Lebendige Kirche..."Concordia 72" (2)

"Religion war kein Thema"

Nach dem Gottesdienst im Stephansdom stellte sich Kardinal Christoph Schönborn den Fragen der Jugendlichen. Dabei sprach der Wiener Erzbischof freimütig über seine eigene Jugend und seinen persönlichen Weg zum Glauben. Gegenüber seinen eigenen Jugenderinnerungen sei die Kirche heute "viel offener und interessanter geworden", so der Kardinal. Früher habe es kaum ein Pfarrleben gegeben, auch sei Religion "bei uns zu Hause nie ein Thema gewesen", erinnerte sich der Kardinal. Erst durch seinen Religionslehrer habe er die Kirche "als geistiges Zuhause" entdeckt.

Die Fragen betrafen neben den "klassischen" Fragen nach dem Zölibat, der Haltung der Kirche zu vorehelichem Geschlechtsverkehr und der Rolle der Frauen in der Kirche auch die Bedeutung der Bibel und die Unterschiede zwischen den verschiedenen Konfessionen.

Positive Bilanz

P. Sporschill zog im "Kathpress"-Gespräch eine durchwegs positive Bilanz des Auftakts von "Concordia 72". Der Zuspruch der Jugendlichen - mehr als 1.000 folgten der Einladung in den Arkadenhof im Wiener Erzbischöflichen Palais - habe seine Hoffnungen und Erwartungen "bei weitem übertroffen", so P. Sporschill.

Zugleich sei damit auch das eigentliche Ziel des Projekts, nämlich zumindest 72 Jugendliche zu finden, die sich bereit erklären, selbst Sozialprojekte zu entwickeln oder sich in bestehenden Projekten zu engagieren, mehr als erfüllt worden. Es sei gelungen, den "Idealismus in den Herzen der österreichischen Jugendlichen zu wecken". Die Zahl 72 bezieht sich auf eine Stelle im Lukas-Evangelium, in der es heißt, dass Jesus 72 Jünger aussuchte und sie aussandte "in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte" (Lukas-Evangelium 10,1).

Für die 1.000 Jugendlichen gab es im Erzbischöflichen Palais ein buntes Bühnenprogramm mit Musik, Präsentationen von Sozialprojekten und Gesprächsrunden. Zehn bereits bestehende Projekte - unter anderem Projekte in Rumänien, Indien, aber auch soziale Projekte in Wien, etwa in Altenheimen - wurden vorgestellt.

Nun gelte es, das einmal angestoßene Interesse an sozialer Mitarbeit und Engagement in konkrete Projekte einfließen zu lassen, so P. Sporschill im Gespräch mit "Kathpress". Daher findet am Mittwoch, 18. März, im Wiener "Concordia"-Haus (Hochstettergasse 6, 1020 Wien) ab 18 Uhr ein Nachfolgetreffen für alle interessierten Jugendlichen statt, die an einem Projekt mitarbeiten oder selbst ein Projekt entwickeln wollen.

P. Sporschill möchte mit seiner neuen Aktion österreichischen Jugendlichen die Möglichkeit bieten, sich sinnvoll für eine bessere Welt und mehr Mitmenschlichkeit einzusetzen. Es sei tragisch, so der Jesuit, wenn Jugendliche in der Wohlstandsgesellschaft das Gefühl hätten, nicht gebraucht zu werden. Vandalismus oder Komatrinken seien deutliche Folgen dieser gesellschaftlichen Entwicklung. Er wolle mit seiner Jugendaktion ein Zeichen dagegen setzen, betont P. Sporschill. Vor kurzem hatte der Jesuit in Wien auch angekündigt, demnächst ein größeres Haus für Volontäre in Rumänien in Betrieb zu nehmen, sodass weit mehr als nur 30 junge Menschen gleichzeitig bei P. Sporschills Sozialprojekten mitarbeiten können.

Seit 1991

Im Oktober 1991 war P. Sporschill im Auftrag der Caritas mit drei ehrenamtlichen Mitarbeitern und einem vollgepackten Kleinbus nach Rumänien gekommen, wo er in sechs Monaten ein kleines Heim für Straßenkinder aufbauen sollte. Das erste Kinderhaus wurde erworben und renoviert. Gleichzeitig begann die Arbeit am Bukarester Nordbahnhof und auf den Straßen. Im Jänner 1992 wurde die Organisation "Concordia" gegründet. Im Laufe der Jahre wurden in Bukarest und anderen rumänischen Städten weitere Kinderhäuser gegründet.

So wurde in Pitesti, 80 Kilometer nördlich von Bukarest, eine aufgelassene Kolchose erworben und zu einer Farm für Kinder und Jugendliche mit Wohnhäusern, Landwirtschaft, Bäckerei, Schlosserei, Tischlerei ausgebaut. Seit 2004 ist P. Sporschill mit seiner Hilfsorganisation auch in Moldawien tätig, 2006 folgte die Ukraine. 2008 wagte Sporschill den Sprung nach Bulgarien, wo ein Sozialzentrum in der Hauptstadt Sofia im Entstehen ist.

Große Aufgaben sieht Sporschill aber vor allem in Moldawien, dem Armenhaus Europas. Für 2009 sei die Errichtung von 40 Suppenküchen geplant, so der Jesuitenpater. Weiters sollen auch zehn Sozialzentren errichtet werden. Schon jetzt würden täglich 2.000 alte Leute mit Essen versorgt und 350 Kinder in den von "Concordia" geführten Waisenhäusern betreut. Die Not in Moldawien sei unvorstellbar groß, so P. Sporschill. Umso mehr sei das reiche Österreich gefordert, Hilfe zu leisten. (forts.mgl.)
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