. Es gibt zwar ein paar wenige Leute, die kommen nur in die Oper, um zu sehen, wie hoch der Tenor singen kann oder wie lang er den Ton halten kann. Aber das ist mehr Sport als Kunst. An der Met wurde ich krank und hätte wahrscheinlich rückblickend besser abgesagt. An dem Abend wollte ich aber unbedingt trotzdem singen. Nach dem Unfall herrschten auf der Bühne acht Sekunden Stille. Das war ein ziemlich dramatischer Augenblick. Aber dann machten wir ganz normal weiter. Und es wurde eine großartige Vorstellung. Das Publikum hat die ganze Aufführung erlebt. Aber die Welt kennt nur diese acht Sekunden. Wenn vor vierzig Jahren ein Sänger einen Unfall auf der Bühne hatte, sprach das Publikum darüber, es gab vielleicht in zwei Zeitungen kurze Meldungen darüber und dann war es vorbei. Wenn man aber heute einen Unfall auf der Bühne hat, dann kann sich das die ganze Welt anhören. Die Leute stellen ihre Videos über Youtube ins Internet und ergötzen sich daran. Aber das Publikum in New York ließ mich spüren, dass es hinter mir stand. Ich hatte eine Schleuse zum Publikum geöffnet. Es war, als riefen sie mir zu, "Komm, wir schaffen das gemeinsam." Das war ein großartiger Moment."

Und zur Pariser "Werther"-Absage: "Wir Sänger müssen genau wissen, bis zu welchem Punkt man mit einer Erkältung noch auftreten kann, und ab wann es zu riskant wird. Wir müssen mit unserem Instrument und unserer Gesundheit sehr verantwortlich umgehen. Aber jetzt darf ich nicht einmal mehr niesen, ohne dass manche Menschen gleich von Krise sprechen. Das ist anscheinend der Preis, den man zahlen muss, wenn man im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Und ich bin nur ein Beispiel für vieles in der Opernwelt. Manchmal, wenn ich in den blauen Himmel blicke, dann sehe ich, wie schwarze Vögel ihre Kreise über meinem Kopf ziehen. (...) Das sind vor allem die Leute, die in den Internetforen über mich schreiben. Ich sage dann zu ihnen, hey, werdet da oben nicht müde. Ich habe noch viel Zeit vor mir. Wirklich beschäftigen tut mich das allerdings nicht - ich konzentriere mich meist auf das Positive. Ich erhalte so viele wunderbare Briefe und E-mails die ich voller Freude lese und dieser Zuspruch bedeutet mir sehr viel. Das ist es, was ich in meinem Herzen bewahre."

Villazón zum mancherorts verschärften Ton der Kritik: "Ich habe keine Angst vor den Kritikern. Und Kritiken lese ich schon lange nicht mehr. Zu Beginn meiner Karriere habe ich jede einzelne Kritik über mich gelesen. Ich bin aber jetzt an dem Punkt angekommen, wo es mir nichts mehr bringt, all das zu lesen. Nicht, weil mir schlechte Kritiken wehtun. Manchmal bin ich nur eine Ausrede, wenn man das System oder die CD-Firmen kritisieren will."

Gleich zu Beginn der Ära Meyer/Welser-Möst an der Staatsoper wird Villazón in "La Bohème" auftreten.

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