"Ein Zeugnis menschlicher und christlicher Größe"

Österreichs Bischöfe würdigen "Offenheit und Sensibilität" des Papstes in seinem Brief an den Weltepiskopat über die Causa der Lefebvrianer - Es geht um die Wiedergewinnung des Vertrauens in der Kirche

Wien-Innsbruck, 13.3.09 (KAP) Die "Offenheit und Sensibilität", mit der Benedikt XVI. sowohl seine "wahren Absichten" als auch die vermeidbaren "Pannen" und schließlich die "entstandenen Missverständnisse und Verhärtungen" rund um die Causa der Lefebvrianer in seinem Brief an den Weltepiskopat benennt, hat die österreichischen Bischöfe beeindruckt. Dies wird in einer Erklärung des Episkopats betont, die Kardinal Christoph Schönborn am Freitag in Wien bei der Abschlusspressekonferenz zur Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz der Öffentlichkeit präsentierte. Der Brief des Papstes an den Weltepiskopat sei "ein eindrucksvolles Zeugnis menschlicher und christlicher Größe". Die Haltung des Papstes sei für die Bischöfe "Vorbild im Umgang mit schwierigen Situationen". Es werde nichts "schöngeredet" und gleichzeitig würden die "tragenden Absichten des Handelns" sichtbar.

Es sei dem Papst um einen "leisen Gestus der Barmherzigkeit" gegangen, um "die vier lefebvrianischen Bischöfe zur Rückkehr einzuladen". Es sei eine "nicht vorhersehbare" Panne gewesen, dass diese Geste "von dem Fall Williamson überlagert wurde", sage der Papst und füge hinzu: "Ich lerne daraus..."

Klar und unmissverständlich habe Benedikt XVI. im Hinblick auf die "Pius-Bruderschaft" festgehalten, dass die Vereinigung keine kanonische Stellung in der Kirche habe, solange die lehramtlichen Fragen nicht geklärt sind, erinnern die österreichischen Bischöfe. Die vier lefebvrianischen Bischöfe könnten daher keine Ämter rechtmäßig in der Kirche ausüben.

Beeindruckt zeigten sich die österreichischen Bischöfe davon, was Papst Benedikt XVI. über den Umgang mit Gruppen in der Gesellschaft feststellte, die von Radikalisierung bedroht sind: "Muss nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre möglichen Träger – wenn irgend möglich – zurückbinden in die großen gestaltenden Kräfte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselungen und all ihre Folgen zu vermeiden?" Die österreichischen Bischöfe betonen, dass sie in dieser Mahnung den Auftrag sehen, gesellschaftlichen Ausgrenzungen und ihren Gefahren entgegenzuwirken.

Papst Benedikt XVI. mache sich keine Illusionen über Einseitigkeiten der "Pius-Bruderschaft", unterstrich Kardinal Schönborn. Sie sehen es deshalb aber als "vorbildlich" an, dass Benedikt XVI. dennoch auf eine "Öffnung der Herzen" vertraut: "Sollte die Großkirche nicht auch großmütig sein können im Wissen um den langen Atem, den sie hat?" zitieren die Bischöfe aus dem Schreiben des Papstes.

Der lange Atem heiße Vertrauen. Es gehe um Vertrauen auf Christus, aus dem gegenseitiges Vertrauen wächst: Vertrauen zwischen Rom und den Ortskirchen, Vertrauen auch "zwischen den Vertretern unterschiedlicher Auffassungen über den Weg der Kirche". Das gelte auch für Österreich, unterstrich der Vorsitzende der Bischofskonferenz. (forts.)
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