Kopf: Es gibt noch viel zu tun für die vollständige Chancengleichheit von Frauen

II. NR-Präsident und ÖVP-Klubobmann luden zu Gedenkveranstaltung für Hildegard Burjan

Wien (ÖVP-PK) - Zu einer Gedenkveranstaltung für die Sozialreformerin und Gründerin der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis", Hildegard Burjan, luden gestern, Dienstagabend, der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer und ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf ins Parlament. Gleichzeitig wurde ein Buch über Burjan vorgestellt. ****

"Wir gedenken nicht nur einer Frau und Parlamentarierin, sondern auch dessen, was sie geleistet hat. Sie war die erste christlich-soziale Abgeordnete in einer Männerriege", so Neugebauer, der die zahlreichen Festgäste - darunter Ministerin Dr. Maria Fekter, Staatssekretärin Christine Marek sowie ÖVP-Ehrenparteiobmann Dr. Alois Mock -begrüßte. Ihn, Neugebauer, habe beim Lesen des Buches besonders fasziniert, dass diese Frau - aus einer großbürgerlichen Familie und begütert, - sich trotz langjähriger schwerer Krankheit den Ärmsten der Armen gewidmet habe. Burjan habe einen für alle politisch Interessierten wichtigen Satz geprägt: "Volles Interesse für die Politik gehört zum praktischen Christentum."

Hildegard Burjan wurde als erste weibliche christlichsoziale Abgeordnete der ersten Nationalversammlung der Ersten Republik am 12. März 1919 angelobt. Der Konstituierung der Nationalversammlung am 4. Februar waren am 16. Februar die ersten allgemeinen, gleichen, geheimen, direkten Wahlen vorangegangen, bei denen Frauen erstmals das aktive und passive Wahlrecht ausüben konnten.

"Es waren immer die großen Persönlichkeiten in der Vergangenheit wie Hildegard Burjan, die die Gesellschaft verändert haben. Sie war eine Wegbereiterin des Sozialstaates und wurde auch ‚Gewissen des Parlaments’ und ‚Heimarbeiterinnenmutter von Wien’ genannt", erinnerte ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf an die christlichsoziale Abgeordnete. Bereits zu ihrer Zeit habe sie "gleichen Lohn für gleiche Arbeit" als politische Forderung postuliert, hob der Klubobmann Burjans Kampf für die Rechte und Gleichberechtigung der Frauen hervor. Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Fragestunde in der Plenarsitzung am Donnerstag, die sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt. Gleichberechtigung sei nicht mehr nur ein Schlagwort, "dafür haben die Vorkämpferinnen und Vorkämpfer gesorgt". Burjan würde mit der Entwicklung durchaus zufrieden sein, wenngleich sie ihr Engagement nicht einstellen würde.

"Es gibt noch viel zu tun für die stärkere Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen, für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die vollständige Chancengleichheit. Ihr Porträt im ÖVP-Parlamentsklub und die heutige Veranstaltung sollen uns ständig ermutigen, es ihr gleichzutun und ihr Werk fortzusetzen", zeigte sich Kopf stolz, so berühmte, wertvolle und tatkräftige - auch die Gesellschaft verändernde und gestaltende - Persönlichkeiten im ÖVP-Klub gehabt zu haben.

Die frühere Frauenministerin und jetzige ÖVP-Frauenchefin Maria Rauch-Kallat hob in ihrem Statement Hildegard Burjan als "eine bemerkenswerte Frau, die Pionierin und Eisbrecherin für die Rechte der Frauen war und zu einem frühen Zeitpunkt oft die erste gewesen war, die Dinge angepackt hat", hervor. Sie habe sozialpolitische Meilensteine nicht nur durchgesetzt, sondern auch finanziert. Sie hat die Not gesehen und geholfen, wo immer das möglich war. Sie forderte auch das Recht der Frauenarbeit und hat für gerechten Lohn gekämpft, - eine Forderung, die bis heute nicht erreicht sei, so Rauch-Kallat. Die Schwesterngemeinschaft Caritas Sociales sei eine beispielgebende Einrichtung, die das Erbe Burjans weitertrage.

Die ehemalige Wiener Landtagspräsidentin Maria Hampel-Fuchs präsentierte Hildegard Burjan "als Vorbild und Visionärin" und wies darauf hin, dass die Kirche die Seligsprechung Burjans erwarte. Die Oberin der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis", Sr. Maria Judith Tappeiner CS, beleuchtete anschließend das Vermächtnis von Burjan - "eine Frau, die die Sozialpolitik der Anfänge unserer Republik mitgestaltet hat". Sie sei ein Vorbild für selbstbewusstes ‚Dranbleiben’, das auch vor Hindernissen nicht zurückschrecke.

"Furche"-Chefredakteur Claus Reitan präsentierte im Gespräch mit der Publizistin Prof. Ingeborg Schödl die dritte und aktualisierte Auflage der Hildegard-Burjan-Biographie Schödls, die unter dem Titel "Frau zwischen Politik und Kirche" im Wiener "Dom"-Verlag erschienen ist. Schödl zeichnet darin den außergewöhnlichen Lebensweg dieser engagierten Frau mit großem Einfühlungsvermögen nach, "die in der Kirche ihre Heimat gefunden hatte. Sie wollte das Evangelium durch soziale Tat verkünden", so Autorin.

(Hildegard Burjan. Frau zwischen Politik und Kirche, von Ingeborg Schödl, 2008, 231 Seiten, mit Schwarz-Weiß-Abbildungen, Maße: 21 cm, kartoniert (TB), Wiener Dom-Verlag, ISBN-10: 3853512046)
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