Leuchtenstreit in der City prolongiert

Stadtrat Schicker beharrt auf Fehl-Design für das Weltkulturerbe

Wien (VP-Klub) - Im Konflikt um die so genannten Designer-Leuchten für die umgestaltete Fußgängerzone hat Stadtrat Schicker heute eine neue Runde eröffnet, mit einem modifizierten Leuchten-Entwurf, der sich nur unwesentlich vom alten, massiv abgelehnten Entwurf unterscheidet.

Stadtrat Schicker hat eine Leuchte vorgestellt, die sich im Stil und in der Grundhaltung nicht wesentlich vom ursprünglichen Design unterscheidet. Sie ist technisch, materialmäßig und in der Farbe modifiziert worden und kann als gutes Design für jeden anderen Standort, nur nicht für das historische Zentrum Wiens betrachtet werden. Es ist ein Entwurf, der im Gegensatz zur spezifischen Atmosphäre der Wiener Innenstadt steht. Wenn man bewusst den Charme der Inneren Stadt brechen und polarisieren möchte, dann wäre der Zweck dieser Leuchte erfüllt. Wenn einem die Innere Stadt aber mit der ihrer eigenen Ausstrahlung etwas wert ist, dann ist diese Leuchte nicht geeignet.

Sie zeichnet sich - trotz der farblichen Adaptionen - durch Dominanz aus, wird zu einem Selbstzweck und integriert sich nicht in die innerstädtische Architektur.

Experten höchst skeptisch bis ablehnend

Was Architekt Gustav Peichl zum alten Entwurf sagte, ist auch auf den neuen anwendbar: "Diese Leuchte ist eine Katastrophe für die Innere Stadt, denn sie sprengt das Maß". Auch Prof. Helmut Margreiter, Architekt und Bildhauer, dessen Skulpturen vor der Erste Bank am Graben standen und wieder installiert werden, sieht die "Wirkung der Inneren Stadt durch diese Leuchte gestört".

Wie viele Bürger stellt auch die Bezirksvorsteherin die Frage, weshalb die Stadt Wien auf diesen Kandelabern besteht? Man könnte wie in Florenz z.B. indirekte Beleuchtung anbringen oder wie in Venedig am Markusplatz, der wesentlich breiter ist als die Kärntnerstraße oder der Graben, Drähte spannen und in einer erträglichen Höhe ästhetisch gelungene Leuchtkörper anbringen.

Außerdem ist auf die überwältigende Mehrheit von befragten Personen zu verweisen, die in zahlreichen Umfragen und Unterschriftenaktionen den Typus der alten Bogenlampen, der so genannten Maiglöckchen-Leuchten, bevorzugten. Dass diese noch dazu um die Hälfte billiger wären, auch wenn sie neu produziert und mit neuester Technik ausgestattet werden würden, ist ein weiterer, nicht zu unterschätzender wirtschaftlicher Vorteil.

Außerdem stellt sich die Frage, ob alle Maiglöckchen-Leuchten nun diesem Modell weichen müssen?

Was geschieht mit den Maiglöckchen?

Immerhin befinden sich in der Inneren Stadt über 800 so genannte Maiglöckchen-Leuchten. Wenn 80 Maiglöckchen-Leuchten gegen die neuen Kandelaber ausgetauscht werden, kostet das 700.000 Euro. Bei über 800 Leuchten wäre das ein 7-Millionen-Euro-Auftrag - in Schilling umgerechnet ein Auftrag um ca. 100 Millionen Schilling. Weshalb man also einer ästhetisch akzeptierten und wirtschaftlich vertretbaren Lösung nicht den Vorzug gibt, ist unbegreiflich.

"Ich verlange daher, dass man auf die Aufstellung dieser Leuchte in der Inneren Stadt verzichtet und sie stattdessen an geeigneten Standorten wie modernen Bahnhöfen, Ausfallsstraßen, Brücken oder Autobahnraststätten installiert. Schließlich hat der Bezirk nur dem finanziellen Rahmen für die Neugestaltung der Fußgängerzone zugestimmt - aber der Finanzierung der Leuchten und der Möblierung noch nicht. Die Leuchte an sich ist ein guter Entwurf - nur der Standort 1. Bezirk ist falsch", schloss Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel.

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