Nach den "Turbulenzen" setzt die Kirche...(2)

Kein "verpflichtender" Ethikunterricht

Die österreichischen Bischöfe plädieren für ein "gut abgestimmtes Miteinander von konfessionellem Religionsunterricht und Ethikunterricht, in dem beide ihren Dienst an den jungen Menschen leisten können", fasste Kardinal Schönborn im Hinblick auf die neuaufgeflammte Debatte über den Ethikunterricht die Meinung der österreichischen Bischöfe zusammen. In diesem Sinn werde man kirchlicherseits auch bei der bevorstehenden Parlamentarischen Enquete über den Ethikunterricht argumentieren.

Bei aller positiven Sicht eines "ergänzenden" Ethikunterrichts müsse aber festgehalten werden, dass in einem Land, in dem 90 Prozent der Bevölkerung einer Religionsgemeinschaft angehören, der Ethikunterricht nicht für alle Schüler verpflichtend sein könne. Denn dies würde eine Relativierung des konfessionellen Religionsunterrichts bedeuten.

In diesem Zusammenhang erinnerte Kardinal Schönborn daran, dass der Religionsunterricht in Österreich "gut angenommen" sei. 95 Prozent aller katholischen Schülerinnen und Schüler - 730.000 Kinder und Jugendliche - besuchten den katholischen Religionsunterricht als Pflichtgegenstand. Zusätzlich nehmen mehr als 25 Prozent der der Schülerinnen und Schüler ohne religiöses Bekenntnis am katholischen Religionsunterricht als Freigegenstand teil.

In einer Gesellschaft, "in der eine nicht unbedeutende Zahl von Menschen ihre Werte säkular begründet", sei es angemessen, dass es für Schüler, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, einen verpflichtenden Ethikunterricht gibt, halten die österreichischen Bischöfe fest. Es stelle sich aber die Frage, so Kardinal Schönborn, wie der sich selbst als "weltanschaulich neutral" verstehende Staat den Ethikunterricht in seine Kompetenz nehmen soll. Nach Ansicht ds deutschen Staatsrechtlers Ernst-Wolfgang Böckenförde lebe die Demokratie von Voraussetzungen und Werten, die sie selbst weder schaffen noch garantieren könne. Wenn das so ist, dann stelle sich im Blick auf den Ethikunterricht die Frage: "Woraus soll das Ethos dieses Ethikunterrichts bei einem wertneutralen Selbstverständnis denn gezogen werden?" Diese Grundsatzfrage müsse noch "umfassend gesellschaftlich diskutiert" werden. (forts) K200902547
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