WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Nicht das Kartell, der Markt macht den Ölpreis - von Herbert Geyer

Der Schlüssel für einen rationalen Ölpreis liegt nicht mehr bei der Opec

Wien (OTS) - Man weiß nicht so recht, ob man darüber glücklich sein soll oder nicht, aber: Das einst allmächtige Öl-Kartell Opec ist zahnlos geworden. Jedenfalls hält die Welt längst nicht mehr den Atem an, wenn die Ölminister der Kartell-Staaten - wie gestern -zusammentreten, um über eine mögliche Kürzung der Förderquoten zu verhandeln.

Es ist schließlich auch ziemlich egal, ob sich die Opec auf neue Förderquoten einigt, wenn die Welt davon ausgehen kann, dass sich -wie seit der Quotenkürzung im vergangenen September - zumindest einige der vielen Opec-Fraktionen ohnehin nicht an die vereinbarten Fördermengen halten, sondern produzieren, was sie für die eigenen Staatshaushalte für nötig halten.

Für das Wohlergehen der Weltwirtschaft ist der Entschluss der Opec aber ohnehin von untergeordneter Bedeutung: Spätestens seit den Höchstpreisen des Vorjahres haben Unternehmen und Konsumenten rund um den Globus begriffen, dass die Zeit billigen Öls ein für allemal vorbei ist und daher Energiesparen angesagt ist. Verstärkt wird diese Notwendigkeit noch durch die Anstrengungen zur CO2-Reduktion, die in Europa Common Sense sind und unter der neuen Führung der USA auch dort ernsthaft angegangen werden. All das wird den Energieverbrauch ein Stück weit von der Konjunkturentwicklung entkoppeln. Ein hoher Ölpreis wird daher künftig die Konjunkturentwicklung bei weitem nicht mehr so dramatisch beeinflussen wie in früheren Jahren.

Dass dem so ist, beweist ja auch die Geschichte des Vorjahres, als auch ein Ölpreis um die 150 Dollar die Konjunktur nicht wirklich gefährdete. Der Zusammenbruch kam erst mit den Bank-Zusammenbrüchen im September - und da hatte der Ölpreis bereits wieder die 100 Dollar unterschritten und ging (wegen der einbrechenden Konjunktur) in den freien Fall über.

Bemerkenswert ist, dass weder der Rekordanstieg der Ölpreise im Sommer 2008 noch ihr Absturz im Herbst etwas mit den Entscheidungen der Opec zu tun hatte. Ursache war eine spekulative Blase und deren Platzen - also eine Fehlfunktion der Finanzmärkte.

Aber auch daraus lässt sich etwas lernen: Wenn die Industriestaaten Wert auf eine rationale Entwicklung der Ölpreise legen, dann liegt der Schlüssel dafür nicht bei der Opec, sondern beim Funktionieren der Finanzmärkte. Und die gehören - da sind sich ja fast alle einig -zur Vermeidung der nächsten Krise ohnhin reformiert.

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