Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Für die Weisheit sterben"

Ausgabe vom 11. März 2009

Wien (OTS) - Der Landwirtschaftsminister und die Regierung jubeln. Das von den großen Wissenschaftern der "Kronen Zeitung" und einigen sogenannten NGOs zu großer Weisheit angeleitete Österreich hat einen großen Sieg errungen, nämlich im Kampf gegen genmodifizierte Organismen. Freilich: Manche Siege gleichen sehr denen von Pyrrhus.

Trotz des Siegestaumels sollte man nun etwa genau aufpassen, wie die USA reagieren, welche die meisten dieser neuen Lebensmittelprodukte exportieren. Dort hat man nun die Wahl. Die USA könnten sagen: Die "Kronen Zeitung" und der österreichische Minister haben recht; sie haben uns von bisher nicht bekannten gewaltigen Gefahren der Gentechnik überzeugt und wir bereuen.
Es gibt aber auch die kleine Möglichkeit, dass man in Amerika die hiesige wissenschaftliche Weisheit nicht anerkennt. Dann könnten sich die USA rächen, was ihnen die internationale Rechtslage erlaubt, was auch die EU-Kommission weiß, die sich gegen Österreich gestellt hat. Die Amerikaner können nun als Revanche europäische Produkte mit hohen Strafzöllen belegen. Was auch in Österreich zum Verlust von Arbeitsplätzen führen wird.

Aber wir haben sie ja. Wer wird sich schon mitten in der bekannten Hochkonjunktur um Arbeitsplätze kümmern? Der Sozial- oder der Wirtschafts- oder sonst ein Minister tun das jedenfalls genauso wenig wie die Sozialpartner.

Die genveränderten Produkte haben in 22 Ländern und bei Hunderten Millionen Konsumenten keinen Schaden angerichtet. Sie führen zu besseren Ernten und reduzieren den Einsatz von Chemikalien (was naturgemäß die chemische Industrie weniger freut). Aber in dem von Hungerkatastrophen geplagten Simbabwe hat man Lebensmittelhilfe mit solchen Produkten abgelehnt, weil diese gefährlich seien. Was zweifellos am Tod vieler Menschen Mitschuld trägt.

Dabei kann man - in dieser Frage - der dortigen Regierung nur wenig Vorwurf machen. Hat sie doch praktisch keine eigenen Wissenschafter. Da glaubt man dann vieles, was man aus Europa so hört. Wo man es halt wieder von "Krone" und NGOs hört. Und die haben es wieder von dem bekannten Forscher Prinz Charles gehört. Deren Weisheit sollte den Afrikanern schon ein paar Tausend Tote wert sein. Oder Zehntausende.

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